Persönliches · Sowas wie Leben

Vorsätze


Unbenannt
Ich bin ein Mensch, der sich zwar ständig und gerne Vorsätze macht, diese aber aus mangelndem Durchhaltevermögen und fehlendem Ehrgeiz so gut wie nie einhält. Das war schon immer so, aber ich finde nicht, dass das für immer so bleiben sollte. Stattdessen finde ich, dass ich gezielt etwas gegen meine Faulheit und Antriebslosigkeit tun sollte. Hier habe ich vor über einem Jahr einige Wünsche, Ziele und Träume festgehalten. Vieles davon kann ich bereits guten Gewissens abstreichen, einige Dinge werden wohl oder übel noch ihre Zeit benötigen und noch mehr Dinge habe ich noch nicht einmal ins Visier genommen. Das Schlimme sind eigentlich auch nicht die verbleibenden Wünsche, die ich gerne noch in Erfüllung gehen lassen würde, sondern vielmehr die Dinge, die seither gedanklich noch dazu gekommen sind. Die Hälfte der eben genannten Sorte habe ich ohnehin schon wieder vergessen, nichtsdestotrotz ist ein beachtlicher Teil derer noch im Kopf geblieben und wartet sehnsüchtig darauf, endlich von mir umgesetzt zu werden. Da die Masse dieser Vorstellungen und Ziele aber ziemlich hoch ist, habe ich mir vorgenommen,vorerst nur die allerwichtigsten anzupeilen und mich um die anderen später zu kümmern (sollten sie sich bis dahin nicht sogar schon wieder verflüchtigt haben). Und um dieses Mal auch wirklich dranzubleiben und nicht schon wieder nach einigen Tagen Lust und Motivation zu verlieren, teile ich diese Wünsche mit euch. Mir ist klar, dass es mich auch ziemlich demütigen könnte, sollte ich es nicht schaffen, diese Ziele zu realisieren, andererseits ist es auch ein Ansporn für mich, um diese Träume wirklich in die Tat umzusetzen. Ob es letztendlich klappen wird oder nicht hängt jedenfalls nicht davon ab, mit wie vielen Menschen ich diese Dinge geteilt habe, sondern davon, wieviel Willen und Durchhaltevermögen ich dieses Mal aufbringen kann.

Wenigstens für einen bestimmten Zeitraum vegetarisch leben
Ich esse gerne Fleisch. Ich esse auch verhältnismäßig viel Fleisch. Dennoch spukt in meinem Kopf schon lange der Gedanke herum, es doch zumindest für einen Monat auszuhalten, vegetarisch zu leben. Nicht, weil ich das ja voll hip finde, auf Fleisch zu verzichten, sondern weil ich seit der 7. Klasse, nachdem wir im Religionsunterricht einen grausamen Film über Tierhaltung und Tierversuche gesehen haben, schreckliche Tierbilder vor meinen Augen habe. Wirklich grausame Bilder. Ich möchte herausfinden, ob ich es theoretisch ohne Fleisch aushalten könnte, auch wenn ich auf Salami und Hühnchenbrustfilet eigentlich kaum verzichten möchte. Diesen Wunsch möchte ich umsetzen, wenn ich umgezogen bin, alleine leben muss und mein Essen aus eigener Tasche bezahlen muss. Ich möchte gesund leben und ich möchte versuchen, ohne Fleischprodukte auszukommen. McDonalds-Besuche sind wohl oder übel gestrichen und ich hoffe, dass neben meiner Moral auch noch meine Figur davon profitieren wird. (Auch wenn das keinesfalls der Hauptgrund dafür ist, vegetarisch leben zu wollen, es wäre nur ein netter Nebeneffekt, den ich nicht vernachlässigen möchte und der in meiner Wunschliste sowieso ganz weit oben steht.)

Regelmäßig Sport treiben, auch wenn es nur das Fitnessstudio ist
Ein Punkt, den ich schon in meinem letzen Blogpost kurz erwähnte –  ich möchte mich im Fitnessstudio anmelden und auch wenigstens zweimal die Woche einige Minuten meiner kostbaren Lebenszeit dort verbringen. Ich brauche Bewegung, diese gesamte Gammelei der letzten Monate tat weder meinem Körper noch meiner Gemütslage gut und ich habe schon eine Art Vorfreude darauf, im stickigen Fitnessstudio auf dem Laufband ein bisschen herumzulaufen und schweißige Sportluft einzuatmen. Grotesk finde ich diesen Gedanken ja schon, dass ich lieber ins Fitnessstudio gehen möchte, als an der frischen Luft zu laufen, aber egal, die Hauptsache ist doch, dass ich überhaupt bereit dazu bin, ein bisschen Bewegung in meinen Alltag zu bringen und sei es auch nur die Bewegung im Fitnessstudio, alles ist besser, als das Rumhocken, das mich jetzt in meinem Alltag begleitet.

Meine kleine Plattensammlung etwas aufstocken
Dass ich unheimlich gerne Platten höre und ich eine ordentliche Plattensammlung fast genauso attraktiv wie ein gut gefülltes Bücherregal finde, habe ich glaube ich schon des öfteren erwähnt. Mit meiner Sammlung sieht es bisher leider etwas spärlich aus und das würde ich gerne ändern. Ich gehe so oft auf Flohmärkte und schenke den Platten dort meist nur einen müden Blick, weil mein Portemonnaie immer schon in Richtung Bücher rennt – das soll passé sein, ich möchte versuchen, für beides gleichermaßen viel Geld auszugeben und mir meine Lieblingsalben auch auf kostbarem Vinyl gönnen. Weil es einfach schön ist, gute Musik auch in den Händen halten zu können und nicht nur auf dem Laptop anzuklicken.

Kochen lernen, Stricken lernen, lernen, wie man eine Waschmaschine bedient, Schwedisch lernen
Mein Schamgefühl ist unendlich groß, wenn ich daran denke, dass ich nicht einmal dazu in der Lage bin, eine einfache Waschmaschine zu bedienen. Oder dass mein Repertoire der Dinge, die ich in der Küche selber zubereiten kann, gerade einmal gute sieben Gerichte umfasst. Oder dass ich seit Jahren stricken lernen möchte und es noch immer nicht kann, obwohl einer meiner größten Träume ein selbstgestrickter Wollpullover ist. Oder dass ich mir diesen Sommer einen Schwedisch-Lernkurs für Anfänger gekauft habe und gerade mal die erste Lektion abgearbeitet habe. Välkomen, jag heter Liesa ist demnach das einzige, was ich jemals auf Schwedisch zu sagen vermag und das geht absolut nicht, weil doch einer meiner größten Träume ein Ferienhaus in Schweden ist. Und dann möchte ich auch Schwedisch sprechen können. Wenigstens ein klitzekleines bisschen.

Endlich wieder regelmäßig Tagebuch schreiben
Mein armes Tagebuch wird immer nur dann in Mitleidenschaft gezogen, wenn es mir gerade besonders schlecht geht. Das ist zwar an sich nicht so schlecht, weil ich so einigermaßen regelmäßig schreibe, andererseits ist es nicht schön, später sein eigenes Tagebuch durchzublättern und dabei zu merken, dass man immer nur negatives hineingeschrieben hat. Das deprimiert irgendwie noch zusätzlich, weil es so scheint, als hätte man nie im Leben auch nur einen einzigen schönen Tag gehabt. Ich möchte mit meinen Tagebuch nicht nur die schlechten Zeiten teilen, sondern gerne auch die guten Dinge, Dinge, die mich aufgebaut haben, die mich glücklich gemacht haben, mit denen ich nicht gerechnet habe.

Mehr gute Filme sehen, mehr Bücher lesen, mehr Musik hören, mehr bloggen
Ich habe einen miserablen Filmgeschmack und ich habe in meinem Leben selten einmal einen wirklich tiefgründigen Film gesehen. Oder einen Klassiker, ich habe so gut wie noch nie einen Klassiker gesehen. Das ist erbärmlich und daran sollte etwas geändert werden. Es gibt Phasen, in denen lese ich unheimlich viel und dann gibt es Phasen, in denen lese ich gar nicht. Ich möchte einen Ausgleich finden und bittegerne endlich den Bücherstapel in meinem Schrank abarbeiten. Und nein, das ist keine Utopie, ganz und gar nicht. Ja, okay, ich höre eigentlich schon sehr viel Musik, aber es gibt noch so viele ungehörte Alben in meiner iTunes-Mediathek, so viele ungehörte Alben im gesamten Internet und so viel Musik, die es Wert ist zehn-, zwanzig oder meinetwegen auch drölfzigmal gehört zu werden. Mit dem Bloggen gebe ich mir schon große Mühe, ich versuche, in regelmäßigen Abständen zu bloggen und vor allem versuche ich, ein bisschen Abwechslung in das Ganze zu bringen. Leider bin ich ein ziemlich unkreativer Mensch und deswegen habe ich selten bahnbrechende Ideen, mit denen ich meine Leser überraschen könnte. Dass ich daran etwas ändern kann, bezweifel ich, aber ich werde auch in Zukunft versuchen mindestens ein- bis zweimal wöchentlich von mir hören zu lassen und nicht immer denselben Unsinn von mir zu geben.

Eine Woche ohne Internet leben
Es ist wohl kein Geheimnis, dass ich ein ziemlicher Internetsüchtling bin und es nicht einmal schaffe, einen Tag ohne meinen geliebten Laptop auszukommen. Es ist nichts, worauf ich stolz bin oder was ich gerne herumposaune, aber nichtsdestotrotz möchte ich es einmal schaffen, eine gesamte Woche ohne das Internet zu leben. So richtig zu leben. Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest, aber ich bin schon sehr gespannt darauf, ob ich das wirklich durchhalten kann.

Meine Haare bis zu Taille wachsen lassen
Zugegeben, das ist ein Wunsch, auf den ich nicht besonders viel Einfluss habe, aber ich wollte ihn trotzdem gerne mit auflisten, weil es für mich ein sehr wichtiger Wunsch ist. Außerdem möchte ich meine Haare auch gerne in eine andere Farbe tauchen, vorzugsweise karamellblond, genaueres steht bisher aber noch nicht fest und wird wohl in nächster Zeit auch noch nicht in Angriff genommen. Da sind andere Dinge dann doch wichtiger.

Den Traum eines eigenen Buches in die Realität umsetzen
Das ist wohl mein ältester Wunsch, mein größter Kindheitstraum und derjenige, von dem ich ehrlich gesagt nicht glaube, dass er sich irgendwann auch nur annähernd realisieren lässt. Nichtsdestotrotz möchte ich in naher Zukunft wenigstens den Versuch starten, einen Roman zu schreiben, auch wenn ich noch keinen wirklichen Plot im Kopf habe und ich auch nicht glaube, dass mein schreiberisches Können dafür ausreichen wird, ein eigenes Buch zu verfassen, vor allen Dingen ein Buch, das andere Menschen gerne lesen wollen würden. Aber noch ist nicht aller Tage Abend und ehe ich es nicht wenigstens einmal versucht habe, kann dieser Wunsch zumindest in meinen Träumen noch etwas weiterleben.

(Es fehlen noch 23988543 Wünsche, Träume und Ziele, aber ich habe das Gefühl, dass ich für heute genug genervt habe und deswegen belasse ich es jetzt bei dieser überschaubaren Anzahl an Dingen. Außerdem werde ich diese Seite in der kommenden Woche komplett überarbeiten, sodass all meine neuen Wünsche dort nachgelesen werden können. Falls das überhaupt jemanden interessieren sollte.)

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2 Kommentare zu „Vorsätze

  1. Ich war ca. 15 Jahre lang Vegetarier, und kann daher das eine oder andere zu diesem Thema beitragen. Kurzer Hinweis vorab: Ich verwende im folgenden die Begriffe Vegetarier und Veganer synonym, da die Unterscheidung für meine Erläuterungen weitgehend irrelevant ist (auch wenn das vielen Veganern nicht passen dürfte). Meine Entscheidung, zu einer vegetarischen Lebenweise überzugehen, beruhte — wie bei vielen anderen Vegetariern auch — auf einer Mischung aus ethischen und gesundheitlichen Überlegungen. Die ersten Jahre klappte das auch ganz gut. Insbesondere fällt in den Anfang dieser Zeit eine Phase von 7 Jahren, während denen ich keinen einzigen Tag krank war (d.h. keine Erkältung, gar nichts). Mit dieser Phase hat es jedoch eine ganz besondere Bewandtnis, die möglicherweise wenig mit meiner Ernährung zusammenhängt. Das ist aber eine andere Geschichte, und es würde hier zu weit führen, darauf einzugehen. In den späteren Jahren meiner vegetarischen Zeit liess meine Gesundheit allerdings immer mehr nach, und ich fühlte mich — auch wenn ich „formal“ sehr wenig krank war — dauernd schlapp, müde, und irgendwie unspezifisch „krank“ (ähnlich dem Gefühl, das man kurz vor einer Erkältung hat). Blähungen und leichter Durchfall traten ziemlich häufig auf. Ich begann auch bei kühlen Umgebungstemperaturen bei der leichtesten Anstrengung stark zu schwitzen. Die Wundheilung, die bei mir früher, wie ich aus meiner Kampfsport-Zeit gewohnt war, aussergewöhnlich schnell ablief, begann sich deutlich zu verlangsamen. Ein besonderes Ereignis brachte mich schiesslich zu dem Entschluss, dass sich etwas ändern *musste*: Ich war mit einer Traumfrau zu einem One-Night-Stand in einem Luxushotel, und bei mir tat sich — zum ersten Mal in meinem Leben — so ziemlich gar nichts. Die junge Dame ging glücklicherweise sehr lieb und verständnisvoll mit der Situation um, für mich war es aber trotzdem ein schwerer Schock.

    Auch auf anderen Ebenen begann ich, an der Überlegenheit einer vegetarischen Ernährung zu zweifeln. Ich besitze hunderte von Büchern zu gesundheitlichen, oft ernährungbezogenen Themen, und ich habe tausende von Zeitschriften- und Online-Artikeln zu diesem Themenbereich gelesen. Zu Beginn glaubte ich naiv die vegetarische Propaganda (über die viele Vegetarier nie hinausgelangen), dass eine vegetarische Ernährung ganz sebstverständlich wesentlich gesünder ist als eine omnivorische Ernährung. Dazu kommt, dass es mir — im Gegensatz zu vielen anderen Vegetariern — sehr leicht fällt, mich vegetarisch zu ernähren. Ich mag Salate und Gemüse sehr gern (Obst und Früchte sowieso), und ich hatte nie ein besonderes Verlangen nach Fleisch, Fisch, etc. Ziemlich irritiert war ich bei meinen Studien dann, als ich auf glaubwürdige Berichte stiess, dass ein Arzt (oder Heilpraktiker — weiss ich nicht mehr genau, ist lange her) bemerkenswerte Erfolge bei der Krebsbehandlung durch eine Umstellung auf eine stark (fleischbasiert) eiweisshaltige Ernährung erzielte. Weiterhin gab mir eine Studie zu denken, dass ein niedriger Albuminspiegel im Blut — wie er oft bei Vegetariern vorliegt — bei schweren Erkrankungen eine erheblich höhere Sterblichkeitsrate zur Folge hat. Dann stiess ich auf einen Artikel eines bekannten (wenn ich mich recht erinnere: US-) Vegetariers, der beschrieb, wie seine jahrelangen Versuche gescheitert sind, seine Partnerin — die das auch wollte — auf eine vegetarische Ernährung umzustellen. Jeder Versuch hatte eine erhebliche Verschlechterung ihrer Gesundheit zur Folge, so dass er abschliessend resigniert feststellte, dass es wohl individuelle Unterschiede gibt, die nicht jedem eine dauerhaft vegetarische Ernährung ermöglichen. Brown Landone (1847-1945, möglicherweise zu seiner Zeit der Mensch mit dem umfangreichsten Wissen über Ernährung überhaupt) berichtet in einem seiner Bücher von einer umfangreichen Röntgen-Studie, nach der Vegetarier durchschnittlich wegen eines vergrösserten Darms über ein verkleinertes Lungenvolumen verfügen (das relative Lungenvolumen ist nach heutigem Erkenntnisstand jedoch einer der wichtigsten Indikatoren für die Langlebigkeit). Eine andere irritierende Beobachtung war, dass einem Onkel von mir, der sich — als Leiter einer DDR-LPG — zeitlebens stark fleischhaltig ernährte, diese Ernährungsweise entgegen meinen damaligen Erwartungen nicht im geringsten zu schaden schien. Ausserdem fiel mir auf, dass ich zwar eine ganze Reihe junger Vegetarier in meinem Umfeld kannte, jedoch keinen einzigen alten. So bekam meine Überzeugung von einer fundamentalen Überlegenheit einer vegetarischen Ernährungsweise immer mehr Risse.

    Eine der Massnahmen, die ich nach dem oben beschriebenen schiefgegangenen One-Night-Stand ergriff, war mich bei einem Heilpraktiker auf Nahrungsmittelallergien untersuchen zu lassen. Das Ergebnis war ziemlich schockierend: Ich war gegen eine sehr grosse Zahl von Nahrungsmitteln stark allergisch, mit der bemerkenswerten Ausnahme von Fleisch und Fisch. In diesem Zusammenhang klärte sich auch eine Beobachtung auf, die ich selbst einige Zeit vorher gemacht hatte: Mein Urin-pH-Wert lag dauerhaft unter 5, was — insbesondere in Anbetracht der logarithmischen Skala — ein extrem schlechter Wert ist, der mittelfristig schwere gesundheitliche Schäden erwarten lässt. Kurzer Einschub: Ich habe inzwischen sehr viel Erfahrung mit pH-Wert-Messungen, und halte es für eines der besten Selbstdiagnoseverfahren überhaupt. Die Messstreifen — ich verwende „Uralyt-U“ — gibt’s in der Apotheke. Z.B. Nahrungsmittelallergien kann man damit ohne eine teure Untersuchung leicht selbst feststellen. Obwohl sich meine Allergien seit der beschriebenen Zeit stark abgeschwächt haben, bin ich u.a. immer noch — leider — stark gegen Eier allergisch. Esse ich ich irgendetwas eihaltiges, sinkt mein Urin-pH-Wert einige Stunden später stark ab. Auch viele andere Einflüsse, bis hin zu Stimmungsschwankungen, lassen sich über den pH-Wert (u.a. auch des Speichels) analysieren. Aber zurück zum Thema: Da ich nun in meiner Speisenauswahl stark eingeschränkt war, bestellte ich eines Abends in einem Restaurant Saltimbocca. Zum folgenden muss ich ausdrücklich betonen, dass irgendeine Art von Placebo-Effekt — den Vegetarier hier schnell unterstellen — sehr unwahrscheinlich ist, da ich weder vorher ein besonderes Verlangen nach Fleisch hatte, noch irgendeinen besonderen Effekt erwartete. Zu meinem Erstaunen begann ich mich auf dem Nachhauseweg ausgehend vom Bauchbereich absolut fantastisch zu fühlen, so wie ich mich schon seit langer Zeit nicht mehr gefühlt hatte. Es lässt sich zwar mit Worten schwer vermitteln, aber das war ein klares Zeichen, dass mein Körper hier etwas bekommen hatte, was ihm sehr fehlte.

    Ich begann meine Ernährung also — insbesondere unter Berücksichtigung der Nahrungsmittelallergien — wieder auf omnivorisch umzustellen, und meine Gesundheit verbesserte sich zusehends. Die oben beschriebenen Symptome begannen nach und nach zu verschwinden, mein durchschnittlicher Urin-pH-Wert stieg deutlich an, und auch mein Allgemeingefühl verbesserte sich erheblich. Der nächste One-Night-Stand, ungefähr ein halbes Jahr nach dem oben erwähnten, war — ohne zu übertreiben — die heisseste Nacht meines Lebens ;-)

    Ich bin allerdings — auch wenn es bis hierhin den Anschein erwecken mag — kein grundsätzlicher Gegner des Vegetarismus. Zusammengefasst muss ich sagen, dass das wissenschaftliche Verständnis des menschlichen Metabolismus nach wie vor völlig unzureichend ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die Menge des verfügbaren Materials so ungeheuer gross ist, dass niemand auch nur annähernd in der Lage ist, wirklich alle wichtigen Bücher, Studien, etc. zu diesem Thema zu lesen. Ausserdem ist sehr viel von dem, was zu diesem Thema sowohl auf Pro- wie auch auf Contra-Seite veröffentlicht wird, ideologisch gefärbt, bis hin zu platten Lügen. Auf der Pro-Seite oft aufgrund von Fanatismus („Wir haben sowieso Recht, da kommt es auf die Fakten nicht so an“), auf der Contra-Seite oft aufgrund wesentlicher wirtschaftlicher Interessen (gelegentlich aber auch umgekehrt).

    In diesem Zusammenhang möchte ich eine Beobachtung erwähnen, die mir seit langer Zeit bei Diskussionen zu diesem Thema auffällt: Während Omnivoren meist sachlich und gelassen argumentieren, verfallen Vegetarier sehr oft in einen verbissen-aggressiven Ton, bis hin zu einer jegliche Sachlichkeit hinter sich lassenden Bösartigkeit. Das ist völlig unabhängig von den Umständen der Diskussion, und ist z.B. in US-Foren genauso zu beobachten wie hier. Das steht in krassem Widerspruch zum Selbstbild der meisten Vegetarier, ist aber so auffällig, dass es nicht zu verleugnen ist. Ich habe tatsächlich den Verdacht — auch wenn viele Vegetarier darauf sehr aggressiv reagieren — dass zumindest bestimmte Formen des Vegetarismus langfristig durch Nährstoffmängel zu problematischen Persönlichkeitsveränderungen führen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die wenig bekannte Tatsache, dass Adolf Hitler Vegetarier war. Diese Feststellung führt bei vielen Vegetariern zu massiver kognitiver Dissonanz („Der einer von uns? Völlig ausgeschlossen!“), und auch zu einer Reihe von fragwürdigen Versuchen, das Gegenteil zu beweisen. Dazu muss man sagen, dass Hitler kein fanatischer 100%-Vegetarier war. Es gibt vereinzelt glaubwürdige Berichte, dass er auch mal eine Hühnersuppe o.ä. gegessen hat. Das Gesamtbild der Quellen besagt jedoch klar, dass Hitler nach jedem praktikablen Massstab (es gibt viele Vegetarier, die sich nicht 100% ausnahmslos vegetarisch ernähren) tatsächlich Vegetarier war. Bezeichnenderweise wird hier versucht, völlig andere Massstäbe als z.B. bei Benjamin Franklin anzulegen, der gern als Vegetarier bezeichnet wird, obwohl er in einer späteren Lebensphase den Vegetarismus aufgegeben hat, und zu einer omnivorischen Ernährung zurückgekehrt ist.

    Besonders problematisch bei Analysen und Diskussionen zu diesem Thema ist, dass sowohl vegetarische als auch omnivorische Ernährung ein sehr weites Spektrum abdecken, und dass vermutlich viele positive und negative Effekte, die der jeweiligen Ernährungsform zugeschrieben werden, eher auf die Qualität der Nahrung, die Zubereitungsform (roh/gekocht/etc.), oder bestimmte Einzelelemente zurückzuführen sind. Beispielsweise verringert der Verzehr von insgesamt ca. 100g wechselnden frischen rohen grünen Blattpfanzen (Spinat, Grünkohl, Brennnesseln, etc. — jedoch kein klassischer Salat, da überzüchtet) täglich, z.B. zusammen mit ein paar Beeren in Form von „Green Smoothies“, die Infektionsanfälligkeit —  bei einer ansonsten halbwegs vernünftigen Lebensweise — nach meiner Erfahrung drastisch, oft um den Faktor zehn (also von „ein paar Erkältungen pro Jahr“ auf „eine Erkältung alle paar Jahre mal“). Wer’s nicht glaubt, soll’s einfach ausprobieren. Z.B. mein Vater, der inzwischen weit über 80 ist, hat auf diese Weise seit Jahrzehnten (!) keine nennenswerte Erkältung mehr gehabt (und bevor das jemand auf „die Gene“ zurückführt: bevor er damit angefangen hat, das „Grünzeug“ aus dem Garten zu futtern, war er genau so oft erkältet wie die meisten anderen Leute auch). Dieser Effekt ist nach meiner Erfahrung weitgehend unabhängig davon, ob sich jemand allgemein vegetarisch oder omnivorisch ernährt. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass ein Vegetarier eine nennenswerte Menge an „Grünzeug“ verzehrt, weshalb er eher in den Genuss des beschriebenen Effekts kommt. Umgekehrt haben viele Omnivoren eine sehr negative Einstellung gegenüber „Grünzeug“ jeglicher Art („Ich bin doch kein Kaninchen!“), und müssen deshalb auf die positiven Wirkungen verzichten. Ausserdem gibt es bestimmte eindeutig sehr schädliche Nahrungsmittel, u.a. Zucker (sorry, Liesa ;-) und Zuckerersatzstoffe (ausser Honig und Stevia) in jeglicher Form, gehärtete Fette (insbesondere Margarine), genveränderte Nahrungsmittel (das ist glücklicherweise in Europa bisher kein allzu grosses Problem), und überhaupt alle stark verarbeiteten Nahrungsmittel, die jede an sich gesunde Ernährungsweise langfristig zunichte machen.

    Zudem sind viele Ernährungsmythen im Umlauf, gerade auch in gebildeten Bevölkerungsschichten und bei Ärzten (deren ernährungsbezogenes Wissen oft viel bescheidener ist, als die meisten Menschen glauben). Klassische Themen sind in dieser Hinsicht z.B. Fett und Salz. Um das Thema Fett kurz anzuschneiden: Fett an sich macht nicht fett. Ich habe z.B. mal ca. ein Jahr lang (fast) jeden Abend ein grosses Steak mit einem dicken Klotz Butter drauf gegessen (um Missverständnisse zu vermeiden: das war nicht die einzige Mahlzeit des Tages), und dabei — obwohl ich während dieser Zeit fast keinen Sport getrieben habe — kein Gramm zugenommen (und ich bin schlank, um auch in dieser Hinsicht Missverständnisse zu vermeiden). Das ist natürlich nur eine Einzelbeobachtung, sie passt jedoch ziemlich gut zu dem Gesamtbild, das viele Forschungsergebnisse und Erfahrungen Anderer (s.u.) zeichnen.

    Abschliessend noch ein paar interessante Quellen zum Thema:

    http://www.beyondveg.com: Meines Wissens nach die fundierteste und umfangreichste Webseite zum Thema Pro- und Contra einer vegetarischen Ernährung.
    web.archive.org/web/20110323031804/http://voraciouseats.com/2010/11/19/a-vegan-no-more: Ein interessanter und im Web sehr bekannter Erfahrungsbericht einer jungen Frau, die zunächst begeisterte Veganerin war, dann jedoch aus gesundheitlichen Gründen wieder zu einer omnivorischen Ernährung wechselte (per archive.org, da die Original-Webseite derzeit überarbeitet wird).
    http://www.jackkruse.com: Blog eines US-Neurochirurgen, der sich intensiv mit Ernährungsthemen auseinandersetzt. Das Niveau ist ziemlich hoch, allerdings auch an der vordersten Front des aktuellen Forschungsstands.
    http://www.bulletproofexec.com: Blog eines US-Hightech-Multimillionärs, Dave Asprey, der sich intensiv mit jeglichen Methoden zur persönlichen Leistungssteigerung, u.a. ernährungsbezogen, befasst. Mit beeindruckenden Ergebnissen.
    http://www.naturalnews.com: Eine hervorragende allgemeine US-Gesundheits-News-Webseite, die u.a. oft Ernährungsthemen behandelt. Bzgl. Vegetarismus weitgehend neutral (es erscheinen gelegenlich sowohl Pro- als auch Contra-Artikel)
    „The 4-Hour Body“ von Tim Ferriss (gibt’s inzwischen auch auf Deutsch, ich würde aber eher das englische Original empfehlen): „The 4-Hour Body is the result of an obsessive quest, spanning more than a decade, to hack the human body. It contains the collective wisdom of hundreds of elite athletes, dozens of MDs, and thousands of hours of jaw-dropping personal experimentation“. Tim’s typisch US-amerikanischer Stil kommt nicht bei allen Deutschen gut an, ich finde das Buch jedoch unabhängig davon hervorragend und kann es nur empfehlen.
    „Good Calories, Bad Calories“ von Gary Taubes: Ein Buch, das u.a. mit dem Mythos, dass es bei der Ernährung im wesentlichen auf die Kalorien ankommt, aufräumt.
    „Der grosse Gesundheits-Konz“ von Franz Konz: Dieses sehr umfangreiche  Buch ist den vorgenannten Quellen fundamental entgegengesetzt. Der bekannte Steuer-Autor Franz Konz ist — was nicht ganz so bekannt ist — auch ein fanatischer Vertreter einer extrem-pflanzlichen Ernährungsweise („Urkost“). Ich empfehle das Buch, obwohl Konz‘ Ansichten teilweise sehr kontrovers sind (er ist u.a. der Ansicht, dass sämtliche medizinische Forschung eingestellt werden sollte, da er bereits alle Antworten gefunden hat — sie sind in diesem Buch enthalten). Trotzdem hat er sehr viele wertvolle Fakten zusammengetragen, u.a. in Hinsicht auf eine sehr kritische Sicht der konventionellen Medizin, die ich weitgehend teile. Ich habe aus diesem Buch u.a. die Anwendung von Heilerde gelernt — die bei Magen-/Darm-Problemen ein wahrer Segen ist — wofür ich zutiefst dankbar bin. Wer sich intensiver mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen möchte, sollte das Buch m.E. trotz der genannten Kritikpunkte unvoreingenommen lesen.

    Am Rande: Falls irgendein mitlesender Vegetarier über meine hier geäusserten Ansichten verärgert sein sollte: Ich werde an dieser Stelle keine kontroverse Diskussion zu diesem Thema führen, da die Bandbreite des Informationsaustauschs dafür einfach zu gering ist. Es würde nichts bringen.

  2. Oops, der archive.org-Link oben funktioniert nur, wenn man am Ende einen Slash anhängt (also: …-no-more/). Sorry.

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