Bücher · Versuche

Lesebiografie


Hier einige Auszüge aus meiner Lesebiografie, dich in der 10. Klasse für den Deutschunterricht verfasst habe:

„Als ich vier Jahre alt war, wurde meine große Schwester eingeschult. Während sie vormittags die Schule besuchen durfte und Tag für Tag in die geheimnisvolle Welt der Zahlen und Buchstaben eintreten durfte, war ich sehr ärgerlich und ziemlich eifersüchtig auf sie. Neugierieg, wie ich als kleines Kind war, schnappte ich mir eines Tages einfach ihre Fibel und versuchte mir selber das Lesen beizubringen. Erfolgreich. Von Anfang an packte mich die Faszination, dass aus mehreren Buchstaben Wörter und aus mehreren Wörtern vollständige Sätze entstanden. Das erste Buch, das ich mit vier Jahren las, hieß „Der Regenbogenfisch“, den ich bald auswendig konnte. Aber ich las auch andere Bücher und meine Mutter merkte bald, dass unser Büchervorrat nicht ausreichte. Also meldete sie mich in einer Bibliothek an. Ich wurde Bücherfanatikerin. Ich las wirklich alles, was mir unter die Finger geriet und war jedes Mal traurig, wenn sich eine Geschichte dem Ende zuneigte. Dennoch bin ich mit der Zeit kritischer geworden, als ich es noch mit vier oder fünf Jahren war. Denn es ist nicht nur wichtig, dass man liest, sondern auch was man liest.

Mit 13 Jahren also wollte ich mich gesitig und kulturell weiterentwickeln und nahm mi vor, Goethes „Faust“ zu lesen. Noch schneller war ich frustriert. Denn hinter verworrenen Satzstrukturen und Worten eines vergangenen Jahrhunderts konnte ich einfach keinen Sinn erschließen. Nachdem ich doch immerhin 35 Seiten durchgehalten hatte, musste ich mir eingestehen, dass es keinen Sinn hatte.

Andere Bücher jedoch fesselten mich geradezu an mein Bett. Ich verschlinge Frauenromane und Liebesgeschichten mit Happy End im Null-Komma-Nichts, aber ich bin auch ein großer Freund von klassischer Literatur, bevorzugt Theodor Fontane und Bertold Brecht. Auch für Fantasy-Romane kann ich nie genug Zeit haben. Ich lese außerdem gerne Bücher, die Hintergrundinformationen enthalten und zum Nachdenken anregen. Auch mit Schullektüre habe ich nur positive Erfahrungen gemacht. Gerade die Kinder und Jugendlichen, die sonst nicht so gerne lesen, werden so „gezwungen“, wenigstens einmal im Jahr ein Buch aufzuschlagen. Schade daran ist nur, dass man selbst keinen Einfluss darauf hat, was gelesen wird.

Lesen ist für mich alles – Entspannung, Ablenkung, Vergnügen, Wissenserweiterung, Anregung zum Nachdenken. Denn es ist eigentlich fast immer so, dass man die Botschaft eines Buches auf sich selbst und sein eigenes Leben beziehen kann. Wenn mir langweilig ist, dann zögere ich nicht lange, sondern schnappe mir einfach ein Buch – egal, ob ich es schon zehnmal gelesen habe oder nicht.

Meine persönlichen Erfahrungen mit Literatur bestätigen, dass es sich immer lohnt, ein Buch aufzuschlagen. Wenn man es später in die nächstbeste Ecke pfeffert, na gut, aber man hat es wenigstens versucht. Und manchmal erweisen sich die Bücher, die nach außen hin am langweiligsten erscheinen, als besonders fesselnd und interessant. Um seine eigenen Büchervorlieben zu entdecken, muss man auch mal Literatur ausprobieren, bei der man denkt, dass sie einem gar nicht gefällt. Und nicht immer gleich zum Hörbuch oder zur Verfilmung greifen. Denn die erweisen sich so gut wie immer als schlechter als das Original.“

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4 Kommentare zu „Lesebiografie

  1. DU bist und bleibst mein „Bücherguru“! :) Ich verfluche mich ja heute noch dafür das ich kaum gelesen habe in meiner Jugend.
    Deinem letzten Teil kann ich vollkommen zustimmen. Ich finde es auch wichtig, dass man ein Buch wenigstens anfängt zu lesen. Es gibt ja nunmal auch mal Schriften die einen nicht so ansprechen. Dann probiert man halt weiter und weiter bis man seins gefunden hat.
    Man sollte noch soviel lesen wie man kann. Irgendwann ist ein Punkt im Leben erreicht da wir keine Möglichkeit mehr haben uns dem Lesen in Ruhe hinzugeben, es auch zu genießen und die Wörter regelt einzusaugen.

  2. hallo, ich bin momentan in der 10. Klasse und mache ein Referat zur Lesebiographie/Lesesozialisation. Ich habe deine durchgelesen und finde sie persönlich ziemlich gut als Beispiel für eine Lesebiographie und wollte fragen, ob ich diese verwenden darf? ich würde sie kurz zeigen und lesen lassen, wäre nett wenn du mir antworten würdest.
    auf jeden fall sehr gelungen :)
    Grüße!

    1. Hallo Patricia!
      Es wäre mir eine Ehre, wenn du die Lesebiographie im Unterricht verwenden würdest. :) Vielen lieben Dank für dein Feedback und viel Glück beim Schreiben einer eigenen!
      Liebe Grüße, Liesa.

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