Sowas wie Leben

Je suis complètement gatée.


Wir haben von allem so viel. Essen, Klamotten, Bücher, Musik,  Freunde. Wir sind überflutet, immer und immer wieder schlagen Wellen über uns, um uns noch mehr Ramsch zu bringen, den wir doch eigentlich gar nicht brauchen. Jedenfalls nicht zwingend. Wir sind so verwöhnt, verwöhnt, verwöhnt. Ich weiß, ich hatte schon einmal einen ähnlichen Blogpost zu diesem Thema. Dass wir schon vollkommen daran gewöhnt sind, so verwöhnt zu sein. Aber dieses Thema geht mir so nahe, dass ich jetzt gerade schon wieder meine Meinung dazu ablassen möchte.

Ich selbst bin das beste Beispiel dieser Verwöhnung. In meinem Bücherschrank tummeln sich mindestens 20 Bücher, die ich unbedingt haben wollte, aber die ich immer noch nicht gelesen habe. Auf meinem Laptop liegen Unmengen neuer Musikdateien herum, die nur darauf warten, endlich einmal abgespielt zu werden. Unter meinem Bett stapeln sich die letzten Ausgaben der Geo und der Neon, in die ich bisher nur einen kurzen Blick geworfen habe, obwohl die Titelthemen mehr als spannend sind. Und in meinem kleinen Notizbüchlein sammel ich schon seit Anfang des Jahres die Filme und Serien, die ich unbedingt sehen möchte. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal hinein gesehen habe.

Ich bin überflutet. In meinem Zimmer befinden sich nahezu Millionen Dinge, die nur darauf warten gelesen, gesehen oder gehört zu werden. Dinge, die sogar SPAß machen und die ich trotzdem noch nicht angerührt habe. Dinge, die mich super über Phasen der Langenweile hinwegtrösten könnten und denen ich in solchen Momenten dennoch kaum eines Blickes würdige. Was ist nur los mit mir? Weiß ich all die Dinge gar nicht mehr zu schätzen? Wieso will ich sie dann unbedingt besitzen?

Vielleicht hat das mit dem Jäger und Sammler Prinzip unserer Vorfahren zu tun. Ich sammel nun einmal gerne Bücher, Zeitschriften oder Musik. Für schlechte Zeiten, die plötzlich kommen könnten. Dass wir heutzutage eigentlich kaum mehr schlechte Zeiten erleben, tut hierbei nichts zur Sache. Ich habe einfach diesen Urinstinkt des Sammelns. Punkt.

Aber diese Theorie, wenn sie auch sehr einleuchtend klingt, befriedigt mich nicht. Wenn ich tief in mich gehe, dann sagt mir mein Inneres ja eigentlich auch, ich sollte mich damit beschäftigen. Es schreit es geradezu heraus. Dennoch beschäftige ich mich lieber auf Facebook, Twitter, Tumblr oder Formspring (am besten auf allen 4 Seiten gleichzeitig) , so wie es das Mädchen 2.0 einfach mal zu tun hat. Es ist ja auch viel einfacher, im Internet zu gammeln, als im Minutentakt irgendwelche Seiten umzublättern. Was mache ich mir eigentlich noch was vor, ich bin einfach zu faul. Der Weg vom Laptop  zum Bücherregal ist einfach zu weit und es ist ebenfalls zu anstrengend, sich zu bücken, um an die Schätze unter meinem Bett ranzukommen.

Vielleicht weiß ich all diese Dinge auch einfach nicht mehr zu schätzen. Früher ist man halb ausgerastet, wenn Mama einem ein Buch einfach mal so zwischendurch geschenkt hat. Heute hat man sich schon daran gewöhnt. Das Geo-Abo ist zur Selbstverständlichkeit geworden, Musik kann ich mir ganz einfach mit einem Youtube-Converter auf meine Festplatte ziehen und Filme kann ich doch auch schon auf jeder zweiten Website sehen. Ich habe mich an diese Umstände gewöhnt und diese Umstände haben mich verwöhnt.

Aber wisst ihr was? Ich werde jetzt sofort nach Beendigung dieses Blogposts den Laptop ausschalten. Und dann werde ich mich auf mein Bett legen. Und ganz langsam und vorsichtig, ohne mich zu überanstrengen, mein aktuelles Buch von Henning Mankell aufschlagen. Denn mein Inneres schreit schon danach, es will unbedingt wissen, wie es weitergeht.  Und danach werde ich die anderen 20 Bücher in Angriff nehmen. Und meine Filmeliste überarbeiten und neue Titel auf meinem iPod spielen. Und damit verabschiede ich mich.

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Ein Kommentar zu „Je suis complètement gatée.

  1. Auch in meinem Regal liegt ein Notizbuch, das mit Film- und Buchtiteln gefüllt, darauf wartet, dass seine Seiten noch voller werden oder wenigstens endlich mal jemand Haken an die richtigen Stellen setzt.

    Was den Rest angeht: Ich persönlich sammle, glaube ich, nicht „für schlechte Zeiten“, wie du es nennst. Ich bin eher ein Finder, der dann Sachen genießt, sie am Ende aber auch wieder beiseite legt und eher die Erinnerung zurückbehält. (Oder so.)

    Bei manchem geht es mir aber trotzdem ähnlich. Der Satz, „Der Weg vom Laptop zum Bücherregal ist einfach zu weit und es ist ebenfalls zu anstrengend, sich zu bücken, um an die Schätze unter meinem Bett ranzukommen.“, hat viel Wahres in sich; und so sollte ich vielleicht auch einfach Facebook, Twitter und Tumblr schließen und ein noch unangefangenes Buch aus dem Regal holen und einfach los lesen. Auch wenn ich kein Henning Mankell Buch zu Hause habe.

    (Das war übrigens der erste Eintrag, den ich auf deinem Blog gelesen habe und gefällt mir. Damit werde ich also in Zukunft wohl weiter machen.)

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