Bücher

John Green: „Margos Spuren“


Ich habe mit dem Gedanken gespielt, etwas am Layout meines Blogs zu verändern, aber noch bevor ich damit angefangen habe, ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich so ziemlich zufrieden mit meinem Design bin und es besser auch gar nicht hinbekommen würde und dass das Design vermutlich auch das Beste an meinem Blog ist. Da ich aber trotzdem fand, dass meinem Blog eine kleine Veränderung gut tun würde, habe ich eine neue Seite eingeführt, die ihr hier finden könnt, auch wenn es keine besonders spektakuläre Neueinführung ist und ich lediglich meine gelesenen Bücher dort festhalten werde, möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass mir Rezensionswünsche gerne mitgeteilt werden können. Außerdem könnt ihr mir von Zeit zu Zeit ruhig auch mal das ein oder andere Buch empfehlen, meine Amazon-Wunschliste wächst zwar langsam aber sicher ins Unendliche, aber ich finde doch immer wieder große Freude und Genugtuung daran, sie mit neuen Büchern, Filmen, LPs und sonstigem Kram zu füllen, bei dem ich ganz genau weiß, dass ich ihn mir erst in drölfzig Jahren kaufen kann.

Aber darum soll es in diesem Blogeintrag nicht gehen, nein, heute möchte ich euch ein weiteres, wunderbares Buch ans Herz legen, dass ich heute Nachmittag auf meiner Lieblingsliege im Sonnenschein gelesen habe und das mir wirklich mehr als gut gefallen hat. Wir alle kennen wohl Eine wie Alaska, das zu Recht populäre Jugendbuch von John Green. Als ich neulich in der Buchhandlung war, stieß ich auf einen weiteren seiner Romane, Margos Spuren und da mir Eine wie Alaska schon so gut gefiel, dachte ich mir, dass mir dieses Buch sicherlich auch gut gefallen würde. Und damit lag ich vollkommen richtig – Margos Spuren ist für mich persönlich wahrscheinlich einer der besten und lesenswertesten Jugendromane, die ich jemals lesen durfte, deswegen möchte ich euch das gute Buch jetzt noch etwas schmackhaft machen. Voilá.


via

„Margo hat Rätsel schon immer geliebt. Und bei allem, was später passierte, wurde ich den Gedanken nicht los, dass sie Rätsel vielleicht so liebte, dass sie selbst zu einem wurde.“

Inhalt: Schon als kleiner Junge war Quentin in die schöne, wilde Margo verliebt, und schon damals war sie ihm ein Rätsel: Niemand konnte so mutig und entschlossen sein wie sie – niemand wirkte urplötzlich so unnahbar. Und so ist es geblieben. Der schüchterne Quentin kann die beliebte, von Gerüchten umrankte Margo nur aus der Ferne bewundern. Bis sie plötzlich vor seinem Fenster steht und ihn um Hilfe bittet. Für eine Nacht wirft Quentin alle Ängste über Bord und wird Teil des Margo-Universums. Doch am nächsten Tag ist Margo verschwunden. Um sie wiederzufinden, muss Quentin sein Leben auf den Kopf stellen und jeder noch so geheimnisvollen Spur folgen, die sie hinterlassen hat. Es sind Spuren, die ihn zu einem fremden Leben führen, das so ganz anders ist, als er sich je erträumt hat.

Meinung: Dass John Green unglaublich genial und brilliant ist, habe ich schon damals geahnt, als ich Eine wie Alaska las. Dieser unvergleichliche Schreibstil, der so eingängig und doch ganz besonders ist, der Handlungsstrang, der sich zum Schluss ganz anders wendet, als man zuvor erwartet hätte, die durchaus philosophischen inneren Monologe, die die Protagonisten führen – all dies sind Elemente, die auch in Margos Spuren wiederzufinden sind und dem Buch seinen Reiz und das gewisse Etwas verleihen, das dazu führt, dass Margos Spuren sich ein kleines bisschen von anderen Jugendbüchern abhebt. John Green hat mich in eine ganz gewöhnliche High School geworfen, mit ganz gewöhnlichen Menschen, so könnte man meinen. Doch Margo ist nicht ganz gewöhnlich. Und auch Quentin ist nicht ganz gewöhnlich. Und auch die Nacht, in der Margo Quentins Hilfe braucht, ist nicht ganz gewöhnlich. Und dass Margo am nächsten Morgen für Wochen spurlos verschwindet ist genauso wenig gewöhnlich. Und dass hinter ihrem Verschwinden ein großes Rätsel steckt, ist vermutlich das ungewöhnlichste. Dass der sonst so schüchterne und zurückhaltende Quentin und seine zwei besten Freunde sich dann aber, neben all ihren Vorbereitungen für den High School Abschluss inklusive Abschlussball dafür reinhängen, Margos hinterlassenes Rätsel zu lösen, zeugt von Mut, Neugier und dem Verlangen danach, Margo, die doch schon so oft abgehauen ist, auf eigene Faust wiederzufinden.

Ich kann gar nicht so recht in Worte fassen, warum mir dieses Buch so unglaublich gut gefallen hat. Es war eines der Bücher, die man aufschlägt, bei denen man nur die ersten drei, vier Seiten liest und dann schon weiß, dass da was ganz besonders großes auf einen wartet. Ein großes Geheimnis, ein großes Abenteuer, ein großer Spaß. Möglicherweise ist das sogar der Grund dafür, dass ich das Buch in nur wenigen Stunden ausgelesen hatte, es war wie festgeklebt an meiner Hand und ich hatte von der ersten Seite an keinen Zweifel daran, dass dieses Buch mich fesseln würde und ich erst dann davon loskommen würde, wenn ich es komplett und bis auf den letzten Satz ausgelesen hätte. Aber auch jetzt, wo ich es ausgelesen habe, lässt es mir noch keine Ruhe, ich muss noch immer darüber nachdenken, über Quentin und Margo und darüber, dass jeder Mensch ein Geheimnis in sich trägt und irgendwie auch ein Geheimnis ist. John Green hat das Mysterium Margo erschaffen, Stück für Stück deckt Quentin ein Puzzleteil nach dem nächsten auf, um dem Mysterium, das er geglaubt hatte zu kennen, schrittweise näherzukommen und zu verstehen. Und, wie kann es auch anders sein, mein geliebter Holden Caulfield hat wohl oder übel einen ernstzunehmenden Konkurrenten bekommen, denn auch Quentin Jacobsen ist einer dieser Personen, die etwas absolut liebenswürdiges und wunderbares an sich haben und den man als Leser nur absolut ins Herz schließen kann. Ein Junge, der immer als Schwächling abgestempelt wurde, obwohl er wahrscheinlich viel stärker ist, als all jene, die ihn so beschimpften, es zusammen sind.

Einziger Wermutstropfen: Das Ende des Buches. Ich habe ohnehin schon immer Probleme mit dem Ende eines jeden Buches, ich tue mich immer sehr schwer damit, die Enden, die der Autor bzw. die Autorin vorgesehen hat, zu akzeptieren. „Das hättest duch auch besser schreiben können“, denke ich mir viel zu oft, wenn ich ein Buch beendet habe, „dieses Ende ist erbärmlich und unbefriedigend.“ Mir fehlen einfach zu viele Informationen. Einerseits ist fast alles so gut wie gesagt, andererseits hätte man das ein oder andere ruhig noch einmal etwas ausführen können, oder eine kleine Zukunftsvision offenbaren können. Das ist viel zu oft so, dass Bücher an einem Punkt aufhören, an dem sie noch nicht aufhören sollten. Für diese eine Sekunde, in der das Buch aufhört, ist vielleicht scheinbar alles perfekt, aber was passiert in der nächsten? Bleibt alles so, wie es ist? Was wird aus den ungeklärten Zukunftsträumen, -hoffnungen, -wünschen? Auch bei Margos Spuren geht es mir so, dass ich gerne noch das ein oder andere Detail erfahren hätte, aber nun gut, man kann wohl nicht alles haben und John Green wird sich sicherlich etwas dabei gedacht haben, als er genau so aufhörte, wie er halt aufgehört hatte. Wer also noch nach einem geeigneten Roman für den Spätsommer sucht, der sollte sich nicht zweimal überlegen, ob es Margos Spuren sein soll, einfach zugreifen und kaufen. Das Buch ist lustig, spannend und mit genau der richtigen Priese Nachdenklichkeit und Philosophie ausgestattet und lässt sich wunderbar leicht lesen. Es lohnt sich.

Ich klappte das Buch zu, legte mich auf die Seite und starrte durch das Fenster, das immer zwischen uns gewesen war. Es war nicht genug, sie zu sehen oder zu hören. Um Margo Roth Spiegelmann zu finden, musste ich Margo Roth Spiegelmann werden. Und manches hatte ich schon getan, das auch sie hätte tun können: Ich hatte ein überaus überraschendes Pärchen verkuppelt. Ich hatte die Bluthunde des Klassenkampfs beschwichtigt. Ich hatte mich in einem mit Ratten verseuchten Geisterhaus häuslich eingerichtet, wo sie ihre verrücktesten Ideen gehabt hatte. Ich hatte gesehen. Ich hatte gehört. Aber es gelang mir immer noch nicht, selbst der Verwundete zu werden.

 

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Ein Kommentar zu „John Green: „Margos Spuren“

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