Persönliches · Sowas wie Leben

Notice that Autumn is more the season of the soul than of Nature.


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Ich lese Murakami und obwohl mein Tag gefüllt ist mit Beschäftigungen jeglicher Art, lese ich wieder mehr, als noch vor ein paar Wochen, als ich alle Zeit der Welt hatte. Ich befinde mich in meiner typischen Oktobernostalgie, wie jeden Oktober eigentlich und obwohl ich ständig Kopfschmerzen habe und unendlich müde bin, fühle ich mich besser und glücklicher als sonst. Das übermäßig ausgeprägte nostalgische Gefühl rührt vermutlich da her, dass ich diesen Herbst nicht nur den Sommer und das blühende Leben verabschieden muss, sondern auch meine Mama und meine zwei kleinen Schwestern. Das klingt natürlich dramatischer, als es eigentlich ist, schließlich ziehe ich nicht einmal 40km weg, aber für mich ist das die einschneidenste Veränderung, die ich dieses Jahr durchleben muss. Ich bin der Inbegriff eines Mamakindes, ich mag einfach nicht ohne meine Mama und wenn ich nicht Zuhause bin, habe ich die ganze Zeit ein unangenehmes Gefühl, als ob ich befürchte, dass irgendetwas Zuhause schief läuft und dass meine Mama Hilfe braucht und alleine mit meinen kleinen Schwestern nicht zurecht kommt. Der Herbst kommt, der Sommer geht, die neue Wohnung kommt, die alte Wohnung geht, zumindest gehe ich. Sorgen und Probleme kommen und gehen und werden hin und wieder von kleineren und größeren Glücksphasen durchleuchtet. Ich höre One Direction, Lykke Li, The Drums und The xx und ich sitze in der Bahn und lese und ich esse ungesundes Zeugs und sitze sechs Stunden in Bürgerämten, um mir neue Adressen auf meinem Personalausweis kleben zu lassen. Ich kaufe Gardinen und Küchenzeugs und ich habe noch nicht einmal eine richtige Küche. Ich schrubbe Dielen, streiche Wände und messe Zimmer aus. Ich hole mein erstes Bafög-Geld und freue mich ein bisschen, weil ich noch nie so viel Geld besessen habe. Ich träume von Ikea-Regalen und Schreibtischen, die ich mir so oder so nicht leisten kann und rechne nach, wie ich alle bisher bestehenden Schulden abbezahlen kann, ohne mich selbst in Unkosten zu stürzen. Ich bestelle Internet und Telefon und verfluche mich ein wenig dafür, es nicht schon früher getan zu haben, weil ich nun so lange warten muss, bis es installiert wird. Ich räume Schreibtische und Schränke aus und stelle fest, dass ich allerlei Schmarrn und Ramsch besitze, den ich um nichts in der Welt wegschmeißen möchte. Ich räume meinen Schrank aus und fülle mehrere Mülltüten mit meinen Klamotten, trennen möchte ich mich von nichts. Ich weine ein bisschen, weil ich nicht genügend Umzugskartons für meine Bücher habe und somit erstmal einige Zuhause bleiben müssen und ich weine, weil ich in meinem neuen Zimmer Ausblick auf eine Hausfassade habe und nicht mehr den wunderbaren Sonnenaufgang zwischen den Tannen bewundern kann. Ich freue mich, weil im Innenhof ein Kastanienbaum steht, ich liebe Kastanien und dann denke ich daran, dass schon wieder Oktober ist und es ist Herbst und es wird früh dunkel und spät hell und alles wird anders, denn die Bäume werden erst goldrot und dann fallen alle Blätter ab und ich möchte auch goldrot werden aber ich möchte nicht abfallen. Ich möchte das Ikea-Bücherregal, bittedanke, aber ich möchte nicht abfallen. Und dann wundere ich mich, dass die Blätter erst auffallen, in ihrem rotgoldenen Ton und dann fallen sie ab und ich frage mich, wie man noch fallen kann. Hart und unbequem oder weich und wohlig, ich möchte bitte weich und wohlig auffallen. Und dann fällt mir auf, dass ich ziemlichen Quatsch schreibe und dass ich wahrscheinlich einfach müde bin und dann fällt mir ein, dass ich am Donnerstag umziehe und dann fällt mir wieder auf, dass es mehrere Bedeutungen für auffallen gibt und dann gibt es auch noch einfallen und herausfallen und hineinfallen und ich finde wirklich, dass das Wort ‚fallen‘ unterschätzt wird, es ist doch ein ziemlich famoses Wort und ‚fall‘ ist das englische Wort für Herbst und das ist fast so wie fallen und irgendwie ist doch alles miteinander verknüpft.

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