Persönliches · Sowas wie Leben · Sowas wie Liebe

Don’t forget to fall in love with yourself first.


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Es gibt diese Momente – klitzekleine Momente -, in denen man kurz innehält, in sich hineinschaut und denkt: „Ja, ich bin zufrieden mit mir. Zufrieden mit mir, meinem Leben, meinen Handlungen, meinem Spiegelbild.“ Diese Sekunden der inneren Balance und Ausgeglichenheit sind, zumindest bei mir, nie von längerer Dauer, sie sind meist nur ganz flüchtig, wie ein lauer Windstoß in einer warmen Sommernacht, wie der kurze Augenblick, in dem ein doppelter Regenbogen am Himmel zu sehen ist oder der Zeitspanne, in der sich dir ein Vogel oder ein Eichhörnchen scheinbar zutraulich nähert dann doch abrupt davonfliegt oder weghüpft.

Solche Momente sind im Prinzip kostbarer als Diamanten, Juwelen oder ein schmackhaftes Essen in einem edlen Restaurant, weil Selbstakzeptanz etwas so schönes und wichtiges ist. Früher hatte ich eigentlich nie Probleme damit, mich selbst zu mögen und zu akzeptieren, ganz im Gegenteil. Aber es gab auch eine Zeit in meinem Leben, in der es mir immer schwerer und schwerer gefallen ist, mich selbst so zu lieben, wie ich nun einmal bin, bis ich letztendlich nur noch Hass, Abneigung und Ablehnung gegenüber mir selbst empfinden konnte. Den Höhepunkt erreichten diese Gefühle im Frühjahr 2012, ich bin regelrecht in ein Loch gefallen, vor allem auch dadurch, dass sich meine vormals besten Freundinnen von mir abwandten und mein Leben sich dadurch von einer Minute auf die andere komplett veränderte. Ich fand mich abscheulich und hatte das Gefühl, niemand, am wenigsten ich selbst, könnte mich jemals wieder mögen oder lieben.

Spätestens während der Pubertät ging es uns sicherlich allen so, dass wir uns nicht mehr so toll finden, dass wir langsam beginnen, uns mit kritischeren Augen zu betrachten. Als Kind denkt man über so etwas überhaupt nicht nach – man ist halt wie man ist und man ist gut so wie man ist. In der Pubertät fangen wir das erste Mal so richtig an, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen. Sei es das Aussehen, das wir für mangelhaft befinden oder unser Charakter, der uns in mancherlei Hinsicht nicht mehr gefällt – irgendetwas finden wir immer, worüber wir klagen können, was uns nicht mehr sonderlich gefällt, was wir gerne ändern würden. Von Zeit zu Zeit suchen wir dabei die Fehler auch in anderen, beschuldigen sie der Oberflächlichkeit oder des Verrats, beginnen über andere zu lästern und projezieren unser eigenes Unglück und unsere eigene Unzufriedenheit auf nahestehende Personen. Die Psychologen mögen das „Übertragung“ nennen, ich persönlich glaube, dass es eher eine ganz natürliche Ausprägung der Pubertät ist und dass es zum Erwachsenwerden dazugehört. Solche Phasen kommen – bei manchen verbleiben sie nur sehr kurz und vergehen schnell wieder, andere haben vielleicht ihr ganzes Leben damit zu kämpfen, dass sie sich einfach nicht selbst akzeptieren können und ihren Frust dabei an anderen auslassen.

Die große Preisfrage, die sich mir immer wieder stellt und die mich wirklich schon seit sehr sehr langer Zeit beschäftigt: Wie verdammt finde ich diese Selbstakzeptanz, diese beneidenswerte Ruhe und innere Balance? Wie sehe ich über meine Makel hinweg, wie schaffe ich es, dauerhaft an ihnen zu arbeiten und nicht sofort den Kopf in den Sand zu stecken? Wie mache ich mich zu einem angenehmeren Menschen, für mich selbst und auch für mein Umfeld?

„Lerne dich selbst zu lieben“ – das ist so eine ausgelutschte, abgetretene Phrase. Das Leben kommt nun mal nicht mit einem Beipackzettel, der dir schrittweise erklärt, wie du zu deinem eigenen persönlichen Glück und Ausgeglichenheit kommst. Es gibt dir auch keine Anleitung dafür, wie du mit schwierigen Situationen umgehen solltest und wie du Probleme am besten behebst. Das Leben überlässt dich vollkommen dir selbst, weil auch nur du selbst der Schlüssel zu deinem Glück bist. Du kannst dich von niemand anderen abhängig machen, denn es ist etwas, wofür du ganz alleine verantwortlich bist. „Liebe dich selbst“ – es mag sein, dass dieser Satz abgedroschen klingt, aber er ist dennoch so wahr. Wahre Freude am Leben lässt sich nur erfahren, wenn man mit sich selbst zufrieden ist und es auch an schlechten Tagen schafft, souverän zu bleiben und sich positives vor Augen zu halten – auch wenn das manchmal sehr schwer ist.

Ich für meinen Teil liebe mich nicht selbst und ich habe auch noch immer Schwierigkeiten damit, mich so, wie ich bin, zu akzeptieren. Die Momente, in denen ich vollkommen zufrieden bin, werden zwar mittlerweile wieder häufiger, trotzdem bin ich leider noch immer einen Großteil meiner Zeit unzufrieden, unausgeglichen und nur mittelmäßig glücklich damit, wie alles so ist. Selbstakzeptanz, das ist nichts, was sich innerhalb einer Woche, eines Monats oder eines Jahres erlernen lässt, sondern vielmehr eine Fähigkeit, die sich das ganze Leben lang ausbauen lässt. Aber ich will sie ausbauen, ich will endlich mit dem, was ich schaffe, was ich tue, wie ich aussehe vollkommen zufrieden sein. Und auch wenn es ein langer langer langer Prozess ist, so bin ich doch bereit, daran zu arbeiten und mir tagtäglich alles, was gut an mir ist, vor Augen zu führen. Vielleicht wird es auch endlich mal wieder an der Zeit, das Tagebuch nicht nur an schlechten Tagen hervorzuholen, sondern auch alle wunderbaren Erinnerungen und Erlebnisse dort zu verewigen. Wer weiß – vielleicht schaffe ich es ja sogar irgendwann, meinen elendigen Pessimismus abzulegen.

Ich weiß nicht so recht, wieso ich das hier überhaupt auf meinem Blog schreibe und veröffentliche. Vielleicht, weil ich merke, wieviel besser es mir in der letzten Zeit geht, weil ich stolz bin, dass ich das mit dem Sport durchziehe und meine Ernährung umgestellt habe oder weil ich in letzter Zeit häufiger lache und öfter Marmeladenglasmomente habe – jene Momente, die so schön sind, dass man sie am liebsten in ein Marmeladenglas stecken möchte, damit man auch in schlechten Zeiten mal davon zehren kann. Vielleicht wollte ich auch einfach nur mal wieder etwas persönlicheres schreiben, weil ich das früher viel öfter hier getan habe. Das hier soll jedoch keinesfalls ein „Mimimi, ich bin so hässlich und doof und hasse mich selber“-Post sein, sondern vielmehr etwas positives Denken vermitteln und dazu motivieren, niemals damit aufzuhören, an sich selbst zu arbeiten, sich selbst zu lieben und einfach glücklich zu sein.

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4 Kommentare zu „Don’t forget to fall in love with yourself first.

  1. Sehr schön geschriebener Artikel! Aber ich bin auch sehr erleichtert über deinen letzten Absatz, weil ich mir beim Lesen schon etwas Sorgen gemacht habe. Einige Dinge haben mir auch aus der Seele gesprochen. Ich hatte auch eine schwierige Phase, nachdem Freunde mich im Stich gelassen haben und wusste gar nicht wo ich hingehöre. Aber wenn man sich dann nur mit sich beschäftigt, merkt man manchmal erst wieder wer man eigentlich ist.
    Ich denke zum Thema Unzufriedenheit ist es eine Hilfe ein Tagebuch zu führen, in das nur positive Dinge geschrieben werden. Sodass es zu einem Nachschlagewerk wird, dass man immer hervorholen kann, wenn man mit sich unzufrieden bist. Klingt so, als ob du da in letzter Zeit viel zu verewigen hättest. Prima. :D

    1. Ich glaube, jeder Mensch macht solche Phasen durch und ich glaube, es ist wirklich wichtig, nicht allzu lange über so etwas zu trauern, sondern so wie du sagst, sich mit sich selbst zu beschäftigen und nicht an so etwas zu verzweifeln – auch wenn es schwer fällt. Ich habe mir vorgestern schon mal ein neues Tagebuch bestellt, in das wirklich NUR positive Dinge hineingeschrieben werden sollen, mal sehen, ob sich dieses Projekt bewähren wird. :D

  2. Ich bin weiß Gott kein Experte der Lebenskunst. Meistens aber wird das alles mit dem Alter besser. Wenn du nicht allein auf Altern und wachsende Lebenserfahrung vertrauen willst, dann nimm dir ein Problem nach dem anderen vor. Sieht aber ja so aus, als wenn du das längst machst.

    Generell würde ich Kommentare unter Blogeinträgen eher mit Vorsicht genießen, wenn sie in vier Sätzen das Leben erklären. Ich hatte nach der Lektüre nur das Gefühl, dass ich etwas Balsam schreiben müsste. Das wird schon.

    1. Herzlichen Dank für deinen Kommentar – ich habe auch das Gefühl, dass es mit dem Alter besser und einfacher wird und die Selbstzweifel sich schmälern – zumindest soweit ich das jetzt beurteilen kann, aber es ist halt doch etwas anderes, ob man 14 oder 21 Jahre alt ist und dann doch schon einiges mehr an Lebenserfahrung gesammelt hat. Liebe Grüße!

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