Sowas wie Leben

Are you kidding me?


Vor einigen Wochen begegnete ich im Bus einer Bekannten aus meiner Grundschulzeit. Wir waren damals im gleichen Jahrgang und hatten auch später noch Kontakt, dadurch, dass wir im selben Sportverein waren.

Freudestrahlend kam sie auf mich zu, während mein erster Gedanke natürlich gleich wieder war: „Och nö, jetzt habe ich die ganze Busfahrt keine Ruhe und kann keine Musik hören.“ Ich unsozialer Mensch. Ich setzte jedoch selbstverständlich mein freundlichstes Lächeln auf, begrüßte sie mit Küsschen links, Küsschen rechts und da begann sie auch schon gleich loszuplappern. Solche Menschen sind mir immer sehr Willkommen. Da braucht man nämlich nur hin und wieder zustimmend mit dem Kopf nicken, ein „Ach wirklich?“ in den Raum werfen und ein paar Gesichtsakrobatiken zeigen, um sein Erstaunen/sein Mitgefühl etc. zu verdeutlichen. Sehr einfach, um ein Vielfaches einfacher, als selber das Gespräch zu führen. Dann zwischendrin einfach etwas fragen wie „Und, was macht deine Schwester so?“, „Wie läuft’s mit deinem Freund?“ oder die berühmt berüchtigte Frage: „Was ist so in der Schule bei dir los?“ Diese Fragen stellte sie mir. „Alles gut, alles gut“, antwortete ich dann. „Ein bisschen Stress in der Schule, man hat halt viel um die Ohren und muss ein bisschen was tun, um die guten Noten zu halten.“

„Ja, in meinem Jahrgangn gibt es auch viele, die nicht so richtig mit dem Druck in der Schule zurecht kommen. Du bist also nicht die einzige.“

Sagt sie.

Grinst mich an.

Und fügt hinzu: „Zum Glück fallen mir die guten Noten nur so zu, ich brauch den Lehrern nur die Tür aufzuhalten und schon kriege ich ’ne 1. Und Hausaufgaben mache ich auch nie, haha.“

Haha.

Haha.

Haha.

Ich habe mich selten so herablassend behandelt gefühlt. Ich. Komme. Mit. Dem. Druck. In. Der. Schule. Ausgezeichnet. Zurecht. Ich. Habe. Keine. Probleme. In. Der. Schule. Und trotzdem hat diese dumme Pute es so wirken lassen, als wäre ich weißichwas für ein Dummchen, was den ganzen Tag nur Nase in Schulbücher und Schulhefte stecken muss, weil es sonst überhaupt nichts begreift. Und obwohl mich das innerlich total aufgewühlt hat und ich so wütend war, dass ich am liebsten den gesamten Bus verprügelt hätte, habe ich einfach nur gesagt: „Tja, es gibt halt unterschiedliche Ansprüche an den Schulen. Und deine Schule hat ja, wie man weiß, gar keine Ansprüche.“ Woraufhin sie mir einen stundenlangen Vortrag darüber hielt, dass ihre Schule ja die schwerste, anstrengendste und angesehenste im gesamten Umkreis wäre, blablabla. Dass dies nicht der Fall ist, weiß ich, denn es ist kein Geheimnis, dass mein Gymnasium schon seit Jahren den höchsten Bildungsstandard in unserer Region bietet und das Schüler, die von unserer Schule kommen, an den Berliner Universitäten immer gern gesehen sind. Aber ich habe meine Klappe gehalten, mir meinen Teil gedacht und dabei wieder meine außerordentlich große Intelligenz gezeigt. Denn der Klügere gibt nach. Ätschebätsch.

Ganz kalt hat mich das Ganze aber dennoch nicht gelassen. Denn ich fand es wirklich eine unangebrachte Frechheit, mir zu sagen, dass ich viel lernen müsste, um irgendwas zu begreifen und um an gute Noten zu kommen. Das stimmt gar nicht, denn ich lerne so gut wie nie, ich  merke mir Dinge oft schon nach einmal Aufschreiben oder Hören und überhaupt brauche ich nur einen sehr kurzen Zeitraum, um mir Dinge einzuprägen. Dass ich meine Hausaufgaben sorgfältig erledige und diese manchmal auch etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, liegt lediglich daran, dass unsere Lehrer es sich zur Gewohnheit gemacht haben, die Hausaufgaben einzusammeln, mündlich oder schriftlich abzuprüfen etc. Ich weiß, ich brauche mich eigentlich gar nicht dafür rechtfertigen, aber ich fand es ungeheuerlich, meine Antwort auf die Frage, ob ich viel Stress mit der Schule habe, so zu interpretieren. Von so einer, in deren Schule Ausmalbildchen bewertet werden. Und es gibt noch Tausend Dinge, die ich zur Thematik Schule loswerden könnte, aber ich langweile ja doch nur mit meinem Gerede und überhaupt ist mir das alles ja auch egal eigentlich. Ich mach mein Ding, sie macht ihr Ding und wenn wir uns in zehn Jahren wiedersehen, werden wir ja sehen, wer zuletzt lacht. Ha.

Advertisements

4 Kommentare zu „Are you kidding me?

  1. und ich dachte immer ich bin die einzige, die sich nicht darüber freut bekannte im bus/zug zu treffen; ich mag auch lieber meine ruhe haben :) bist also nicht die einzige „unsoziale“ :P
    ich würde dir ja gerne nochmal erläutern, dass ich deinen schreibstil wundervoll finde, aber da ich schon auf blogspot meiner begeisterung luft gemacht habe, erspar ich dir das jetzt lieber ein zweites mal (;

  2. Ich rede nicht viel, und bin gern mit mir und meinen Gedanken allein. Natürlich mag ich Gespräche mit interessanten Menschen über interessante Themen, aber nicht dieses alltägliche Blabla, das meist nur dazu dient, die Leere in den Köpfen zu übertönen. Ganz besonders empfindlich bin in dieser Beziehung morgens, bevor ich einen Kaffee getrunken habe. Neulich musste ich morgens um 7:00 Uhr zum Bahnhof. Schon beim Einladen meines Koffers überfiel mich der Taxifahrer mit einem Wortschwall. Ich dachte nur „Oh no!“. Nachdem wir eingestiegen waren, fragte er jovial: „Na, fahren Sie in Urlaub?“ Ich: „Nein.“ Schweigen. Den Rest der Fahrt war Ruhe ;-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s