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„The Bling Ring“ [Film ab(c)!]


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Etwa 50% der Filme, die ich so sehe, schaue ich nur, weil dort bestimmte Schauspieler mitwirken, die mir gefallen, 40% sehe ich, weil es Buchadaptionen sind und 10% sehe ich, weil sie enorm hochgelobt worden sind und sie angeblich ein absolutes ‚must-see‘ für die gesamte Menschheit sind. „The Bling Ring“ zählt jedoch eindeutig zu der ersten Kategorie, warum werde ich euch wohl kaum näher erläutern müssen, denn tief in unserem Inneren sind wir doch alle heimlich in Emma Watson verknallt und ich für meinen Teil würde mir sogar, vollkommen untypisch für mich, einen Actionfilm ansehen, wenn sie denn dort mitspielen würde.

Inhalt: Im Mittelpunkt der Handlung stehen fünf gelangweilte Teenager, Rebecca, Marc, Nicki, Sam und Chloe, die nach dem Lifestyle der Reichen und Schönen streben und die deswegen damit beginnen, in Hollywoods schönsten Villen einzubrechen. Vollkommen berauscht von ihrer eigenen Coolness, stellen sie in soziale Netzwerke Bilder von sich hoch, auf denen sie ihr neues Leben zelebrieren, Kleidung und Schmuck der Opfer tragen und mit den Dollarnoten nur so um sich schmeißen. Dass das nicht lange gut gehen würde, ist irgendwie absehbar, zumal die fünf auch noch lautstark herumtönen, dass sie ja schon das achte Mal in Paris‘ Villa waren, und so überrascht es kaum jemanden, als die Teenager von der Polizei aufgegriffen und vor Gericht geführt wurden.

Meinung: Während des Films herrschte eine unglaublich gute Atmosphäre, die durch den fabelhaften Soundtrack noch unterstrichen wurde. Ich hatte erst ein bisschen Angst, dass „The Bling Ring“ so fad werden würde wie „Spring Breakers“, aber schon bereits zu Beginn des Filmes merkte ich, dass meine Sorge unbegründet war. Die Jugendlichen scheinen zunächst eigentlich ganz gewöhnliche Teenies zu sein – Chloe, das reiche, schöne, unnahbare Mädchen, Nikki und Sam (Nikkis Adoptivschwester), die von der Mutter Zuhause unterrichtet und als spirituelle Wesen großgezogen werden, abends aber dieser Welt entfliehen und in den Clubs von L.A. eskalieren, Marc, ein unsicherer Junge, der nichts anderes möchte als Aufmerksamkeit und Anerkennung und Rebecca, die, wenn man es so sagen kann, ‚Anführerin‘ der Raubzüge, die alles dafür tun würde, um ein Leben wie Lindsay Lohan und Paris Hilton führen zu können.

Was aus Langeweile beginnt, wird schnell Gewohnheit. Man könnte fast meinen, die Promis sprechen eine Einladung an alle Diebe aus, so einfach ließen sich die Adressen der Traumvillen finden. Das Diebesgut behalten die fünf entweder selber oder sie verkaufen es, um sich ihre lauten und exzessiven Partys zu finanzieren, auf denen sie sich meist selbst wie Promis fühlen und völlig berauscht von Drogen und ihrem neuen Luxusleben sind. „The Bling Ring“ ist in gewisser Weise das Spiegelbild der Oberflächlichkeit, des Konsumwahns, des Materialismus, der Skurpellosigkeit und der Morallosigkeit. Der Schein zählt mehr als das tatsächliche Sein und so verwundert es niemanden, dass de Jugendlichen den neuen Luxus auch mit anderen ‚teilen‘ wollen, ‚teilen‘ in dem Sinne, dass alle anderen sehen sollen, wie reich sie sind und wie lässig sie in die Celebritie-Villen eingedrungen sind.

Was mir an dem Film gut aber gleichzeitig auch gar nicht gefallen hat, war, dass es sich fast ausnahmslos um die Einbrüche drehte. Natürlich war das der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte, aber zum Teil folgte Einbruch auf Einbruch und es fühlte sich an wie ein elendiger redundanter Teufelskreis aus Klamotten, GlitzerGlitzer und BlingBling, es wiederholte sich einfach immerzu und es kam nicht viel neues dazu. Dass der Film auf einer wahren Begebenheit beruht, finde ich irgendwo faszinierend, andererseits aber auch erschreckend, weil ich es nie für möglich gehalten hätte, dass es für Normalsterbliche so einfach ist, in Hollywood einzubrechen. Erschreckend finde ich in der Hinsicht auch die Tatsache, dass die Jugendlichen auch im Originalfall alles auf Facebook posteten und den Polizisten somit quasi die Eintrittskarte zur Festnahme überreichten – ich meine wenn man schon irgendwo einbricht, dann postet man doch nicht hinterher Bilder, auf denen man gut sichtbar mit dem Diebesgut und mehreren hundert Dollar zu sehen ist auf soziale Netzwerke…

Regisseurin dieses Werkes ist Sofia Coppola – ich persönlich verstehe ja recht wenig von Regisseuren und kenne mich da so ungefähr null aus, aber die gute Frau ist selbst mir ein Name. Ihre Filme haben irgendwie stets einen ganz außergewöhnlichen Flair, eine nüchterne Erzählweise. Es wird nicht wirklich nach Gründen gesucht und analysiert, wieso die Teenager sich denn jetzt so verhalten, wie sie es tun, es wird kein Urteil darüber gefällt, wie die Jugendlichen sich verhalten haben, stattdessen wird das Ganze einfach aus der Distanz und ohne positive oder negative Wertung gezeigt. Absurd war lediglich Nikki, die ihre Mietgliedschaft in der Gruppe damit begründete, dass diese Situation von ihrem Schicksal angezogen wurde, um einen besseren Menschen aus ihr machen zu können und sie aus diesem Fehler lernen zu lassen. Noch absurder wurde es nach der Verhandlung, als sie sagte, dass Angelina Jolie ihr größtes Vorbild sei und ihr einziges Ziel der Frieden auf der Welt ist und sie sich später als Leitfigur sehen würde, als Botschafterin für das Gute quasi.

„The Bling Ring“ geht gerade mal 90 Minuten, ich hätte ihn mir gerne noch länger gewünscht. Vor allem hätte ich es mir gewünscht, von allen Beteiligten nochmal ein Statement dazu zu hören und was mich auch interessiert hätte, wäre zum Schluss noch einmal eine kurze Zusammenfassung darüber, was mit den Jugendlichen, die tatsächlich wegen dieser Einbrüche verhaftet wurden, danach geschehen ist. Nichtsdestotrotz mochte ich „The Bling Ring“ auf eine verrückte Art, vielleicht, weil es den Ruhm und den Luxus so beneidenswert glamourös darstellt, dass es einem fast unter den Fingern juckt durch die Kinoleinwand zu steigen und auch mal Paris Hiltons schönsten Sonnenbrillen aufzusetzen oder ihre Louboutins anzuziehen. Der Film schafft eine unglaublich beeindruckende Atmosphäre, sowohl visuell als auch akustisch und wirft einen ganz anderen Blickwinkel auf den Mode- und Schönheitswahnsinn von Jugendlichen, auf den Drang, am Leben der Stars teilzunehmen und sich wenigstens für kurze Zeit auch einmal reich und besonders zu fühlen.

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Ein Kommentar zu „„The Bling Ring“ [Film ab(c)!]

  1. Tolle Kritik. Habe ja leider bisher mehr negatives als positives über den Film gehört und bin froh, auch mal eine andere Sicht gelesen zu haben. Emma Watson finde ich als Schauspielerin wirklich toll und freue mich immer wieder, sie in einer anderen Rolle als Hermine zu sehe, weshalb The Bling Ring nun mal auch noch auf meiner Must-See-Liste steht. Ob ich es ins Kino schaffe, da bin ich mir nicht sicher, aber wenn nicht, werde ich mal nach der Dvd Ausschau halten.

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