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Robin Brande: „Fat Cat“



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Inhalt: Catherine ist witzig, schlau und hat ein großes Herz – dünn ist sie allerdings nicht. Schokoriegel sind ihre Seelentröster und Chips die beste Gesellschaft beim Fernsehen. Das ändert sich schlagartig, als sie im Rahmen eines Schulwettbewerbes ein wissenschaftliches Experiment an sich selbst vornimmt: Sieben Monate lang will sie das Leben eines frühzeitlichen Homo erectus führen. Das heißt: keine industriell vorgefertigten Lebensmittel, kein Fernsehen, Kino oder Telefon. Doch Cat will nicht nur sich selbst beweisen, dass sie es schafft, sondern auch einem ganz speziellen Jungen…

Meinung: Zugegeben, „Fat Cat“ ist kein Buch, das irgendwelche bahnbrechenden Weisheiten enthält oder eine komplett neue, noch nie gelesene Story erzählt, aber das Buch stand trotzdem schon seit längerem auf meiner Wunschliste und ich war mehr als aufgeregt, als ich es endlich in den Händen hielt und binnen einen Tages ausgelesen habe. Die Story ist recht simpel: Dickes Mädchen, große Enttäuschung mit Liebe, muss anhand eines Bildes ein Projektthema für 7 Monate wählen, entscheidet sich für das Leben eines Homo erectus, kämpft die ersten Tage extrem mit den Bedingungen ihres Projekts, wird dann immer glücklicher, die Sache mit der Liebe läuft trotzdem nicht so goldig, zum Schluss klärt sich aber glücklicherweise alles auf, Punkt.

Nichtsdestotrotz finde ich, dass das Buch eine Botschaft auf jeden Fall sehr gut vermittelt hat – Gewichtsprobleme bei Jugendlichen sind ja stets ein schwieriges Thema, bei dem man schnell im Tonfall danebengreifen und den Lesern eine falsche bzw. unpädagogische Botschaft vermitteln kann. „Fat Cat“ tut das nicht. Die Protagonistin Cat verliert ihre überflüssigen Pfunde nicht dadurch, dass sie einfach gar nichts mehr isst, sondern dadurch, dass sie industriell vorgefertigte Nahrungsmittel wie Chips, Schokolade und Softdrinks durch vollwertige Nahrung ersetzt. Das führte bei mir unweigerlich dazu, meine eigenen Essensgewohnheiten zu überdenken und in gewisser Weise zu hinterfragen. Klar, es ist für mich kein Geheimnis, dass Lebensmittel, umso ungesünder sind, je öfter sie behandelt und durch künstliche Zusatzstoffe ergänzt wurden. Aber leider verstecke ich solche durchaus vernünftigen Gedanken gerne in den hintersten Winkel meines Gehirn, wenn ich es mir wieder einmal mit einer Tüte Nachos vor dem Fernseher gemütlich gemacht habe. Robin Brande hat mir durch „Fat Cat“ aber immer wieder bewusst gemacht, wie ‚falsch‘ wir heute leben, wie sehr wir von dem abweichen, was eigentlich gut für uns ist. Ich glaube nicht, dass ich mein Leben jetzt auf einmal komplett umkrempeln werde und ein ähnliches Projekt wie Catherine starten werde (obwohl es mir, um ehrlich zu sein, irgendwie schon in den Fingerspitzen juckt), aber ich glaube trotzdem, dass ich die Botschaft, die ich aus diesem Buch ziehen durfte, noch mehr verinnerlichen und in meinem Leben berücksichtigen werde.

Neben ihrem Gewichtsproblem, hat Catherine aber auch noch mit anderen Schwierigkeiten zu tun – wie soll es auch anders sein, spielt auch ein Junge eine tragende Rolle. Dieser Handlungsstrang hat mir allerdings weniger gut gefallen, es war zu sehr die typische Jugendbuchmasche, die hier ausgefahren wurde, es war einfach von der ersten Sekunde an zu vorhersehbar und diese Vorhersehbarkeit hat sich im Laufe des Romans auch immer wieder bestätigt, was mich irgendwo enttäuschte.

Catherine ist ein Charakter, der mir enorm gut gefallen hat. Sie ist intelligent und witzig, hat vielseitige Interessen und immer einen guten Spruch auf Lager. Dennoch spürt man vor allem im ersten Drittel des Buches, wie unzufrieden sie mit sich und ihrem Leben ist. Sie hat zwar ihre beste Freundin Amanda, mit der sie so gut wie alles teilt und deren Freundschaft ich über das Buch hinweg auch sehr beneidet habe, aber Amanda ist glücklich vergeben und auch wenn Cat meint, dass es sie nicht stört und dass sie niemals so etwas wie Liebe für einen Jungen empfinden kann und möchte und kein Problem damit hat, für den Rest ihres Lebens allein zu sein, merkt man doch, dass es ihr irgendwie zu schaffen macht, Amanda und ihren Freund ständig so glücklich zu sehen. Auch wenn Cat selbst viel zu stolz wäre, um sich das auch wirklich einzugestehen.

„Fat Cat“ ist ein Buch, das Jugendlichen das Thema (Über-)Gewicht auf eine sehr ironische und gesunde Art und Weise näher bringt. Durch Catherines Kochkünste erfährt der Leser ständig von neuen Kreationen, die sie in ihrer heimischen Küche ausprobiert hat und die man am liebsten sofort nachkochen oder backen würde (wenn man nur die Zeit dafür hätte). Wer auf der Suche nach einem etwas anderen Jugendbuch ist, wird bei „Fat Cat“ sofort fündig, es lässt sich locker leicht weglesen, hat viele Lacher parat („Ich fühlte mich wie Aschenputtel, nur dass ich nicht die Herrschaft über meine Schuhe sondern über meinen Busen verloren hatte.“) und macht richtig Spaß zu lesen.

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