Persönliches · Sowas wie Leben

Die Geschichte mit mir und dem Lernen…


study (verb); the act of texting, eating and watching TV with an open     textbook nearby

Ich sitze auf dem Fußboden. Ich würde gerne am Schreibtisch arbeiten, aber da dieser viel zu klein ist, habe ich es mir auf dem Teppich in meinem Zimmer gemütlich gemacht. Um mich herum liegen ausgebreitet die Skripte, Lehrbücher und handschritlichen Aufzeichnungen, die das Semester zusammenfassen. Es sind viele. Viel zu viele. Ich blicke um mich, und weiß nicht, womit ich anfangen soll. Ich greife einen Stapel der Blätter, lese die erste Seite und habe das Gefühl, nichts zu verstehen. Was, das haben wir in der Arbeitsgemeinschaft gemacht? Ich kann mich nicht daran erinnern. Seufzend lege ich die Blätter wieder auf den Stapel und beschließe, erst einmal in die Küche zu gehen und mir einen Tee zu kochen.

Ich setze den Wasserkocher mit dem Wasser auf, tue einen Beutel meines Lieblingstees in meine Lieblingstasse und warte auf das Pfeifen des Wasserkochers, das mir signalisiert, dass das Wasser heiß genug ist. Lustlos blättere ich in einem Skript, das ich mir beim Hinausgehen aus dem Zimmer noch schnell gegriffen habe. Schuldrecht AT. Ich habe gerade keine Lust, mich mit Schuldrecht AT zu beschäftigen. Ungeduldig warte ich auf den Wasserkocher, der mich von Schuldrecht AT erlösen soll. Ich gieße das kochende Wasser auf und weil man zu einem Tee auch irgendetwas festes essen sollte, greife ich zu den Keksen, die im Regal liegen. Im Schneckentempo trinke und esse ich und starre das Schuldrecht AT Skript, das ja gar nichts für meine Missmutigkeit kann, böse an. Der Tee ist ausgetrunken, die Kekse gegessen, ab ans Lernen.

Ich schmeiße mich bauchlängs auf mein Bett, weil mir der Boden doch irgendwie zu unbequem zum Lernen ist. Aus dieser Position schaue ich den Stapel an Materialien an, den ich meinem Kopf einflößen muss und hoffe, dass er sich durch meinen Blick irgendwie schrumpfen lässt. Ich greife zum Strafrecht Lehrbuch. Strafrecht mag ich, Strafrecht ist spannend. Ich lese eine Seite, lese zwei, lese ein ganzes Kapitel und ein zweites und ein drittes. Irgendwann verweist der Autor auf etwas, das er bereits im zweiten Kapitel ausführlich erklärt hat. Ich weiß nicht, was er meint und als ich zurückblättere, kommt es mir so vor, als hätte ich diesen Abschnitt gar nicht gelesen. Überhaupt habe ich das, was ich zu Anfang gelese habe, schon wieder komplett vergessen. Frustriert werfe ich das Buch zurück auf den Boden, drehe mich auf den Rücken, schaue geknickt die Decke an und wünsche, dass sich mir der Stoff einfach von so einprägt, während ich hier auf dem Rücken liege und nichts tue.

Das Handy bimmelt. Ich gehe ran und telefoniere mit meiner Mama. Ja Mama, ich lerne auch ganz fleißig, ich bin ganz gut dabei. Ich lege auf und weil ich das Handy schon mal in der Hand halte, besuche ich auch schnell noch Facebook, Formspring und Co. Bis ich das Handy wieder auf den Nachttisch lege, vergehen einige Minuten und ich bleibe genauso deprimiert liegen, wie zuvor.

Ich beschließe, dass es das beste wäre, sich etwas abzulenken und ins Fitnessstudio zu gehen. Ich ziehe meine Sportsachen an, packe eine Wasserflasche ein und laufe die paar Meter bis ins Studio. Es ist voll, Stoßzeit, aber ich habe Glück, es ist noch ein Crosstrainer frei. Ich mache meine übliche Runde, beneide all die Menschen mit Traumfiguren und eisernem Willen und bin bedrückt, weil ich selber es nie schaffe, regelmäßig hinzugehen und etwas für meinen Körper zu tun.

Zuhause springe ich in die Badewanne. Ich lasse mir unendlichst viel Zeit, schmiere sogar mal die Haarkur in meine Haare, obwohl ich mir sonst nie die paar Minuten dafür nehme und spiele mit Schaum und Seifenblasen wie eine vierjährige. Als ich fertig bin, spüre ich meinen Magen knurren und ich mache mir etwas zu essen. Es gibt einen Salat mit etwas Hühnchen und Reis. Beim Zubereiten tanze ich zu der schlechten Musik in den Charts und finde mein Leben ganz knorke.

Es ist schon spät, als ich gegessen habe und die Küche wieder auf Vordermann gebracht habe. Ich schalte kurz den Laptop ein und besuche meine täglich besuchten Seiten, dann klappe ich das gute Ding zu und lege mich ins Bett, um noch ein bisschen zu lesen. In einem Roman, nicht in einem Lehrbuch. Letztere liegen noch auf dem Boden und schauen mich vorwurfsvoll an. Naja, sage ich mir, morgen ist ja zum Glück auch noch ein Tag.

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