Sowas wie Leben

Dear Homework, you’re not attractive and I’m not doing you


Ja, auch eine so unmotivierte Anhäufung von Kohlenstoff-Verbindungen wie ich, setzt sich ab und zu mal hin, um über das Leben zu sinnieren und über die Dinge, die ich so erreichen möchte. Es sind unendlich viele. Das Prokrastinieren macht es nicht besser. Denn dadurch haben sich innerhalb eines Jahres eine Masse an Zielen angehäuft, die ich mein Lebtag vermutlich nicht erreichen werde, die ich aber am liebsten in kürzester Zeit mit einem zufriedenen Häkchen ad acta legen würde.

Und dann stellt sich wieder das altbekannte Problem ein – wir haben viel zu wenig Zeit. Wie soll man nur all das, was man sich vornimmt, schaffen können, wenn einem gerade mal 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen? Ich brauche ja schon ein Dreiviertel des Tages, um mich überhaupt zu irgendetwas motivieren zu können, und dann ist schon wieder Zeit zum Schlafen. Wie soll ich zu irgendetwas bedeutungsvollem kommen, wenn mir Schule und Schlaf die meiste Lebenszeit rauben? Und wie zum Henker soll ich mein Abi schaffen, wenn meine Motivation so klein ist, dass ich sie ständig verliere, wie eine Kontaktlinse, die einem herausfällt und die man stundenlang erfolgslos sucht.

Meine Motivation ist ein dreckiges Miststück, ich glaube, sie ist sogar noch zehnmal schlimmer als das Zeitproblem. Denn wäre ich immer ehrgeizig und zielstrebig genug, bin ich mir sicher, dass ich auch die Zeit effektiver nutzen könnte. Ich hätte dann sicherlich schon damit angefangen, für meine Abiturprüfungen zu lernen, ich hätte all die Bücher gelesen, die ich unbedingt lesen möchte, ich würde meine Schulaufgaben perfekt erledigen, ich würde im Haushalt helfen und mein Zimmer wirklich richtig ordentlich halten, ich würde endlich neue Sprachen lernen, würde würde würde. Konjunktiv. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich habe nun mal keine richtige Motivation. Was heißt, dass meine oberste Priorität und somit auch mein erstes Ziel sich darauf beziehen sollte, mir eine angemessene Motivation anzutrainieren. Fragt sich nur, wie das gehen soll. Soll ich mich dazu zwingen, Dinge zu tun? Soll ich mich in irgendwelchen schwachsinnigen Foren dazu belesen? Oder sollte ich den Computer lieber ganz abschalten, um möglichst wenig abgelenkt zu werden? Aber dann ist die Verlockung ja so groß, den Laptop einfach wieder anzuschalten. Das ist nur ein Knopfdruck, für diesen minimalen Bewegungsaufwand reicht sogar meine Mini-Motivation aus.

Ich denke nicht, dass ein Belohnungssystem mich mehr zu etwas motivieren würde. Ich meine jetzt mal ganz ehrlich unter uns: Wenn ich etwas wirklich haben möchte, dann kaufe ich mir das einfach, egal, ob ich eine bestimmte Prüfung mit „Sehr gut“ bestanden habe oder nicht. Das macht doch keinen Unterschied, wenn ich etwas in meinen Besitz bringen will, dann tu ich das unabhängig von irgendwelchen erreichten Zielen. Belohnungssystem scheidet also aus.

Eine weitere Möglichkeit wäre auch, dass ich mir meine Ziele direkt vor Augen halte, diese mehr fokussiere. Aber auch da sehe ich Schwierigkeiten. Ich will ein sehr gutes Abitur schaffen. Aber ich kann mich trotzdem nicht motivieren zu lernen, da ich nicht weiß, was ich mit meinem Leben nach der Schule anfangen möchte. Wozu soll ich mich also bemühen, wenn ich mir nicht einmal im Klaren darüber bin, wofür?

Es ist eine gigantische Zwickmühle in der ich mich befinde und es würde mich mehr als freuen, von euch Tipps und Ratschläge in Sachen Motivation und Wie-ich-schnell-und-einfach-meine-Ziele-erreiche zu erhalten. Denn ich bin verzweifelt. Und ich brauche Hilfe.

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3 Kommentare zu „Dear Homework, you’re not attractive and I’m not doing you

  1. Ich sag mir dann immer: Gut, dann lies den Text halt nicht. Gut, dann schreib die Arbeit eben nicht. Und dann kommt das andere ich: Aber ich will doch studieren! Aber ich will doch den Schein!
    „Na, dann los!“ sagt die vermittelnde Instanz. Oder aufhören zu jammern.
    Manchmal hilft es, sich daran zu erinnern, warum man etwas tut.

    Du willst nicht fürs Abi lernen? Weil du nicht weißt was du dann damit machen willst? Dann lern halt nicht. Machs nicht. Du wirst dich nur ärgern, weil du es haben willst und ohne Abitur trotzdem nicht weißt was du mit deinem Leben machen willst aber viel weniger Möglichkeiten
    hast.

    Facebook ist übrigens eine riesige Motivationsbremse :D

  2. Ohjemine, ich weiß nur zu gut, wovon du sprichst! Im Nachhinein würde ich sagen, dass ich wahrscheinlich die kompletten 9 Jahre durch keine Motivation hatte. Selbst kurz vor’m Abi kam sie einfach nicht! Ich dachte mir nur „Ihr könnt mich mal.“ Ich hatte immer meine Ziele- große und besonders viele- aber auch die haben mich nicht dazugebracht, endlich was zu tun. Vielleicht war das auch einfach die rebellische Phase, oder so. Naja, und auch wenn ich mich jetzt anhören mag wie unsre‘ Mütter, Tanten, Omas (und Lehrer. Grr.), so geb ich dennoch zu, dass ich es heute anders machen würde. Ich bin mittlerweile Studentin, in weiter Ferne angehende Juristin, alles ist schön, alles ist gut. Aber spätestens an der Uni läuft nichts ohne die Lernerei. Und dann kann man froh sein, wenn man schon früher mal gelernt hat zu lernen..
    Das Belohnungssystem bringt bei mir bis heute nichts. Der größte Schritt ist einfach jedes Mal wieder diesen Nullbock-Welle zu überwinden, sich hinzusetzen und einfach zu lernen. Wenn man erst mal drin ist, nach den ersten paar Minuten, dann läuft’s ja meistens einwandfrei. Und hinterher fühlt man sich einfach herrlich, find‘ ich. Und allein dieses Gefühl sollte ausreichend Motivation für das nächste Mal sein! ;)

  3. Ich möchte gern ein schon etwas älteres kleines Buch empfehlen, das mir selbst viel Glück gebracht hat. Es heisst „Alles ist erreichbar“ (im Original: „How to get what you want“), kam ursprünglich 1969 heraus und stammt von Raymond Hull, der in den 1970ern als Co-Autor des damaligen Bestsellers „Das Peter-Prinzip“ zu einiger Bekanntheit gelangte. Die deutsche Taschenbuch-Ausgabe ist nach wie vor im Druck, und z.B. bei Amazon erhältlich. Ich habe das Buch vor langer Zeit mit 15 beim Blättern in einer Bahnhofsbuchhandlung entdeckt, und war sofort fasziniert. Es beschreibt, wie man sich Ziele setzt, und diese auf einfache Weise im Unterbewusstsein verankert. Ich habe später hunderte von anderen Büchern zu diesem Themenbereich gelesen, aber keines kann ich so sehr empfehlen wie dieses. Im Gegensatz zu dem etwas reisserischen deutschen Titel ist es bescheiden und praxisorientiert geschrieben. Ich muss gestehen, dass es trotz meiner Begeisterung für das Buch einige Jahre dauerte, bis ich die beschriebene Methode bei einem ernsthaften Projekt anwandte. Das war dann allerdings auch einer der grössten Erfolge meines Lebens. Mit 21 gelang es mir mit sehr bescheidenen Mitteln (etwas Geld, das ich während meiner Bundeswehr-Zeit gespart hatte) und nur den Kenntnissen, die ich mir hobbymässig angeeignet hatte, ein hochkomplexes elektronisches Gerät zu entwickeln, das damals praktisch konkurrenzlos war, und auf grosses Interesse stiess. Es gibt nur wenig, was mein Leben so sehr verändert hat wie dieses Projekt. Dass ich das geschafft habe, führe ich wesentlich auf Hull’s Methode zurück. Es ist keine Methode, die — wie  viele andere — „Etwas“ für „Nichts“ verspricht, aber sie bewirkt, dass man Lust hat, an seinen Zielen zu arbeiten, dass auch harte, konzentrierte Arbeit Spass macht, und dass man Unmengen von Ideen hat, wie man leichter und besser vorgehen kann.

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