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Francis Scott Fitzgerald: „Der große Gatsby“


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Inhalt: James Gatz erkennt, dass Erfolg eine Frage der Selbstdarstellung ist und beginnt, den „großen Gatsby“ zu spielen. Er arbeitet sich vom mittellosen Herumlungerer zum Multimillionär hoch, in der festen Überzeugung, dadurch seine aus einer besseren Familie stammende große Liebe, die inzwischen verheiratet ist, zurückgewinnen zu können.

Meinung: Freitagmorgen, Uni fängt erst um 12 Uhr an, es ist viel zu kalt, um etwas anderes zu machen, als weiterhin im Bett liegen zu bleiben und neben mir, auf dem Nachttisch liegt schon seit Tagen „Der große Gatsby“ und lächelt mir verführerisch zu. Nachdem ich zuvor „Anna Karenina“ gelesen hatte, wollte ich mein Klassiker-Repertoire noch mehr erweitern und griff kurzerhand zum Gatsby, der schon seit Ewigkeiten auf meiner Lese-Wunschliste stand und der ganz augenscheinlich zu den Büchern gehört, die man gelesen haben sollte. Obwohl man ja eigentlich alles gelesen haben sollte. Aber jetzt, wo im Frühjahr eine wunderbare Verfilmung auf uns wartet (ich verweise nur auf Carey Mulligan, die so neben Keira Knightley eine meiner absoluten Lieblingsschauspielerinnen ist), war mir sowieso klar, dass dieses Buch unbedingt gelesen werden muss, und so kam es an diesem kalten Freitagmorgen dazu, dass ich im Bett lag, das Buch aufschlug und es erst wieder zur Seite legte, nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte.

„Der große Gatsby“ ist ein Buch, das man in einem Rutsch lesen kann und sollte. Finde ich. Es ist kurz und stilsicher, es ist spannend und gleichzeitig gleichmäßig, es ist eine Einführung in die amerikanische Gesellschaft der 20er Jahre, es geht um Erfolg und Geld und Glück und Liebe und vor allen Dingen geht es auch ums Scheitern. Denn so viel sei gesagt, statt eines Happy Ends gibt es Tote und einen Protagonisten, der voller Enttäuschung über die gehobene Gesellschaft, New York verlässt.

Fitzgerald verliert sich in detaillierten Beschreibungen über die Gäste von Gatsbys Partys. Ganz genau wird uns erzählt, wie die verschiedenen Persönlichkeiten sich verhalten, wie sie reden, denken, fühlen. Wir erfahren, warum Gatsby diese Partys gibt und wieso er selbst sich so spärlich an ihnen beteiligt, wir erfahren, was sein tiefster und innigster Wunsch ist, wieso er so handelt, wie er handelt.

Doch das alles erfahren wir nicht von Gatsby selbst, sondern über den Umweg eines Nebencharakters, Nick Carraway, der uns alles hautnah aus seiner Sichtweise darlegt. Er wohnt neben der pompösen Gatsby-Villa und ist letztendlich nur so etwas wie ein Mittel zum Zweck, hat er doch die Verbindung, um Gatsby seine frühere Liebe wieder näherzubringen. Er selbst denkt ebenfalls, er hätte seine Liebe gefunden, doch Jordan Baker entpuppt sich neben ihren Eigenschaften einer attraktiven und humorvollen Frau ebenfalls als zu oberflächlich und als zu notorische Lügnerin, als dass der aufrichtige und gewissenhafte Nick sich letztendlich tatsächlich eine Beziehung zu ihr vorstellen kann.

Nick selber scheint ohnehin das komplette Gegenteil der New Yorker Gesellschaft zu sein. Während alle anderen viel zu sehr mit sich selbst und ihrem Leben beschäftigt sind, ist er der wohl einzige, der seine Aufmerksamkeit nicht an erster Stelle seinem eigenen Leben widmet, sondern sie eher darin investiert, die anderen zu beobachten, zu verstehen und dabei Rückschlüsse auf sein eigenes Leben zu schließen.

In einer Rezension, die ich auf goodreads gelesen habe, fand ich einen treffenden Vergleich: Der Gatsby hat keine großen Höhepunkte oder extreme Spannungsverläufe, nein, er fließt dahin, wie ein Fluss. Mal ein bisschen ruhiger und gemächlicher,  mal ein bisschen schneller, mit starken Wellen. Doch nie wird der Handlungsfluss unterbrochen, er liest sich bedächtig und ruhig und dennoch mit so viel Humor und Spannung, dass es nicht möglich ist, das Buch zur Seite zu legen. Was ist mit Jay Gatsby, schafft er es, seine Jugendliebe für sich zurückzugewinnen? Was ist mit deren Ehemann, der selber untreu ist, seine Frau aber dennoch um keinen Preis verlieren will? Was ist mit Nick Carraway, findet er in diesem Drama seinem Glück? Ist der große Gatsby wirklich so groß oder ist das alles nur nach außen gerichteter Schein, um die Aufmerksamkeit der Liebe seines Lebens auf sich ziehen zu können, nachdem diese vor Jahren genau daran gescheitert ist? Fragen, die ich in dieser Rezension nicht beantworten möchte, die aber jeder herausfinden kann, wenn er sich nur einen Vormittag Zeit nehmen möchte, um dieses großartige Buch zu lesen. Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Allen.

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