Sowas wie Leben

„Tod nach Abschiebung – Wadim“



Die Abschiebepraxis Hamburgs beleuchtet die ARD-Dokumentation “ Tod nach Abschiebung – Wadim“. Im Januar 2010 beging Wadim Selbstmord und warf sich vor einen Zug. Wadim war Gymnasiast und sprach fließend Deutsch.Er hatte deutsche Freunde, und fühlte sich als Deutscher. Der Lette kam mit seiner Familie 1992 als Flüchtling nach Hamburg, erhielt jedoch nie einen Pass. Wadims russischstämmige Eltern hatten sich in Lettland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr sicher gefühlt. In Deutschland wurde ihr Asylantrag abgelehnt, es folgten 13 Jahre zwischen Duldungen, Sammelunterkünften und Arbeitsverbot. Der Versuch einer nächtlichen Abschiebung 2005 führte zur Katastrophe: Wadims Mutter schnitt sich die Pulsadern auf und wurde in die Psychiatrie eingeliefert, der Vater kam nach Wiederstand in Abschiebehaft. Wadim wurde noch in der gleichen Nacht mit 18 Jahren ohne Familie und finanzielle Mittel allein nach Lettland abgeschoben.Fünf Jahre kämpfte Wadim anschließend in Lettland um eine neue Existenz, und irrte später durch Frankreich Belgien und die Schweiz. Bei einem letzten illegalen Besuch in seiner gefühlten Heimat Hamburg, nahm sich Wadim im Januar 2010 mit 23 Jahren das Leben.

***

Ich möchte dieser Dokumentation nicht viel Worte hinzufügen. Sie spricht für sich. Sie spricht für die 87.000 Geduldeten in Deutschland, die nur darauf warten, endlich einen deutschen Pass zu erhalten. Sie spricht für all jene, die sich noch nie mit der Problematik befasst haben, die nicht über das Ausmaß wussten, in dem Asylbewerber behandelt werden, abgeschoben werden. Emotional, bewegend, berührend und zugleich unglaublich schockierend und bestürzend. Das Schicksal einer Familie, die nur einen Platz gesucht hat, den sie ihr Zuhause nennen kann. Sie durfte ihn leider nie wirklich finden.

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