Bücher

Suzanne Collins: „Gregor“


Suzanne Collins kennen wir alle spätestens seit „Die Tribute von Panem“, was ich bis vor kurzem allerdings nicht wusste war, dass sie zuvor schon eine fünfteilige Kinderbuchreihe schrieb, über Gregor, den Krieger aus dem Überland, der durch einen Schacht in seinem Wäschekeller in die Unterwelt purzelt und dort die wildesten Abenteuer erleben darf. Die Ironie bei dem ganzen liegt für mich nur darin, dass diese Reihe schon seit einigen Jahren im Bücherregal meiner Schwester stand, ich damals sogar mitbekommen habe, wie sie die Bücher gelesen hat, ich aber keinerlei Rückschlüsse auf die Hungerspiele schloss, trotzdem ich mich genau erinnern kann, dass ich mich damals erkundigt hatte, wer die Bücher denn geschrieben hätte. Nun denn, besser zu spät als nie, sagte ich mir, als ich das Geheimnis um Suzanne Collins dann doch endlich einmal gelüftet hatte und mir die Zeit dafür nahm, Gregor auf seinen Unterlandreisen zu begleiten.

Die Reihe besteht aus fünf Teilen, die alle eng miteinander zusammenhängen, wie ich finde. Ich möchte jetzt keine kompletten Inhaltsangaben hier reinpfeffern, dazu gibt es ja auch Amazon oder Wikipedia, ich möchte euch nur gerne meinen Eindruck schildern und euch sagen, inwiefern ich es euch ans Herz legen würde.

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Inhalt: Gregor lebt mit seinen zwei kleinen Schwestern Boots und Lizzie in einer kleinen Wohnung in New York. Die Umstände für die Familie sind extrem schwer – seit sein Vater vor einigen Jahren spurlos verschwunden war, muss seine Mutter mehrere Jobs ausführen, um die Familie, die durch Gregors kranke Großmutter noch komplettiert wird, über Wasser zu halten. Der elfjährige Gregor nimmt dabei die Stelle eines Ersatzvaters ein, der sich um die Schwestern und den Haushalt kümmert. Als er eines Tages mit Boots in den Wäschekeller geht, um Wäsche zu waschen (logisch, wozu denn auch sonst), fallen die beiden durch einen Schacht, der von einer Waschmaschine nur halb verdeckt ist, in das Unterland. Dort stellt sich heraus, dass Gregor der lang ersehnte Krieger ist, der in mehreren Prophezeiungen der Stadt Regalia erwähnt wurde und diese letztendlich sogar vor dem Untergang retten soll. Gregor nimmt sein neues Schicksal zunächst nur widerwillig an, geht aber dann Band für Band immer mehr auf für das Unterland und kann sich sein Leben ohne seine neuen Freunde kaum noch vorstellen. In jedem Teil der Reihe erleben er, seine Schwester Boots und die Unterländer neue gewaltige Abenteuer, müssen lernen mit Verlusten umzugehen und kämpfen letztendlich im allesentscheidenden Krieg gegen die verhassten Nager.

Meinung: Vorneweg sei gesagt: Gregor ist ein Kinderbuch. Ich kenne die Altersangabe nicht genau, aber schon allein am Schreibstil und der Erzählweise merkt man, dass dieses Buch eher für Kinder zugeschnitten ist, ich schätze mal so ab 10 oder vielleicht doch eher 12 Jahren, da es von Zeit zu Zeit auch ziemlich blutig zugeht im Unterland. Ich muss zugeben, nachdem ich den ersten Band gelesen habe, war ich nicht sonderlich begeistert. Vielleicht lag es daran, dass ich mich nicht richtig auf dieses Kinderbuchgenre einlassen wollte aber die Sprache war mir einfach zu einfach, die Geschichte zu simpel, es war irgendwie…lahm. Trotz allem war immerhin schon genug meiner Neugierde geweckt, um mir sofort den zweiten Teil von meiner Schwester auszuleihen und weiterzulesen. Und zum Glück wurde es besser. Viel besser sogar. Die Sprache war immer noch einfach, die Geschichte wurde zwar nicht extrem komplex, aber immerhin doch so, dass es einen auch fesselte und die Eigenschaften der Charaktere begannen sich viel besser herauzukristallisieren und eine bestimmte Form anzunehmen. Nichtsdestotrotz möchte ich aber dem noch hinzufügen, dass Gregor trotz des eher kindlichen Schreibstils kein typisches Kinderbuch ist. Es geht nicht um Friede Freude Eierkuchen, es geht um die Unterwelt, die kurz vor dem Zerbrechen ist durch Verrat, Kriege und nicht zuletzt auch durch zahlreiche Todesfälle. An einigen Stellen scheint das Buch wirklich brutal zu sein und das nicht nur zu den Fieslingen, sondern auch zu den Figuren, die man während des Lesens in sein Herz geschlossen hat.

Was ich besonders mag an der doch etwas düsteren Saga ist die Tatsache, dass man viele Dinge, die geschehen, nicht wirklich vorhersehen oder ahnen kann. Diese Bücher haben mich immer wieder überrascht, weil immer wieder etwas vorkam, mit dem ich absolut nicht gerechnet hatte. Für mich ist das immer ein sehr wichtiger Punkt, weil ich leider schon viel zu oft Bücher gelesen habe, bei denen das Gegenteil der Fall war und man schon ab der ersten Seite wusste, wie es denn nun ausgehen wird. „Gregor“ ist da anders, ganz anders, und das ist vor allem einer der Gründe, wieso ich sagen würde, dass auch Jugendliche und Erwachsene beim Lesen der Bücher auf ihre Kosten kommen könnten. Außerdem erwähnenswert ist die Entwicklung der Figuren. Gregor war ja selbst noch ein Kind, als er das erste Mal ins Unterland fiel und die Bewohner vor den Bedrohungen retten sollte, trotzdem sieht man, wie er sich von Band zu Band weiterentwickelt, erwachsener wird, das Kindsein aber dennoch nie vollständig ablegt. Auch Luxa, die junge Königin des Unterlandes, macht eine beeindruckende Entwicklung durch, was mir positiv aufgefallen ist – nichts ist schlimmer, als ständig gleichbleibende Charaktere, die immer wieder dieselben Fehler machen, weil sie einfach nicht dazulernen wollen.

Alles in allem finde ich, dass die Bücher durchaus auch phänomenalen Lesestoff für Jugendliche und ältere Menschen bieten. Die „Gregor“-Reihe lässt sich gut weglesen, hält die Spannung bis zur allerletzten Seite aufrecht und entführt seine Leser in eine Welt voller Geheimnisse und unbekannter Wesen, in eine Welt, in der die unterschiedlichsten Gestalten miteinander Freundschaft oder Feinschaft schließen und in der es darum geht, an einem Strang zu ziehen, um seine Freunde zu retten. Allen, die Lust auf ein etwas anderes Fantasy-Buch haben, würde ich „Gregor“ ohne zu Zögern ans Herz legen.

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