Persönliches · Sowas wie Liebe

It’s not so easy to carry on


Man sagt immer so schön ‚Je ne regrette rien‘ und bei einigen Menschen mag das vielleicht auch so stimmen, dass sie nichts in ihrem Leben bereuen und dass bestimmte Erfahrungen und Handlungen, sie zu dem Menschen gemacht haben, der sie heute sind und dass sie daraus gelernt hätten und auch ich habe schon oft leichtfertig ein ‚Je ne regrette rien‘ von mir gegeben, aber nicht, weil ich es tatsächlich so meinte, sondern viel eher deswegen, weil es so schön klingt und weil es so klingt, als wäre man mit sich selbst im Reinen und hätte sein Leben unter Kontrolle.

Ich bereue alles. Ich bereue, dass ich gerade eine Handvoll Smarties gegessen habe, ich bereue, dass ich mein Zimmer heute schon wieder nicht gestaubsaugt habe, ich bereue, dass ich heute zwar einiges für die Hausarbeit geschafft habe, aber eigentlich noch mehr hätte erreichen können. Das sind die kleinen Dinge, die Dinge, die heute geschehen sind und die ich hätte anders und besser machen können. Dann gibt es da noch die größeren Dinge, die ich bereue. Etwa, dass ich mich das erste Semester habe gehen lassen oder dass ich damals mit dem Leistungssport aufgehört habe und deswegen unsäglich zugenommen habe oder dass ich damals in der achten Klasse leichtsinnig meinen MP3-Player verloren habe, den ich gerade mal seit drei Tagen besessen hatte. Ich bereue, dass ich so oft bei McDonalds war und dass ich mein ganzes Erspartes damals für die Twilight-Saga ausgegeben habe, ich bereue, dass ich mir früher ultrahässliche Klamotten gekauft habe und ich bereue, dass ich so viel Süßkram und Chipszeug esse. Ich bereue, ich bereue, ich bereue, ständig und immerzu. Es macht mich fertig. An manchen Tagen kann ich ganz locker damit umgehen und es einfach abtun. Aber an anderen Tagen zieht es mich herunter, in ein gewaltiges, tiefes und dunkles Loch, in dem ich mich hilflos, einsam und allein fühle, und aus dem ich tagelang brauche, um wieder hervorzukriechen.

Eines der Dinge, die ich am meisten bereue? Die Tatsache, wie ich mit meinen ehemaligen Freundinnen umgegangen bin. Oh ja, ich weiß, ich rede und schreibe oft von ihnen und es nervt vermutlich schon all jene, die ab und an etwas von mir lesen, sei es hier auf meinem Blog oder auf Twitter oder Formspring. Aber es belastet mich soso sehr. Es macht mich unglücklich, traurig, verzweifelt. Ich sollte schon längst darüber hinweg sein, es ist schon fast ein Jahr (!) her und trotzdem fühlt es sich an, als wäre es gestern gewesen, mein Herz tut weh und auch wenn das vielleicht nach einer Ladung Kitsch und Herzschmerz klingt, so ist es doch die einzige Wahrheit. Ich denke jeden Tag daran, jeden einzelnen verdammten Tag. An manchen Tagen lässt es sich gut damit umgehen, es lässt sich sogar fast verdrängen, an anderen Tagen fällt es mir dann dafür umso schwerer und manchmal komme ich mir so vor wie Bella, die von Edward verlassen wurde und monatelang nur vor sich hin vegetierte, so fühle ich mich viel zu oft und auch wenn ich Bella damals als überempfindlich und sensibel bezeichnet habe, kann ich ihre Gefühle jetzt sogar verstehen, nur dass es bei mir kein Liebeskummer ist, sondern Freundschaftskummer, aber irgendwie ist das ja sogar noch schlimmer und immerhin wurde Bella nur von einer Person verlassen und Edward kam dann ja auch wieder, mich haben gleich drei Menschen aus ihrem Leben gestrichen und das endgültig.

‚Das Leben geht weiter‘, sagt man so schön und natürlich geht es weiter, jede Sekunde verstreicht eine Sekunde, jede Minute verstreicht eine Minute, aber egal, ob das Leben weitergeht oder nicht, in meinem Herzen ist etwas stehen geblieben, ein Stachel, ein Dorn, der tief ins Herz bohrt und niemand ist da, um diesen Stachel wieder herauszuziehen und so habe ich diesen Stachel im Herzen, mit der Hoffnung, dass das Leben irgendwann tatsächlich richtig weitergeht, aber nichts passiert. Es passiert einfach nichts und auch wenn das albern und lächerlich und komplett kindisch ist, so rutscht der Stachel jedesmal noch etwas tiefer ins Herz, wenn ich sehe, was sich die ehemaligen Freundinnen für sentimentale Dinge auf den Facebook-Pinnwänden hinterlassen. Ich gehöre nicht mehr dazu und das tut einfach unfassbar weh.

Was das schlimmste an all dem ist, vermag ich gar nicht genau zu sagen. Vielleicht, dass es keine zweite Chance für mich gab, obwohl die Fehler nicht nur auf meiner Seite lagen. Vielleicht, dass es keine Empathie für mich gab und ich einfach einen Tag vor meinem Französischabitur aus unserem engen Freundeskreis gekickt wurde, als würde es sich um das normalste der Welt handeln. Möglicherweise fiel es den dreien leicht, mich aus ihrem Leben zu streichen. Mir fällt das nicht leicht. Wie soll es mir auch leicht fallen, drei Menschen aus meinem Leben zu streichen, mit denen ich die wichtigsten und schönsten Erinnerungen in meiner Schulzeit erlebt habe? Wie soll es mir leicht fallen, drei Menschen aus meinem Leben zu streichen, mit denen ich über so vieles reden konnte, mit denen das reden so viel Spaß machte, mit denen alles so viel Spaß machte? Wie soll es mir leicht fallen, die Tränen zurückzuhalten, wenn ich nur daran denke, dass ich die einzige bin, die nicht darüber hinwegkommt, über eine Freundschaft, von der ich dachte, sie wäre wenigstens einigermaßen tiefgründig und innig und die sich dann offensichtlich nur als oberflächliche Oberstufenfreundschaft entpuppt, zu der ich hinterher keinen Zutritt mehr haben darf?

Keine Ahnung, wieso ich das hier überhaupt aufschreibe, aber ich brauche ein Ventil und mein Tagebuch ist langsam genervt von dem immer wiederkehrenden Gerede über Freundschaft, mit dem ich es belaste und es belastet mich ja auch, ständig daran zu denken, ich würde die Gedanken daran gerne einfach abschalten, aber es gibt leider keinen Off-Schalter für Gefühle, wenn sie da sind, sind sie da und sie tun weh, skrupellos und gemein, ohne Rücksicht auf meine emotionale Lage. Ich würde gerne darüber hinwegkommen, ich habe es auch versucht und ich habe auch eine neue Freundin gefunden, aber es ist nicht so wie früher, es ist wie mit Haustieren, die sterben und niemals durch ein neues Haustier ersetzt werden können, nur dass mein symbolisches Haustier hier glücklicherweise nicht gestorben ist, sondern einfach nur keinen Kontakt mehr zu mir haben möchte. Ich muss und sollte das akzeptieren. Aber ich frage mich, wie ich etwas akzeptieren soll, was sich in meinem Herzen so falsch anfühlt. Und ich frage mich, wie ich etwas akzeptieren soll, was sich seit fast einem Jahr nicht akzeptieren ließ.

Womöglich habe ich nichts anderes verdient, das weiß ich. Aber ich denke mir gleichzeitig immer wieder, dass niemand perfekt ist, dass jeder Mensch Fehler macht und Fehler gemacht hat und es tut einfach so weh, wenn man die einzige ist, die unter den gemachten Fehlern leiden muss, während alle dort weitermachen, wo sie aufgehört haben. Ich kann das nicht. Wahrscheinlich werde ich nie darüber hinwegkommen. Wahrscheinlich werde ich immer diesen Stachel in meinem Herzen tragen, wahrscheinlich steckt dieser ohnehin schon viel zu tief drin, als dass noch irgendetwas gerettet werden könnte. Wahrscheinlich werde ich einfach weiter in meinem Loch liegen, an alte Zeiten denken und traurig sein. Wahrscheinlich muss ich mich mit dem Schmerz abfinden und versuchen irgendwie damit klar zu kommen. An manchen Tagen gelingt mir das ja schon. Vielleicht gelingt es irgendwann für immer…

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3 Kommentare zu „It’s not so easy to carry on

  1. <3

    Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber ich möchte etwas sagen. Als ich deinen Eintrag gelesen habe, konnte ich spüren, wie du dich fühlen musst und das tut mir leid. Ich wünsche dir, dass….ja was? Dass alles besser wird? Dass alles wie früher wird? Dass du damit abschließt? Dass deine Freundinnen sehen, was sie mit dir verloren haben? Man kann so unendlich viel wünschen und als Außenstehende kann ich am wenigsten wissen, was dein Herz sich wünscht. Deswegen nur ein Wunsch: ich wünsche dir, dass der Schmerz im Herzen eines Tages abnimmt oder gar vollständig verschwindet. Denn diesen Schmerz hat niemand verdient <3

  2. Vor ein paar Jahren, als ich die Schule wechselte, ging es mir so ähnlich. Von scheinbar einem auf den anderen Tag haben sich alle meine Freundinnen gegen mich gewendet, ich stand alleine da. Ich muss aber zugeben, dass ich nicht ganz so unschuldig daran war, wie ich mir gerne einreden würde. Den größten Fehler, den ich gemacht habe, war, dass ich viel zu lange darüber nachgedacht habe, mich immer wieder an die wunderbaren Erinnerungen zurückgedacht habe – samt übelst bitterem Beigeschmack, versteht sich natürlich. Dabei habe ich mich stark zurückgezogen, sicher ein paar gestörte Verhaltensweisen bezüglich sozialen Situationen mitgenommen und ich habe haufenweise tolle Menschen, mit denen ich, davon bin ich im Nachhinein überzeugt, auch schöne Freundschaften aufbauen hätte können, an mir vorbeiziehen lassen.
    Ich will damit in gar keiner Weiser sagen, dass dir dasselbe geschehen wird. Schließlich war ich damals 14, habe nicht einmal annähernd gewusst, wer ich bin und war außerdem wahnsinnig schüchtern. Allerdings ist dies auch der einzige Ratschlag, den ich dir geben kann: Versuche, nach vorne zu blicken. Und noch im selben Moment, in dem ich das schreibe, ärgere ich mich, da ich leider nicht weiß, wie ich diesen Ratschlag umsetzen würde und ob dieser Ratschlag überhaupt umzusetzen ist. Ich konnte es ja schließlich damals auch nicht. Der Schmerz über die Freundschaften, die in Brüche gegangen sind, ist nie weggegangen, aber das Vergessen (und Verdrängen) ist über ihn gekommen, und er ist einer derjenigen, der mich in meinem Leben am meisten geprägt hat – ob ich eher froh oder traurig darüber bin, konnte ich bis jetzt noch immer nicht entscheiden. „Bittersweet“ – dieses Wort fällt mir dazu gerade ein, wobei ich, würde ich es jetzt aussprechen müssen, auf alle Fälle „bitter“ ein wenig mehr betonen. Es tut mir leid, das das alles gerade so negativ klingt, das wollte ich eigentlich überhaupt nicht. Die Wahrheit ist jedoch: Wenn ich mich zurück erinnere, verspüre ich noch immer recht viel Trauer und Bedauern, ABER ich denke nur noch ganz selten an meine alten Freundschaften zurück, ich habe Bekanntschaft mit dem Schleier des Vergessens, wie man so schön sagt, geschlossen. Irgendwie weiß ich schon, worauf das alles hinführt: „Es wird leichter, es wird besser, … bla bla bla.“ Dieser Worte wurden doch schon bestimmt tausend Mal gesagt, in allen verschiedenen Situationen. Aber erfahrungsgemäß helfen diese Worte nicht viel, denn in der Situation selbst können sie nicht wirklich etwas verändern. (Schon wieder ein Ratschlag, den ich mir an den Hut stecken könnte.)
    Zum Schluss, um meine miserablen Versuche eines Ratschlags vielleicht wieder gut zu machen, möchte ich dir noch sagen: Du bist, soweit ich dich durch deinen Blog, deinen Twitter- sowie Formspringaccount kennen lernen durfte, ein wunderbarer Mensch und du verdienst allemal Freunde, die dich zu schätzen wissen.

    1. Schrecklicher Rechtschreibfehler – ich versinke gerade im Boden. „Es tut mir Leid, dass (!!) das alles gerade so negativ klingt […]“ Dieser und alle weiteren Rechtschreibfehler, die ich bestimmt übersehen habe, sind eindeutig ein weiterer, wiederkehrender Beweis dafür, dass ich wieder mehr Zeit mit Lesen und Schreiben verbringen sollte. (Vielleicht würde ich dadurch auch ein wenig mehr Verständnis für den Aufbau von Texten erhalten und mich ein klein bisschen weniger konfus anhören.)

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