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Cassandra Clare: „Chroniken der Unterwelt #01 – City of Bones“



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Inhalt: Gut aussehend, düster und sexy. Das ist Jace.
Verwirrt, verletzlich und vollkommen ahnungslos.So fühlt sich Clary, als sie in Jaces Welt hineingezogen wird. Was Clary nicht ahnt: Jace ist ein Dämonenjäger. Und als Clary mitten in New York City von den Kreaturen der Unterwelt angegriffen wird, muss sie schleunigst ein paar Antworten auf ihre Fragen finden. Denn sonst wird die Geschichte ein tödliches Ende nehmen!

Meinung: Meistens ist es ja so, dass ich, wenn ich hier auf meinem Blog ein Buch rezensiere, nur am schwärmen bin und mit der Lobhudelei nicht mehr aufhören kann. Bei „City of Bones“ ist das (leider?) ein bisschen anders. Ich fand das Buch nicht schlecht. Aber ich fand es auch nicht gut. Vielleicht bin ich einfach doch schon zu alt für so manches Jugendbuch, aber die Geschichte hinter dem ersten Teil der Unterweltchroniken konnte mich (noch) nicht so recht fesseln. Im Folgenden möchte ich einige meiner Kritikpunkte anbringen – wer das Buch noch nicht gelesen hat, es aber noch vorhat, sollte diesen Blogeintrag möglicherweise lieber vermeiden, ich glaube nämlich, dass es sich nicht verhindern lassen wird, dass ich ein wenig herumspoiler und ich möchte ja niemandem die (Vor-)Freude auf das Buch nehmen.

*** ACHTUNG SPOILER ***

Im Vordergrund steht Clarissa Fray, die aber lieber Clary genannt werden möchte. Hier war schon mein erstes Problem: Ich hasste diesen Namen. Nicht nur, dass es der Name der Autorin ist, auch diese Abürzung ‚Clary‘ fand ich einfach nur fürchterlich, aber naja, das ist ja alles noch Geschmackssache. Clary ist ein Mädchen, bei dem ich oft das Gefühl hatte, dass sie sich selbst etwas zu wichtig nahm und außerdem ein bisschen hohl in der Birne ist. Sie verliert ihre Mutter, macht aber keine ernsthaften Bemühungen, um sie wiederzufinden. Die Existenz ihres besten Freundes Simon, den sie seit ihrer Kindheit kennt, vergisst sie ebenfalls ziemlich oft, insbesondere dann, wenn sie mit dem vor Klischees triefenden Jace unterwegs ist. Jace ist attraktiv, gutaussehend, selbstverliebt und scheinbar ohne jede Schwäche. Doch was wäre ein Held ohne wenigstens eine Charakterschwäche? Richtig, gar nichts. Deswegen hat Jace auch noch immer an seiner furchtbaren und tragischen Kindheit zu knabbern, insbesondere der Verlust seines Vaters, bei dem er selbst dabei gewesen war, machen ihm fürchterlich zu schaffen und offenbaren eine verletzliche Seite an ihm. Um das Elend perfekt zu machen und das Liebesdreieck, das offensichtlicher kaum sein könnte, zu vervollständigen, gibt es dann noch Simon, den bebrillten und intelligenten besten Freund von Clary, der absolut und total in sie verknallt ist, was sie aber natürlich nicht bemerkt, denn oh mein Gott, wie könnte er sich nur in sie verknallen. Ich muss jedoch sagen, dass mir Simon von all den Charakteren, die während des Buches auftauchten, noch am sympathischsten war, er war zumindestens, im Gegensatz zu allen anderen, bodenständig und außerdem irgendwie auch knuffelig.

Natürlich geht es in dem Fantasy-Roman nicht nur um die Liebesgeschichte (auch wenn sie für mich persönlich einen zu großen Raum einnimmt und bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Subtext mitschwingt), nein, vor allem geht es darum, dass Clarys Mutter verschwindet und Clary sie eigentlich wiederfinden möchte, sich aber auf den Weg dorthin ständig ablenken lässt, herausfindet, dass sie, genauso wie Jace und seine Freunde, die Geschwister Alec und Isabelle, eine Schattenjägerin ist, ihre Mutter dieses ‚zweite Gesicht‘ aber alle zwei Jahre auslöschen ließ, um Clary ein unbeschwertes Leben zu ermöglichen.

Die Geschichte spielt in New York, allerdings ist es nicht das normale New York, wie man es halt so kennt, sondern verbunden mit einer parallelen Unterwelt und bewohnt durch zahlreiche mythische Geschöpfe, die aber nur von denen gesehen werden können, die Dämonenjäger sind. Was mich besonders amüsierte war, dass sich die Vampire und die Werwölfe gegenseitig hassten, was mich ein bisschen an Twilight erinnerte. Natürlich kommt eine solche Welt auch nicht ohne absoluten Bösewicht aus – in diesem Fall heißt der Fiesling Valentin und hat zwanzigmal seinen Tod vorgetäuscht, nur um dann ganz überraschend doch wieder zu leben und seine niederträchtigen Pläne durchzuziehen. Keine Ahnung wieso, aber ich konnte Valentin nicht so wirklich ernst nehmen und hatte die ganze Zeit  beim Lesen das Bild von einem kleinen dicken Mann im Kopf, der wütend mit dem Fuß aufstampft, weil er seinen Willen nicht bekommt.

Eine kleine Kritik muss ich auch noch am Schreibstil lassen. Ich bin eine anspruchslose Leserin, eine wirklich anspruchslose Leserin. Cassandra Clare schreibt auch nicht direkt schlecht, aber an manchen Stellen dachte ich mir einfach nur „Hallooooo?!“. In den unpassendsten „Kampfszenen“ hielt man sich natürlich erst einmal stundenlang daran auf, wie schön Jace‘ Augen schimmerten und wie herrlich weich sein Haar doch aussah. Clary fand sich mit ihren kindischen pseudosarkastischen und vermeintlich lustigen Antworten wie die allercoolste und überhaupt gingen mir die Dialoge manchmal einfach nur auf den Zeiger, weil sie entweder so sinnlos waren oder irgendwie amüsant wirken sollten, es aber einfach nicht waren. Am meisten nervten mich aber tatsächlich die elendigen Personenbeschreibungen, denn alle waren ja immer so gutaussehend und sexy und anmutig und attraktiv und sahen einfach nur umwerfend aus, blablabla.

Zuletzt möchte ich noch etwas anprangern, was mir bereits beim Lesen aufgefallen war, was mir aber bei anschließender ‚Recherche‘ noch mehr vor Augen geführt wurde: Das Buch basierte kaum auf eigenen Ideen. Natürlich lassen sich Autoren auch von anderen Werken inspirieren, aber an manchen Stellen wirkte das Buch tatsächlich wie ein komplettes Plagiat. ‚Mundi‘ und ‚Muggle‘, gutmütige und liebenswerte Männer, die in ihrer Kindheit von Werwölfen gebissen wurden und seitdem ihr Leben mit dieser Last fristen müssen, ein Bösewicht, der totgeglaubt wurde, aber eigentlich doch gar nicht tot ist undundund, ich könnte noch ein bisschen so weitermachen, möchte der Autorin aber auch nicht zu viel unterstellen – auffällig sind die Gemeinsamkeiten aber dennoch allemal.

War denn überhaupt etwas gut an dem Buch? Mjoah. Ganz in den Boden reden möchte ich den Roman keinesfalls, er bot eine ganz gute Unterhaltung, auch wenn mich Clarys Blödheit manchmal aufbrachte und ich bei der 238247. Beschreibung von Outfits und Gesichtsausdrücken doch schon etwas angenervt war, aber es las sich im großen und ganzen ganz gut weg. Das Ende war einigermaßen überraschend und ich habe schon Lust, auch die darauffolgenden Teile zu lesen, aber es ist jetzt keine brennende „ohmeingott, ich muss unbedingt wissen wie es weitergeht, sonst sterbe ich“-Neugierde sondern eine „achja, wär‘ scho ganz nett zu wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und ob es womöglich nochmal besser wird“-Neugierde.

Die „City of Bones“-Reihe von Cassandra Clare hat unheimlich gute Kritiken und kam bei vielen jugendlichen Lesern total gut an. Ich würde den ersten Band, trotz all der Kritikpunkte, die ich aufgezählt habe, an jene Lesefreudigen weiterempfehlen, die gerne Fantasy-Romane lesen und sich auch mit Überhandnehmenden Liebesgeschichten anfreunden können. Von mir gibt es für das Buch 2,5 von 5 Sternen, was alles in allem noch eine recht gute Wertung ist, finde ich.

Habt ihr das Buch schon gelesen und wenn ja, könnt ihr meine Negativkritik nachvollziehen? Was hat euch am besten an dem Buch gefallen/genervt? Ich würde gerne noch weitere Standpunkte dazu hören, weil ich immer noch das Gefühl habe, mir keine abschließende Meinung zu „City of Bones“ gebildet zu haben, vielleicht kann der ein oder andere mich ja sogar noch zu einer postiveren Meinung überzeugen.

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Ein Kommentar zu „Cassandra Clare: „Chroniken der Unterwelt #01 – City of Bones“

  1. Ich habe das Buch nicht gelesen und schon vor deiner kritik wusste ich, dass ich es nicht tun werde. Leider geht es mir mit Jugendbüchern schon länger so, dass die mich nicht ansprechen. Als ich den Filmtrailer sah und später mal die Handlung des Buches nachgelesen habe, kam mir das schon so 0815 vor. Viele Jugendbücher aus dem Fantasy-Sektor kommen mir in letzter Zeit so vor, als würde die zu wenig neue Motive mitbringen. :-/ Oder ich werd halt alt XD haha

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