Sowas wie Leben

Schlechte Tage


Schlechte Tage fangen schon schlecht an. Man wacht auf, noch bevor der Wecker überhaupt geklingelt hat und es sich nicht mehr lohnt, noch kurz weiter zu schlafen. Man steht auf, stolpert als erstes natürlich über die Unordnung im eigenen Zimmer. Man geht ins Bad, pinkelt, nur um dann zu bemerken, dass das Klopapier alle ist. Die Waage lügt auch, kann doch gar nicht sein, dass man über Nacht so viel zugenommen hat. Man öffnet den Kleiderschrank und alles fällt einem entgegen. Das T-Shirt, das man eigentlich anziehen wollte ist natürlich total zerknittert, alles andere sitzt einfach nur bescheuert und man sieht total fett aus. Man zieht sich dann aus Trotz einfach das zerknitterte T-Shirt an, soll doch jeder denken was er will. Man kämmt seine Haare, die natürlich so widerspenstig und kräuselig wie nie zuvor sind. Ein bisschen fettig sind sie auch, und wenn man einen Pfederschwanz macht, sieht man aus wie ein Sumoringer. Das Gesicht glänzt, aber das Puder ist natürlich alle. Der Kajal bricht nach tausendmaligem Anspitzen immer noch ab, die Wimpertusche verklumpt. Der Kopf dröhnt, dabei ist man doch am Abend zuvor extra früh ins Bett gegangen. Zum Frühstück ist nichts im Haus, auf’s Schulbrotschmieren hat man auch keine Lust. Man packt also nur eine Wasserflasche und Geld ein und ärgert sich schon wieder darüber, dass man für’s Essen extra Geld ausgibt. Man macht sich auf den Weg zur Bushaltestelle, nur um zu bemerken, dass man die Englischhausaufgaben auf dem Schreibtisch vergessen hat. Zum xten Mal, dass wird die Englischlehrerin natürlich glaubhaft finden. Draußen regnet es, auf dem Fahrrad ist es ungemütlich und die vorbeifahrenden LKWs platschen natürlich aus Absicht in die größten Pfützen. Man schließt sein Fahrrad an, saut sich in der Matschepampe nochmal richtig schön ein. An der Bushaltestelle stehen wieder Millionen kleine Gören, die einem die ganzen Sitzplätze wegnehmen und siehe da, der Bus ist natürlich wieder rappelvoll und man darf zwischen lauter lüsternen Jungs stehen, die aus dem Mund so stinken wie mein Hund früher. Man darf eine halbe Stunde unter Atmenot hin und hergerüttelt werden, ja, jetzt sind wir alle auch richtig wach. Der Bus hält, Endstation, die Gören rennen raus, treten einem auf den Fuß und ihr Gekreische hallt noch den restlichen Tag in den Ohren. Man tritt ins Klassenzimmer, die besten Freundinnen sind schon da und sehen mal wieder aus, als wären sie von irgendeinem Visagisten top gestylt worden. Man selber hat noch immer sein Knitter-T-Shirt an und die Matschflecken haben sich auch noch nicht in Luft aufgelöst. Während das Haar der Freundin locker leicht auf ihre Schulter fällt, ist unseres noch immer fettig und klebt vom Regen noch mehr am Kopf. 8 Stunden grausames Rumsitzen und Nachdenken, die einzige Abwechslung besteht in der Mittagspause, wenn man schnell zum Bäcker rüberrennt, um sich eine Kleinigkeit zu essen zu holen. Natürlich steht vor einem eine rotzfreche Göre, die einem das letzte Schokocroissant vor der Nase wegkauft. Also belässt man es bei einem trockenen Brötchen, an dem man lustlos herumkaut, während sich die besten Freundinnen mal wieder was von der Frittenbude oder McDonalds gegönnt haben. Ist die Schule vorbei, muss man rennen, um den Bus zu schaffen. Natürlich fährt dieser direkt vor der Nase weg, und bespritzt einen noch einmal ordentlich beim Fahren durch eine Pfütze. Eine Stunde lang sitzt man nun herum wie ein Mensch ohne Freunde und wartet darauf, dass der nächste Bus kommt. Es knurrt der Magen, der Kopf tut weh und der Rücken spannt auch schon, dank 10 Kilo Schulbücher. Der Bus kommt, man steigt ein und schließt nur mal kurz die Augen-schwupps ist man eingeschlafen. Natürlich wacht man erst dann wieder auf, wenn die Station, bei der man raus gemusst hätte, schon vorbei ist und so trottet man das Stück wieder zurück. Das Fahrrad steht als einiziges noch da, aber wenigstens hat es aufgehört zu regnen. Man kommt nach Hause, müde und schlapp, ohne jede Energie, jetzt auch noch Hausaufgaben zu machen oder etwas zu Essen zu kochen. Stattdessen macht man sofort den Laptop an, nur um festzustellen, dass dir keiner eine Mail geschrieben hat oder auf deinen Facebook-Status reagiert hat, aber dafür Fünftausend „Freunde“ Geburtstag haben. Man ist frustriert, nimmt sich Schokolade und macht das einzige, was diesen Tag noch retten kann: Man hört Musik.

Advertisements

3 Kommentare zu „Schlechte Tage

  1. Ein ganz normaler Tag im Leben der Liesa.
    Aber es gibt doch auch viele schöne und glatte Tage :)
    Vielleicht kannst du ja über einen guten Tag schreiben als Kontrast ;)

  2. Seltsam. Obwohl ich in vielen Aspekten kaum ein unterschiedlicherer Charakter im Vergleich zu Dir sein könnte, schaffst Du es immer wieder, mich mit Deinen Blog-Einträgen tief zu berühren. Durfte ich mich vor ein paar Tagen an dem wunderschönen Eichendorff-Gedicht erfreuen, hatte ich heute einen der miesesten Tage der letzten Jahre. Leider ist der Tag noch nicht vorbei, und ich habe noch einige Unannehmlichkeiten vor mir, so dass ich auch auf Musik und Schokolade (letztere ist allerdings sowieso nicht so mein Ding) verzichten muss. Aber genug der traurigen Worte, ich verspreche, nächstens wieder einen fröhlicheren und optimistischeren Kommentar zu schreiben ;-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s