Sowas wie Liebe

Bedeutungslosigkeit


Worte, die so leer sind wie Hüllen. Die verbraucht sind. Die bedeutungslos sind.

„Ich liebe dich.“ „Ich denke an dich.“ „Ich vermisse dich.“ Worte, die nicht leicht dahergesagt sein sollten. Worte, die wir heutzutage im Übermaß verwenden. Wir schmeißen sie in den Raum, ohne näher über ihre Bedeutung nachzudenken. Und nehmen es als nichts Besonderes mehr wahr, wenn sie jemand uns gegenüber verwendet.

Zwölf- oder Dreizehnjährige, die jeden Tag ihre Liebe neuentdecken. „Oh, I love you soo much, du bizzt das wichtiqzzte für mich!“ Die eine Person nicht mal richtig kennen, aber dann schreiben „Ich kann nicht ohne dich, baby“. Die ihre Existenz von einer Person abhängig machen, von der sie eigentlich nichts genaures wissen, außer dass sie „super süzz und sexy“ ist und dass sie diese „so krazz doll liebääähn.“

Worte, die unvergänglich sind. Worte, die kostbar sein sollten, die wie ein Schatz gehütet werden sollten, um nur in den passenden Momenten rausgekramt zu werden. Worte, die aus dem Herzen kommen.

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3 Kommentare zu „Bedeutungslosigkeit

  1. Du sprichst mir ganz krazz doll aus dem Herzen: Wie soll ich etwas Kraftvolles sagen, wenn die Worte dazu „verbraucht“ oder „abgenutzt“ sind? Ich weiß wirklich nicht, wie ich sie ersetzen soll und die Ergänzung „echt“ ist leider auch abgegriffen und drückt echt nicht mehr aus, dass es sich um etwas Bedeutsameres handeln soll.
    Danke

  2. Ich finde Menschen sagen sich viel zu wenig das sie sich lieben. Ich glaube jedoch auch das man ein vernünftiges Mittelmaß finden muss.

    Mein „Verbrauch“ von „Liebesgeständnissen“ ist jedoch auch sehr hoch, Glaube ich. Das kann mir wohl nur meine Freundin beantworten.
    :)
    Aber lieber zu viel als garnicht.

  3. Ich habe gerade einige Stunden im Krankenhaus bei einer guten Freundin (im Sinne von Freundschaft — die deutsche Sprache ist an dieser speziellen Stelle leider sehr unzureichend) verbracht, während sie auf eine (wegen Notfällen über fünf Stunden verschobene) Operation wartete.

    Sie ist gerade dabei, sich von ihrem Mann zu trennen und hat sich neu verliebt (tatsächlich in dieser Reihenfolge). Ihre bisherigen Beziehungen stellen im wesentlichen eine Kette von Katastrophen dar, wie ich über viele Jahre als Tröster und Nothelfer intensiv miterlebt habe (meine eigenen Gefühle für sie ähneln, obwohl sie sehr attraktiv ist, eher denen für eine kleine Schwester — ich habe mich in dieser Hinsicht oft ernsthaft geprüft, und bin stets zur gleichen Schlussfolgerung gelangt). Der „Neue“ ist nicht ganz lastenfrei, er ist noch — wenn auch sehr unglücklich — verheiratet, und hat aus dieser Ehe vier (grösstenteils minderjährige) Kinder.

    Kurz vor Beginn der Operation tauschte sie nun per iPad noch kurz ein paar Facebook-Nachrichten mit dem „Neuen“ aus. Neben den besten Wünschen schrieb er dann auch die magischen Worte „Ich liebe Dich“. Auf dem Weg zum Operationssaal gab es für sie kein anderes Thema mehr: „Bernd, er liebt mich!“. Obwohl ich ihr von Herzen alles Gute wünsche — meine eigenen Gefühle für sie waren stets weitgehend unabhängig von ihren jeweiligen Partnern, zu denen ich nahezu immer ein unproblematisches Verhältnis hatte — regten sich bei mir da doch ganz erhebliche Bedenken. Wieso — ich habe das in anderen Fällen auch schon erlebt — sind Frauen so verrückt auf diese drei Worte? Sie sind schnell gesagt, allzu oft viel zu schnell. Und selbst wenn sie im Augenblick ernst gemeint sind, sind die meisten Menschen viel zu flatterhaft, um diesen Worten tatsächlich die dramatische Bedeutung zu geben, die viele Frauen (bei Männern habe ich bisher nichts vergleichbares erlebt) offensichtlich in sie hineininterpretieren. Ich glaube, dass eines meiner Lieblingszitate in solchen Situationen (über einen längeren Zeitraum betrachtet) eine sehr viel weisere Maxime darstellt:

    As I grow older, I pay less attention to what people say. I just watch what they do.

    (Andrew Carnegie)

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