Persönliches

Write to taste life twice – in the moment and in the retrospect.


Ich habe schon immer gerne Tagebuch geschrieben, als ich jünger war allerdings wesentlich häufiger und regelmäßiger, als ich es in den letzten Jahren getan habe. Ich weiß auch nicht, woran es liegt, aber während der letzten Jahre fiel es mir immer schwerer, mich dazu aufzuraffen, meine Gedanken, Sorgen, Gefühle, Erlebnisse und Erinnerungen niederzuschreiben – ich hatte einfach immer das Gefühl, ich würde mich immerzu wiederholen und über dieselben Dinge schreiben, ich sah keine Entwicklung und wusste auch nicht so wirklich, worüber ich sonst hätte schreiben können und Tagebücher verloren für mich so langsam ihren Reiz. Ich griff immer seltener dazu, brauchte Ewigkeiten, um sie zu füllen und hatte wenig Freude daran, mir frühere Einträge später noch einmal durchzulesen, weil meine Redundanz mir auf die Nerven fiel.

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Länger schon habe ich auf Amazon und in meinem liebsten Buchladen eine neue Entwicklung beobachtet, was Tagebücher angeht. Es gab Tagebücher zum Ankreuzen und Ausmalen, Tagebücher, die eine konrete Frage am Tag in den Fokus stellten, Tagebücher, die einen über mehrere Jahre hinweg begleiten sollten. Ich war (und bin) ziemlich angetan von diesen neuen Formaten, aber was mich daran störte und ich mich deswegen nicht zum Kaufen überwinden konnte, war, dass all diese Tagebücher wie eine „Schablone“ sind – es ist genau vorgegeben, welche Frage an welchem Tag, es gibt eine genaue Anzahl an Zeilen, die man nicht überschreiten kann und einige Tagebücher gehen sogar so weit, dass ich pro Tag nur einen Satz hätte niederschreiben können. Das wollte ich nicht. Ich möchte schreiben wann ich will und vor allen Dingen auch wie viel ich will und ich möchte wenigstens ein kleines bisschen die Kontrolle darüber haben, worüber ich am Tag schreiben möchte. Deswegen fasste ich kurzerhand den Entschluss, mir solch eine Art Tagebuch einfach selbst anzulegen und mich damit wieder öfter dazu zu motivieren, mein Tagebuch mit Einträgen zu füllen.

Nichts ist leichter als das, denn alles, was man für eine kreativere Art des Tagebuchschreibens braucht ist eigentlich nur ein Tagebuch und einen einigermaßen kreativen Kopf. Ich habe mir überlegt, dass ich einige Fragen mit Schreibmaschine einzeln auf ein kleines Stück Papier schreibe, es zusammenfalte und in ein kleines Schächtelchen lege. Immer dann, wenn mir nach Schreiben ist, ziehe ich aus dem Schächtelchen einige Fragen – je nachdem, wieviel Zeit und Lust ich habe, kann ich die Anzahl der Fragen variieren – und beantworte diese dann so ausführlich oder knapp, wie ich möchte in Bezug auf meinen heutigen Tag und Gemütszustand. Ich habe mir jetzt zwischen 30 und 40 Fragen überlegt (genau habe ich das nicht nacgezählt) – dabei sind simple Fragen, wie „Was hast du heute gegessen?„, „Wie fühlst du dich heute?„, „Was hast du heute gemacht und was wirst du noch tun?„, „Wofür hast du heute Geld ausgegeben?“, „Was hat dich heute inspiriert?„, aber auch ein kleines bisschen tiefgründigere, in denen ich mich selbst und mein Handeln reflektieren möchte, wie zum Beispiel „Habe ich mein Ziel heute aus den Augen verloren?„, „Habe ich die Welt heute ein klein wenig besser/schlechter gemacht?“, „Was hat mich heute daran gehindert, diejenige zu werden, die ich gerne sein würde?“ etc. Mir die Fragen auszudenken hat unglaublichen Spaß gemacht und ich bin im Kopf schon permanent durchgegangen, wie ich sie denn für bereits vergangene Tage beantwortet hätte.

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Ausprobieren werde ich das gesamte Konzept aber erst heute Abend, weswegen ich noch nicht genau sagen kann, wie gut das ganze überhaupt funktioniert, aber ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass ich damit wieder mehr Freude am Tagebuchschreiben haben werde und meine Tagebucheinträge so auch endlich wieder um einiges vielfältiger und facettenreicher werden. Ich möchte damit erreichen, wieder mehr zu schreiben, denn dieses Hobby vernachlässige ich in letzter Zeit einfach viel zu sehr, gleichzeitig soll es mir dabei helfen, mich mehr auf mich selbst zu fokussieren, meinen Tag Revue passieren zu lassen und darüber nachzudenken, was ich morgen besser machen könnte als heute bzw. was ich heute für Fortschritte im Vergleich zu gestern gemacht habe. Dass ich jeden Tag einen Eintrag verfassen werde ist dabei utopisch, aber so lange ich wieder öfter schreibe als einmal im Monat (so wie ich es derzeit leider handhabe) bin ich wirklich schon unendlich froh und zufrieden.


 Schreibt ihr Tagebuch? Haltet ihr das klassisch und schreibt über euren Tag oder verfolgt ihr dabei ein anderes Konzept?

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6 Kommentare zu „Write to taste life twice – in the moment and in the retrospect.

  1. Was für eine schöne Idee! Und überhaupt deine Gedanken zum Thema Tagebuch finde ich total nachvollziehbar. Ich mag diese neuen Formate auch sehr gern, aber wie du schon sagst, schränken sie oft zu sehr ein. Ich will halt an manchen Tagen nicht erst eine passende Seite suchen, die die richtige Frage zu dem, was ich erzählen möchte, stellt.
    Momentan hab ich einen Kalender, in dem ich alle paar Tage Highlights oder ähnliches aufschreibe. Da ist eine ganze Woche auf einer Seite, also nicht viel Platz für große Gedankenergüsse, aber ganz schön, um einfach ein paar Ereignisse festzuhalten. Allerdings hab ich da auch oft das Gefühl mich zu wiederholen oder einfach zu belanglose Dinge festzuhalten. Vielleicht schwenk ich auch mal wieder um zum leeren Notizbuch, das ich nur fülle, wenn ich etwas festhalten möchte.

    1. Das klingt aber auch nach einem guten Konzept! Ich weiß auch nicht, früher habe ich immer einfach drauf los geschrieben, aber je älter ich werde, desto schwerer fällt es mir, überhaupt erst einmal einen Einstieg für einen Tagebucheintrag zu finden, deswegen finde ich es eigentlich ganz gut, sich einfach an persönlichen Highlights oder Erfolgen zu orientieren und diese festzuhalten – auch wenn es oftmals vielleicht nur Kleinigkeiten sind, so ist das sicherlich trotzdem ein befriedigendes Gefühl (und weitaus besser, als überhaupt gar nichts aufzuschreiben). :D

      1. Manchmal ist es auch echt schön nur die kleinen Momente festzuhalten, z.B. wie man irgendwem geholfen hat den Weg zur richtigen U-Bahn zu finden und die Person sich überschwänglich bedankt hat. Sowas vergisst man ja sonst einfach irgendwann.
        Ja, und es nimmt wirklich nicht so viel Zeit in Anspruch. Die muss ja sonst auch immer erst mal da sein. Ich klebe auch immer so kleine Andenken mit rein, Kinokarten und so. Die schmeiß ich nämlich so ungern weg, aber sie irgendwo zu sammeln ist eigentlich auch sinnlos.

      2. Das hast du schön gesagt und das trifft es auch genau auf den Punkt! Eigentlich glaueb ich, kaum ein Leben ist so ’superspannend‘, dass man täglich etwas neues, atemberaubendes zu erzählen hätte, aber wenn man sich besinnt und ein wenig darüber nachdenkt, sind es oftmals wirklich die kleinen Dinge, die es sich besonders lohnen aufzuschreiben. Andenken klebe ich in mein Notizbuch auch, zu Kinokarten, die ich hineinklebe, schreibe ich meist sogar noch drei Adjektive oder Sätze, die meine Gefühle nach dem Film/über den Film auf den Punkt bringen. :D

  2. Ich finde die Idee auch total schön und kann das mit dem viel zu selten schreiben bzw. sich oft wiederholen gut nachvollziehen. Ich ertappe mich auch immer mal wieder dabei, dass die ewig gleichen Themen bei mir zu Wort kommen, wenn ich dann mal zum Schreiben komme, und das ich dabei irgendwie festhänge. Mittlerweile bin ich ein bisschen von dem „Schreiben“ weggekommen, was mich irgendwie wieder mehr zum Schreiben gebracht hat. Ich klebe ganz oft Sachen in mein Tagebuch oder kritzele etwas rein (auch wenn ich nicht wirklich zeichnen kann), manchmal sind es einfach nur Listen über Dinge, die ich nachdenke, oder die ich gerne machen würde, etc. Wie ein liveticker dessen, was in mir und um mich vorgeht. Dadurch habe ich irgendwie auch wieder mehr Lust zu schreiben bekommen, weil ein bisschen der „Druck“ verloren gegangen ist, immer etwas Bedeutsames festzuhalten. Den habe ich mir irgendwie selbst gemacht, ziemlich blöd, aber ich hatte eben das Gefühl, es müsse tiefgründig und reflektierend und gut geschrieben, etc. sein. Ich bin mit meinem jetzigen System ganz zufrieden, aber die Ideen mit den Themen finde ich auch total toll. Da kann man ja einfach mal in den bereits vorhandenen stöbern und sich rauspicken, was für einen gut funktioniert und was man lieber bei Seite lässt. Tolle Idee :) Berichtest du auch irgendwann, wie das ganze für dich tatsächlich funktioniert?

    1. Gerade die Vielseitigkeit, mit der man so ein Tagebuch/Notizbuch füllt ist glaube ich der Punkt, warum man auch dranbleibt. Jeden Tag etwas hineinschreiben geht beim besten Willen nicht, aber Kinokarten hineinkleben oder Listen schreiben, einen Spruch/ein Gedicht, das man den Tag über entdeckt hat hinzufügen, kleine Kritzeleien – da wird das ganze auch ohne eigene Worte noch einmal viel persönlicher und irgendwie auch schöner. Ich glaube schon, dass ich irgendwann noch einmal einen Post dazu schreiben werde, wie das ganze letztendlich für mich funktioniert hat, ich weiß zwar noch nicht genau in welcher Form, aber irgendwie werde ich es bestimmt hier mit einfließen lassen!

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