Bücher · Rezension

[Rezension] George R. R. Martin: „Das Lied von Eis und Feuer #09: Der Sohn des Greifen“


grrmGeorge R. R. Martin/ „Das Lied von Eis und Feuer #09: Der Sohn des Greifen“
Penhaligon Verlag, 21.05.2012
832 Seiten, Broschierte Ausgabe 16,00€

SZ Inhalt

Die Sieben Königreiche zerfallen weiter im Machtkampf der großen Adelshäuser, die einander eifersüchtig belauern in ihrer Gier nach dem Eisernen Thron. Einigkeit finden sie nur in ihrem Misstrauen gegen Daenerys Targaryen, der rechtmäßigen Erbin der Krone. Gemeinsam mit ihren drei Drachen und einer stetig wachsenden Armee greift sie vom Osten aus nach der Herrschaft über Westeros. Die größte Gefahr droht derweil jedoch aus dem Norden, wo schreckliche Geschöpfe sich erheben, um die Menschen des Südens zu überrennen. Allein Kommandant Jon Schnee und seine wenigen tapferen Männer von der Nachtwache stemmen sich verzweifelt gegen diese finstere Übermacht …

SZ Meine Meinung

[Ich werde mit großer Gewissheit spoilern – wer das nicht lesen möchte, sollte also lieber nicht weiterlesen!]

Ihr wisst ja, ich bin seit dem ersten Band, den ich vor über einem Jahr aufgeschlagen habe, der größte Fan der Reihe und gerade bei diesem Teil hatte ich mich nach dem schleppenden und zähen siebten und achten Teil (Englisch #4), besonders darauf gefreut, meine Lieblingsfiguren, die ich im vergangenen Band mehr als vermisst habe, endlich einmal wiederzusehen. Groß war auch die Freude, das will ich gar nicht bestreiten und dieser Band gefiel mir auch durchaus besser, als die beiden vorherigen, aber dennoch mag ich nicht leugnen, dass ich mir zwischenzeitlich einfach nur gewünscht habe, dass doch endlich einmal irgendetwas passieren soll.

Dass George R. R. Martin ein wundersames und episches Meisterwerk geschaffen hat, mit Charakteren, die einem so unfassbar lebensecht vorkommen, Schauplätzen, die man sich dank seiner ausschweifenden Beschreibungen problemlos bildlich vor Augen führen kann und Handlungssträngen, die auf genialste Weise miteinander verbunden und verstrickt sind will ich überhaupt nicht abstreiten. Ich liebe Westeros, ich liebe die Figuren, ich liebe, wie die Geschichte sich entwickelt und durch all meine Lieblingscharaktere vorangetrieben wird, aber wie bereits im 7./8. Band fiel mir auch hier auf, dass George R. R. Martin sich immer mehr in Details verliert, während die Handlung nur noch in winzigen Tippelschrittchen vorwärts schreitet. Nicht jeder Band kann wohl so fulminant sein, wie Teil 5 und 6 (Englisch #3), aber irgendwie kann ich nicht leugnen, dass ich gehofft hatte, dass in diesem Teil mehr los sein wird, es wieder etwas actionreicher wird und die ein oder andere wirklich unerwartete Wendung kommt. George R. R. Martin hat uns in den ersten Teilen so sehr daran gewöhnt, dass jeden Augenblick irgendetwas wirklich furchtbares geschehen kann, dass wir vermutlich mittlerweile so abgehärtet sind, dass uns einfach nur noch der möglichst brutale Tod einer Lieblingsfigur wirklich erschüttern könnte und wir uns einfach nicht mehr so leicht begeistern lassen wie zu Anfang der Serie.

So sehr ich Martins Detailverliebtheit auch kritisiere, so muss ich aber doch gestehen, dass ich gerade das so sehr mag – das ist kein einfacher Roman mit nur einer Handvoll Protagonisten, das ist etwas viel größeres, ein komplett anderes Universum mit unglaublich vielen fein ausgearbeiteten Figuren, die nicht nur gut und nicht nur böse sind, sondern an Facettenreichtum und Besonderheiten nicht zu überbieten sind. Tatsächlich hat George R. R. Martin in diesem Buch noch zwei weitere Figuren in die Handlung eingebettet, deren Auftauchen mich, zumindest, was den jungen Greif und seinen Hintergrund betrifft, schon etwas aus der Bahn geworfen hat. Dabei fand ich nicht nur das Erscheinen dieser Figur interessant, sondern auch die damit verbundene Reise über den großen Kontinent Essos, dem bisher ja kaum ein zweiter Blick gewürdigt wurde. Dementsprechend entfernt sich der Fokus, der im 7. und 8. Teil ja schon eher auf Königsmund gelegen hat, davon und schweift in den Süden/Osten, um den Greifen bei seiner Reise ein Stück weit zu begleiten, wir reisen nach Meeren und sehen, mit welchen Problemen Daenerys zu kämpfen hat (kann sie bitte endlich nach Westeros kommen?), und wir wandern zur Mauer, wo Jon Schnee sich als Lord Kommandant der Nachtwache vollkommen neuen Aufgaben stellen muss – insbesondere dem Problem mit den Wildlingen. Außerdem gibt es endlich mal wieder etwas von Theon zu lesen, wir lernen Ramsay Schnee/Bolton näher kennen und erfahren aus zweiter Hand, was mit Stannis vor sich geht. Spannend fand ich, dass Melisandre jetzt ihren eigenen PoV bekommen hat und wir auch ihre Gedanken kurz einmal begleiten durften – ich frage mich ja ohnehin, welches Ziel sie genau verfolgt und insbesondere nach den Kapiteln in Volantis habe ich ja so einige Theorien entwickelt, die nicht mehr damit zusammenhängen, dass sie Stannis als den wahren König sieht. Aber ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen – ich warte lieber ab, was George R. R. Martin sich bei dem ganzen gedacht hat.

Letztendlich kann ich einfach noch kein abschließendes Urteil zu „Der Sohn des Greifen“ abgeben, da im Hinterkopf die Tatsache steht, dass der zehnte Teil noch aussteht und das Buch insofern gar nicht als Einzelband gedacht ist. Trotz einiger Kritik und der Tatsache, dass ich teilweise das Gefühl hatte, meine Lieblingscharaktere würden sich nur im Kreis drehen und sich einfach nicht wirklich fortbewegen (bis auf Tyrion), habe ich es genossen, abermals in die Welt von Westeros und Essos einzutauchen. George R. R. Martin schreibt einfach wunderbar – trotz vieler ausschweifenden und detaillierten Schilderungen von vermeintlich nebensächlichen Dingen, durch die das Buch auch schon mal etwas langatmig werden kann, war ich wieder einmal begeistert und auch das Wiedersehen mit Jon, Tyrion und Daenerys war – trotz der Stagnation – ein schönes Wiedersehen. Die Geschichte ist noch immer geprägt von Spannung und Unvorhersehbarkeit (auch wenn ich den Fehler begangen habe und parallel die Serie weitergeschaut habe, mich also quasi konstant selbst gespoilert habe) und man kann nur vage ahnen, wie es denn nur mit den Figuren weitergehen soll – da bekommt man sofort los, in die Buchhandlung zu laufen und den 10. Band zu kaufen, wobei die Wartezeit, die sich daran anschließt, ganz bestimmt ein bisschen erdrückend sein wird.


*Vielen Dank an das Randomhouse Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!

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2 Kommentare zu „[Rezension] George R. R. Martin: „Das Lied von Eis und Feuer #09: Der Sohn des Greifen“

  1. Obwohl ich die Serie ganz gerne mag habe ich bisher nie daran gedacht zu den Büchern zu greifen. Vielleicht liegt es daran dass Fantasy nicht wirklich mein Genre ist und ich habe vielleicht auch Probleme bei den vielen Charakteren durchzublicken. In der Serie geht das noch halbwegs aber im Buch ist das sicherlich weniger einfach.

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