Persönliches · Sowas wie Leben

Haarige Angelegenheiten


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Ein Thema, das jeden, vor allem die weiblichen Kolleginnen unter uns, immer wieder aufs Neue wortwörtlich zum Haareraufen bringt, ist wohl oder übel unsere Frisur. Zumindest geht es mir in der Hinsicht so. Ich führe eine Art Hassliebe mit meinen Haaren. Lieben tue ich sie für ihre Einzigartigkeit, ihr Volumen, ihre Dichte und dafür, dass es reicht, sie nur alle vier Tage zu waschen. Hassen tue ich sie für ihre Farbe, ihre Dichte und die Tatsache, dass sie sich einfach immer und überall und  vor allem bei Regen, kräuseln. Außerdem sind meine Haare so ein Zwischending aus Locken, Wellen und Krause, was mich von Zeit zu Zeit ziemlich nervt, da mir eine feste Zuordnung zu einem der oben genannten Frisurtypen lieber wäre. Obwohl, nein, Krause bitte nicht. Und Wellen bitte auch nicht. Aber daran wollen sich meine Haare ja nicht halten. Tatsächlich rebellieren sie gegen mich, so wie es pubertäre Teenager gegen ihre erzkonservativen Eltern tun. Ich fordere von ihnen, gut zu sitzen, wenn ich wegmuss und sie tun genau das Gegenteil. Dafür darf ich wunderschön liegende Haarwellen gerade dann bewundern, wenn ich sowieso nur den ganzen Tag Zuhause verbringe. Zum Friseur? Da war ich in meinem 19jährigen Leben gerade überschaubare viermal. Weil es verdammt teuer ist, eine so lange und strohige Mähne richten zu lassen. Färben? Habe ich nur einmal beim Friseur gemacht, würde ich es Zuhause machen, dann bräuchte ich für mein Haarvolumen mindestens drei Färbepackung und ein zusätzliches Bündel Nerven. Weil ich keine Geduld habe und weil alleine Färben ohnehin immer schief geht. Jedenfalls in meiner Familie. Pflegen? Mache ich nie, Pflegeprodukte sind teuer und kosten viel zu viel zusätzliche Zeit und sowieso, danach habe ich doch immer noch meinen persönlichen Strohhaufen auf dem Kopf, nur das er dann vielleicht einigermaßen gut riecht.

So richtig zufrieden war ich mit meinen Haaren noch nie. Bis ich 13 war, trug ich sie bis zur Hüfte, dann bekam ich Läuse und ließ sie mir von meiner Mama schulterlang abschneiden. Dann wuchsen sie wieder bis zur Hüfte, dann schnit ich sie wieder bis zur Schulter etc pp. Neben meinen Experimenten mit eigenartigen futuristischen Frisuren, bunten Zopfgummis und Kiloweise Haarklammern schnitt ich mir auch regelmäßig selber einen Pony, nur um jedesmal aufs Neue feststellen zu dürfen, dass ich mit Pony ziemlich bescheiden aussehe, vor allem, wenn ich ihn mir selber schneide. Was mich offensichtlich aber nicht davon abgehalten hat, mir jedes Jahr selber einen zu schneiden – egal ob gerade oder schräg, ich habe alles versucht und mir ist alles misslungen. Man kann sagen, dass ich meine Jugend über ziemlich grausam aussah, was meine Frisur betrifft. Als ich 16 war, entschied ich mich für einen geheimnisvollen Mittelscheitel, dann wurde es wieder ein Seitenscheitel, bis ich mich jetzt, mit 19 Jahren endgültig auf einen Mittelscheitel festgelegt habe. Nicht, weil es ach so geheimnisvoll wirkt, sondern weil ich mich damit reif und erwachsen und wie eine angehende Juristin fühle. Außerdem habe ich mir seit drei Jahren keinen eigenen Pony mehr geschnitten und ich habe sorgsam die Farbe rauswachsen lassen, die ich mir 2009 in die Haare klatschen ließ. Irgendwie haben meine Haare zwar immer noch einen komischen Ton, aber ich weiß nicht, ob er von irgendwelchen chemischen Mitteln erzeugt wurde, oder ob er nicht sogar einfach natürlich ist. Was die chemischen Mittelchen angeht, bin ich sowieso ratlos, denn das einzige, was in meine Haare kommt ist Herbal Essences, denn wie eingangs schon erwähnt, meine Bereitschaft dafür, irgendwelche Kuren oder Spülungen in die Haare einzumassieren und einwirken zu lassen, liegt bei Null. Trotzdem schimmern meine Haare neben dem engelsgleichen Blond auch fröhlich in Gelb- und Orangetönen. Im Moment liebäugele ich damit, irgendetwas in Richtung Karamellblond reinzumischen, aber bis ich mich dazu aufgerafft habe, es wirklich umzusetzen, können sicherlich nochmal zwei bis drei Monate* (*Jahre) vergehen.

Meine Ignoranz bezüglich meiner Haare ist schrecklich und so, wie ich mich um meine Haare kümmer, steht es mir eigentlich auch absolut nicht zu, über sie zu meckern und mich aufzuregen. Trotzdem mache ich es. Können die nicht einfach von ganz alleine gut aussehen? Wieso soll ich massenweise Euronen in die Beauty-Industrie investieren und mir Chemikalien in die Haare schmieren, die meistens ohnehin keine Besserung bewirken? Und Haustricks á la Bier in die Haare schütten oder Apfelessig einarbeiten mache ich nicht. Das stinkt und das muss man auch erstmal besorgen und überhaupt. Außerdem kann ich nicht leugnen, dass ich es nicht versucht hätte. Ich habe ja einige Pflegeprodukte für’s Haar in meinen zahlreichen Schubladen und Schränken, die Produkte sind zum Teil noch nicht einmal angerührt worden oder es sind Produkte, bei denen ich nach einigen Anwendungen gemerkt habe, dass es sowieso nichts bringt und dass jede weitere Anwendung reine Zeitverschwendung wäre. Außerdem ist es auch ein bisschen so, wie mit dem Benutzen von Lotion und Créme, was ich in meinem letzten Blogpost angedeutet habe – ich vergesse einfach immer, die Kosmetikprodukte zu benutzen oder ich schaffe es nicht, sie über einen längeren Zeitraum regelmäßig zu verwenden. Es ist wirklich lächerlich, dass ich schöne, glänzende Haare haben möchte, aber nicht einmal im Ansatz dazu bereit bin, auch nur eine Kleinigkeit dafür zu tun und mir eine so läppische Sache wie ‚Spülung verwenden‘ zu merken. Es ist erbärmlich und ich schäme mich ja selbst ein bisschen. Vielleicht ändere ich das ja auch wirklich mal. So in eins, zwei Monaten*. (*Jahren). Chrm.

Das Mädchen, das auf dem Bild abgebildet ist, beneide ich im Übrigen sehr, wegen ihrer schönen Haare. Sie haben eine schöne, einheitliche Blondfärbung, sind weder zu dick noch zu dünn, weder zu glatt noch zu wellig. So sollten Haare aussehen. So sollten meine Haare aussehen. Und so einen äußerst romantischen und liebreizenden Blumenkranz hätte ich bittegerne auch noch dazu. So.

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Ein Kommentar zu „Haarige Angelegenheiten

  1. Ich verstehe dich nur zu gut. Mit 13 hatte ich eine Haarfarbe die jeder so beschrieb. “ Das ist braun nein eigentlich eher blond aber rot ist ja auch mit drin“ Meine Mutter allerdings meint bis heute es sei Goldblond und ich muss sagen damit bin ich einverstanden! Zu der Merkwürdigen Haarfarbe, die nicht mal ein Friseur so recht benennen konnte, habe ich einen Mischmasch aus Locken die nur kommen wenn es regnet und dann an den Schläfen auch noch kräuseln, Wellen. An sich nichts schlechtes und inzwischen gefallen sie mir sogar sehr gut. Allerdings hat dies auch 6 Jahre gedauert, bis ich dahinter kam wie ich sie am besten style…und zwar gar nicht. Ab und an benutze ich mal eine Spülung (wenn ich daran denke) und meine Pony lasse ich von einem Friseur nachschneiden ..denn da bin ich nicht so mutig wie du!
    Meine Haare sind von Natur aus recht dick, also lasse ich sie vom Friseur ab und an ausdünnen damit sie wie du bei dir erwähnt hast eben nicht mehr so strohig und dick aussehen.
    Das ist eigentlich alles was ich mit ihnen mache.
    Obwohl, wenn sie nass sind, knautsche ich sie immer in einen Dutt damit schon mal ein paar Wellen etwas strukturierter sind!
    Ich hoffe du kommst irgendwann gut mit deinen Haaren zurecht. Und wenn du Glück hast verändern sie sich ja ca alle 7 Jahre.
    Wie zum Beispiel bei einer Freundin. Sie hätte mit ihrer hochstehenden Lockenpracht schon fast Afrikanisch sein können. Doch nein ihre Eltern sind weißer als Weißbrot und sie ist übersäht mit Sommersprossen. Doch aufmal mit 15 immer nach und nach wenn sie sich die Haare wusch, verschwanden ihre Prachtlocken. Übrig blieben glatte Haare .. Sehr seltsam aber was soll man machen.

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