Bücher

Lucian


„Becky, hast du dir eigentlich mal überlegt, dass Lucian vielleicht…kein…Mensch ist?“ Ich senkte den Kopf: „Nein“, flüsterte ich. Aber was ich dachte war: Ja.

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Ich stöberte letzte Woche seit langem mal wieder in unserer Dorfbibliothek. Meine Bibliothekarin, eine sehr liebenswürdige Frau, die mich schon kennt, seit ich 4 Jahre alt bin und bei der ich auch schon ein Praktikum in der Bibliothek absolviert habe, kam sofort auf mich zugerannt und zeigte mir ihren neusten und spannendsten Schätze. Als sie mir „Lucian“ zeigte, musste ich nicht lange überlegen, ob ich es ausleihe oder nicht. Isabel Abedi hatte mir doch schon in „Whisper“ und „Isola“ gezeigt, wie faszinierend man die Geschichten von scheinbar normalen Jugendlichen schildern kann und wie man das Ende so geschickt dreht, das alles auf einmal anders ist als man gedacht hätte. Guten Gewissens steckte ich diesen Wälzer also neben fünf anderen Büchern in meinen Rucksack, verabschiedete mich nach kurzer Plauderei wieder und radelte auf kürzestem Weg nach Hause.

„Lucian“ hat mich den restlichen Nachmittag gekostet. Ich konnte das Buch einfach nicht aus der Hand legen, ich konnte es nicht! Von Seite zu Seite fesselte es mich nur noch mehr an meinen Lesesessel und ich dachte nicht im Traum daran, es beiseite zu legen, ehe ich es durchgelesen hatte. Ich konnte die Zeilen nicht schnell genug lesen, die Worte nicht schnell genug aufsaugen, die Seiten nicht schnell genug aufschlagen. Ich war gefangen, wie in einem Käfig.

Die unschuldige Rebecca, der nichtsahnende Lucian und dieses unsichtbare, aber unübersehbare Band, das die beiden verknüpfte hat es mir von der ersten Sekunde angetan. Die Geschichte, die die beiden teilten, die Geheimnisse, die Lucian hütete, die Gefühle, die Rebecca ihm gegenüber hegte, die Sehnsucht zwischen den beiden, Rebeccas Mutter, die alles zerstörte, indem sie die Liebenden trennte und Rebecca ins weit entfernte Amerika zu ihrem Vater verbannte. Was war das tiefe Geheimnis, dass die beiden verband, wieso spürten beide diese ungestillte, verzweifelte Sehnsucht, wenn sie nicht zusammen waren? Das Buch wegzulegen, ehe all diese unbeantworteten Fragen gelöst waren, war unmöglich. Und auch nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, war ich für einige Minuten erstmal baff, regungslos und nicht fähig, etwas anderes zu machen, als über das ganze Buch noch einmal nachzudenken.

„Lucian“ ist eine berührende und bewegende Geschichte. „Lucian“ erzählt von zwei Jugendlichen, die sich erst finden, nur um herauzufinden, dass sie nicht nebeneinander existieren können. „Lucian“ drückt auf jeder seiner 549 Seiten Liebe, Verzweiflung und Sehnsucht aus. „Lucian“ ist so wunderschön, witzig und hat mich an vielen Stellen sogar zu Tränen gerührt (obwohl das nicht sonderlich schwer ist, da ich bei Büchern und Filmen allgemein nahe am Wasser gebaut bin).

Isabel Abedi ist es (wieder einmal) gelungen, eine harmlose und normale Geschichte, die von den Höhen und Tiefen eines Teenagers und seinen Freunden erzählt, mit einer fantasievollen und zauberhaften Idee zu verfeinern, zu verschönern und noch lesenswerter zu machen. Ich empfehle das Buch an alle. Weil ich finde, dass alle ein so wunderbares Buch einmal gelesen haben sollten!

(Isabel Abedi „Lucian“ ; Arena Verlag; 549 Seiten; ca. 18€)

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3 Kommentare zu „Lucian

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