Sowas wie Leben · Versuche

She’s a bibliophile, lost between the pages, lost in words #02


picture via weheartit 

Sie stand in der Küche und rührte den Kakao in ihrer Tasse um. Sie war zu ungeduldig gewesen, sich einen warmen Kakao zu machen, deswegen musste eine kalte Tasse Kakao nun reichen. Mit der geblümten Tasse in der Hand schritt sie zurück zu ihrem Sessel, auf dem das Buch, noch immer geschlossen, lag. Sie konnte und wollte nicht länger warten, sie wollte wissen, was es war, dass dieses Buch für sie so anziehend und faszinierend machte. Sie wollte das Geheimnis lüften, jetzt sofort, aber gleichzeitig hatte sie riesige Angst davor, dass der Inhalt sie enttäuschen könnte. „Nein“, dachte sie. „Ein Buch kann nie enttäuschen, es gibt einfach keine Bücher, deren Inhalt enttäuschend ist. Vor allem nicht dieses Buch, was nach außen hin so vielversprechend und verführerisch scheint.“

Behutsam nahm sie das Buch in die Hand, strich zum wiederholten Male über den Einband und öffnete dann vorsichtig den Buchdeckel. Sie blätterte die ersten zwei Seiten, die völlig unbeschrieben waren, um und betrachtete das Titelblatt. Das Buch fiel ihr aus der Hand. Ihre Augen und ihr Mund waren erschrocken geöffnet. Das konnte nicht sein.  Vorsichtig hob sie das Buch auf und schlug es noch einmal auf derselben Seite auf. Tatsächlich. Unter dem Titel war eine Zeichnung einer jungen Frau. Und diese junge Frau sah genauso aus wie sie. Exakt die selben Haare, die selben Augen, die selbe Nase, das selbe Lächeln. Entsetzt schlug sie das Buch wieder zu. Lauter Gedanken durchströmten ihren Kopf. Wie konnte das nur sein? Was sollte das bedeuten? Wieso war ein Bild von ihr in diesem Buch? Sie stand auf und lief durch den kleinen Raum. Raufte sich die Haare. Was auch immer das Bild von ihr in diesem Buch bedeuten sollte, dieses Buch wollte ihr etwas sagen. Es hat sie ja förmlich dazu gezwungen, es mitzunehmen. Es enthielt tatsächlich irgendeine Botschaft, womöglich war es noch verzaubert. Sie konnte sich nicht beherrschen. Auch wenn es sie ängstigte, dass ihr Gesicht in diesem Buch abgebildet war, war sie jetzt noch neugieriger über den Inhalt, den das Buch barg. Es musste irgendetwas mit ihr und ihrem Leben zu tun haben. Es wollte ihr irgendetwas sagen.

Ihre Neugier siegte, natürlich. Abermals machte sie es sich in ihrem Lesesessel gemütlich, trank einen großen Schluck von ihrem Kakao und bereitete sich darauf vor, das Buch zu öffnen. Erneut blickte sie in das detailgetreue Abbild ihres Gesichtes. Der Titel war in altdeutscher Schrift geschrieben. Innerlich bedankte sie sich bei ihrer alten Deutschlehrerin, die sie damals mit altdeutschen Schriften verfolgt hatte. Auch wenn es Leid und Qual war, die alten Buchstaben zu entziffern, hatte sie seitdem kaum noch Probleme mit alten Schriften und konnte diese mühelos „übersetzen“. Das Buch hieß „Die Herzprinzessin“. Prinzessin? Herz? Ihre innere Verwirrung stieg ins Unermessliche. Natürlich fragte sie sich, was das nun schon wieder bedeuten sollte, war sich aber sicher, dies innerhalb des Buches zu erfahren. Aufgeregt schlug sie das erste Kapitel auf. Anscheinend war das ganze Buch in altdeutscher Schrift geschrieben, die vergilbten Seiten wiesen darauf hin, dass dieses Buch tatsächlich schon sehr alt sein musste. Sie fühlte wiederum einen Kloß Angst in ihrem Hals aufsteigen. Was hatte ihr Bild in einem Buch verloren, dass scheinbar schon mehrere Jahrzehnte alt ist? „Ich werde es nie herausfinden, wenn ich nicht endlich anfange, das Buch zu lesen.“, dachte sie sich. Und so begann sie zu lesen.

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3 Kommentare zu „She’s a bibliophile, lost between the pages, lost in words #02

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