Bücher

Jojo Moyes: „Eine Handvoll Worte“


Ich weiß noch, wie verwirrt, begeistert und gerührt ich war, nachdem ich „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes gelesen habe. Ich hatte es innerhalb von 24 Stunden durch, es beschäftigte mich aber mindestens noch 24 Tage, weil es irgendetwas in mir durcheinander geworfen hatte, mich zum Nachdenken gebracht hat und mich überlegen ließ, wie ich mit so einer Situation umgehen würde, wie meine Familie damit umgehen würde. Jojo Moyes hatte mit ihrem Debütroman etwas geschafft, was bisher kaum ein Autor/eine Autorin zuvor geschafft hatte und so ging ich wie selbstverständlich davon aus, dass auch „Eine Handvoll Worte“ mich so mitnehmen und bewegen würde. Weit gefehlt? So weit würde ich nun auch nicht gehen, nichtsdestotrotz muss ich ehrlich gestehen, dass ich mir etwas mehr von dem Buch erhofft hatte, als mir letztendlich geboten wurde._DSC1843

Inhalt: Die Journalistin Ellie durchforstet ihr Zeitungsarchiv nach einer Geschichte – und findet einen Liebesbrief aus den Sechzigerjahren: Ein Mann bittet seine Liebste, ihren Ehemann zu verlassen und mit ihm zu fliehen. Ohne recht zu wissen, warum sie so fasziniert ist, stellt Ellie erste Nachforschungen an. Wer hat diesen Brief geschrieben? Wer war die Frau, an die er sich richtete? Und was ist aus den beiden Liebenden geworden? Bald schon spürt sie, wie sie selbst immer mehr in das Netz aus Leidenschaft, Ehebruch und Verlust hineingezogen wird…

Meinung: Die positiven Dinge zuerst: Ich mochte das Cover sehr gerne. Ich mochte den Schreibstil sehr gerne. Ich mochte die Beschreibung, die Eigenarten der Charaktere sehr gerne. Ich mochte die Geschichte an sich sehr gerne. Das negative: Es war einfach nichts neues. Jede einzelne Zeile des Buches war irgendwie schon einmal da gewesen und irgendwie fühlte sich der Roman zwischenzeitlich einfach nur wie ein Abklatsch anderer Bücher an, ein Hybrid aus verschiedenen Liebesromanen von verschiedenen Autoren, nichts überraschendes, nichts überwältigendes, nicht, von dem man nicht schon einmal gelesen oder gehört hätte. Ich wartete das ganze Buch über auf DEN Überraschungsmoment, den Moment, an dem die Autorin aus dem Altbewährten irgendwie ausbrechen würde, aber ich wartete vergeblich. Ich klappte es zum Schluss ziemlich enttäuscht und mit einem bitteren Nachgeschmack im Mund zu.

Das mag vielleicht überspitzt und übertrieben formuliert sein, aber die gesamte Geschichte erinnerte mich einfach nur an eine moderne Anna Karenina, die Liebesbeziehungen erinnerten mich an die in „Für immer vielleicht“, die Dramen hatten etwas von „Romeo und Julia“. Außerdem fand ich auch die Aufteilung etwas ungeschickt. Das Buch erzählt parallel zwei verschiedene Geschichten, die miteinander verwoben werden sollten, jedenfalls hätten sie es meiner Meinung nach sein müssen, allerdings kriegen wir eine kurze Einleitung der einen Geschichte, dann folgt der Batzen der anderen Geschichte, im Anschluss daran wieder die erste Geschichte, dann aber immerhin auch ein klitzekleines bisschen verwoben mit der zweiten Geschichte. Das hätte Jojo Moyes sicherlich besser (und vor allen Dingen auch spannender) hinbekommen können, indem sie die zeitlichen Ebenen nicht getrennt sondern vielmehr miteinander verknüpft hätte. Zumindest ich hätte das so gemacht und das hätte dem ganzen Buch meinem Empfinden nach auch eine viel bessere Atmosphäre gegeben.

Doch ich mag nicht nur meckern (auch wenn ich mir wirklich mehr erhofft hatte und meiner Enttäuschung darüber irgendwie Luft machen möchte), denn all das heißt ja nicht zwingend, dass das Buch schlecht war. Es war nicht schlecht, die Geschichte war sogar recht schön, wenn man einmal kurz vergisst, dass es solche Geschichten schon drölfzigmillionenmal gab. Jojo Moyes versteht es auch fantastisch, kunstvoll mit Sprache umzugehen, einfache Sätze zu schaffen und dennoch einen unvergleichlich lässigen und fesselnden Ton zu treffen, der es einem schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen. Die ersten hundert Seiten kam ich zwar nur schleppend hinein, danach ging es aber richtig schnell (was vielleicht auch daran gelegen haben könnte, dass ich dann Wochenende und somit mehr Lesezeit hatte). Ich kann auch absolut nicht sagen, dass mir das Buch ganz und gar nicht gefallen hätte, denn so war es auch nicht, es war vielmehr so, dass ich von etwas geträumt hatte, das wunderbar und noch besser als „Ein ganzes halbes Jahr“ sein würde, was sich aber letztendlich als eher durchschnittlich entpuppte, kurzzeitige Befriedigung schaffte, aber keine nachhaltige Wirkung auf mich erzielte.

Diese Rezension soll hier um Gottes Willen niemanden davon abhalten, das Buch zu lesen. Es ist durchaus wert, gelesen zu werden, weil es, wie ich bereits gesagt habe, nicht per se schlecht oder grauenvoll oder unmöglich ist. Ich möchte nur all jene warnen, die nach „Ein ganzes halbes Jahr“ vielleicht einen ebenso hohen Maßstab wie ich angesetzt haben und die möglicherweise enttäuscht sein könnten, weil das Buch nicht ganz auf demselben Niveau liegt, wie ersteres. Wobei auch das jeder anders empfinden kann und wird – vermutlich bin ich sogar mal wieder die einzige, die etwas zu meckern hat und sich nicht zufrieden geben kann, jeder andere wird wahrscheinlich hellauf begeistert von „Eine Handvoll Worte“ sein.

Wie geht es euch? Habt ihr das Buch schon gelesen? Hat es euch besser/schlechter/genauso gut gefallen wie „Ein ganzes halbes Jahr“? Oder findet ihr sogar, dass man Bücher von demselben Autor nicht miteinander vergleichen sollte? Ich bin gespannt, was ihr davon haltet.

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3 Kommentare zu „Jojo Moyes: „Eine Handvoll Worte“

  1. Ich höre es gerade als Hörbuch und bisher finde ich die Figuren sympathischer als die aus „Ein ganzes halbes Jahr“. Junge Frauen, die ihren Hintern nicht hochbekommen und verbitterte Egozentriker sind nicht so mein Ding ;) Aber natürlich war das ein tolles Buch mit einer guten Grundidee. Ich habe aber auch keine großen Erwartungen an das Nachfolgebuch nach DEM Debüterfolg. Grundsätzlich ist das zweite Buch ja eher durchschnittlich, weil man versucht noch schnell schnell auf der Erfolgswelle des Erstlings den Nachfolger in die Bestsellerlisten zu schwemmen. Darum war zu erwarten, dass das Buch nur eine mittelmäßige Story enthält.
    Mich spricht aber das 60er Setting und die Frau, die sich langsam von ihrem Mann emanzipiert (in einer Zeit, in der das wirklich noch schwerer war) durchaus an. Aber du hast schon recht: Nett geschriebene Durchschnittsidee (mit konzeptionellen Schwächen bei den Zeitebenen). Die Autorin wird nun in ihren kommenden Werken zeigen müssen, ob sie kreativer sein kann oder ob sie doch nur eine Eintagsfliege war.
    Grüße,
    Mareike

  2. Hallo liebe Liesa. Ich gehe jetzt ganz unverschämt nicht auf den eigentlich Inhalt deines Posts ein – verzeih mir – aber dafür habe ich etwas anderes, einen kleinen Hinweis um genau zu sein. Ich bin vor einiger Zeit auf ein Bild gestoßen, das eine unglaublich süße Idee abbildet, die mit Büchern zu tun hat. Zu sehen ist ein Bastkorb mit ganz vielen Büchern, die in beiges Papier und Schleifenband gewickelt sind, geschenkartig also. Und auf dem Papier stehen zu jedem Buch bloß einige Stichworte, viel weniger eigentlich, als ein Klappentext wiedergeben würde. Darüber hängt das Schild: „Try a blind date with a book!“ Und das fand ich total cool, da würde man sich so gesehen selbst eine kleine Überraschung machen. Da habe ich mir gedacht, dass das bestimmt etwas wäre, worüber du vielleicht gerne posten würdest, indem du dann erzählst, ob du es gemacht hast / gerne machen würdest / nicht ausprobieren wollen würdest und wenn ersteres zutrifft, wie du es fandest.
    (http://25.media.tumblr.com/3489d3160611ea47b7cac85691411ffa/tumblr_mpjre7XjxU1qmlpyxo1_500.jpg)

    Liebe Grüße!

    1. Hallo Seraphina, vielen lieben Dank für diesen wunderbaren Hinweis, ich bin gerade ziemlich hin und weg, weil ich finde, dass das eine verdammt geniale Idee ist! Ich müsste mir wirklich mal überlegen, wie sich so etwas umsetzen lassen könnte, ich glaube, dass wäre mal ein richtig großartiges Experiment! Ich danke dir, dass du mich darauf hingewiesen hast, ich werde definitiv versuchen, es in einem meiner nächsten Posts unterzubringen und vielleicht sogar selber einmal auszuprobieren, ich hätte auf jeden Fall riesige Lust dazu. Ganz liebe Grüße!

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