Persönliches

[Rezension] Nickolas Butler: „Shotgun Lovesongs“


123Nickolas Butler/ „Shotgun Lovesongs“
Heyne Verlag,09.03.2015
432 Seiten, Broschiert, 9,99€

SZ Inhalt

Fünf Freunde aus einer Kleinstadt im Norden der USA. Durchs Schicksal auseinandergetrieben, lebt in allen die Sehnsucht nach der Nähe, die sie einst verband. Ein sentimentaler, kraftvoller Roman, der vielstimmig von den großen Themen Freundschaft, Heimat und Liebe erzählt.

SZ Meine Meinung

Kip, Henry, Lee, Ronny und Beth waren Freunde, seitdem sie denken können. Leider ist Freundschaft aber nicht immer gleich Freundschaft und gerade im Erwachsenenalter passiert es doch einmal leicht, dass man sich auseinanderlebt, der Kontakt abbricht und man sich einfach nicht mehr so gut versteht, wie damals, als das Leben noch ohne Verpflichtungen und Komplikationen lief. Trotz allem haben sich die fünf nie wirklich aus den Augen verloren und gerade zu größeren Anlässen immer wieder zusammen gefunden.

Da gibt es Henry und Beth, deren Freundschaft so tief und innig war, dass sie sogar heirateten. Und Lee, der zum erfolgreichen Rockstar aufgestiegen ist, sich aber trotzdem einsam fühlt. Und Ronny, der nach einem Unfall nicht mehr ganz derselbe ist wie zuvor. Und Kip, der sich wohl am meisten von allen entfremdet hat und gleichzeitig wohl nichts lieber möchte, als sich wieder mit seinen alten Kumpels zu verstehen.

Die Kapitel wechselten und so wurde uns die Geschichte aus dem Blickwinkel jeder einzelnen Figur serviert. Dabei erzählten die Charaktere aber nicht nur aus der Gegenwart, sondern verloren sich das ein oder andere Mal in Erinnerungen an die Jugend oder College-Zeit. Gerade diese Rückblicke ließen sich besonders gut in den Roman einflechten, weil die Beziehungen zwischen den einzelnen Protagonisten viel deutlicher hervortraten und die Geschichte dadurch um einiges lebendiger wurde. Manchmal waren die Sprünge durch Vergangenheit und Gegenwart allerdings auch ein klein wenig verworren und man musste erst einmal kurz überlegen, ob gerade wieder eine Anekdote zum Besten gegeben wurde, oder ob man sich mit dem Handlungsstrang in der Gegenwart befand. Gleichzeitig spürte ich in der Perspektivenverteilung ein ziemliches Ungleichgewicht – Kip kam meiner Meinung nach viel zu kurz und irgendwie hätte ich auch von Ronnie gerne mehr gelesen. Es schien mir zwischenzeitlich sogar ein wenig so, als sollte es um reines Drama zwischen Lee, Henry und Beth gehen, was mir ein klein wenig die Lust verdarb. (Irgendwie mochte ich die Kapitel aus Beth’s Sichtweise auch am wenigsten; woran das genau lag, kann ich gar nicht festmachen, aber sie war mir einfach nicht so wirklich sympathisch.)

Nickolas Butler schreibt sehr klar aber auch ausschweifend – ein Erzählstil, der mir sehr gut gefällt und der auch zu dem Roman gepasst hat. „Shotgun Lovesongs“ ist kein Roman, der vor Spannung und Plot Twists nur so trieft; im Gegenteil, es ist eine Geschichte, die ein klein wenig vor sich hinplätschert, bei der die Handlung manchmal ins Stocken zu geraten scheint, bei der nichts überaus überraschendes und überwältigendes geschieht, die man aber dennoch weiterliest, weil es irgendwie eine schöne Geschichte von fünf Freunden ist, die einen irgendwie mitreißt an diesen gemütlichen kleinen Ort mit seinen Bauernhöfen und wenigen Einwohnern. Und die ganze Zeit schwingt zwischen den Zeilen die Frage mit, ob eine Freundschaft, die so lange währt, überhaupt noch bestehen kann, oder ob sie, gerade wegen der Unterschiede zwischen den Figuren, im Erwachsenenalter zum Scheitern verurteilt ist.

„Shotgun Lovesongs“ ist kein schnellebiges Buch, sondern ein ruhiges und langsames, eines, in dem es weniger um eine möglichst spannende Handlung geht, sondern in dem der Fokus auf die Gefühle, Gedanken und Hintergründe der Personen gelegt wird. Zwar gefiel mir die Grundidee (und auch das Ende) sehr gut, aber gleichzeitig muss ich sagen, dass ich mit einigen der Charaktere (insbesondere Beth, aber ein kleines bisschen auch mit Lee) einfach nicht warm geworden bin und mir dafür mehr Ausgewogenheit in der Kapitelaufteilung (und auch Kapitellänge) gewünscht hätte. Nichtsdestotrotz war es ein schönes Sommerbuch, dass mich gut unterhalten hat und das ich all jenen empfehlen würde, die gerne über Freundschaft von Erwachsenen lesen. Von mir erhält „Shotgun Lovesongs“ 3 von 5 Sternen.

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7 Kommentare zu „[Rezension] Nickolas Butler: „Shotgun Lovesongs“

  1. Das wäre mir zu klischeehaft. Erinnert mich auch wenig an „Duddits“, nur ohne den Horror. ;) Vor allem dass einer von den Jungs Rockstar geworden ist finde ich irgendwie dämlich. Eher nichts für mich. ;) Aber wie immer eine tolle Rezi.

    1. Haha, ich muss sagen, diese Rockstar-Geschichte fand ich auch eher weniger authentisch, gerade auch, weil das irgendwie einfach so feststand und es keine wirkliche Erklärung dazu gab, wie er so berühmt geworden ist und alles. Es war doch ein ganz gemütliches Buch, aber halt nicht jedermanns Sache, ich war ja schlussendlich auch nicht so hundertprozentig davon überzeugt. :D Dankeschön!

  2. Ich fand das Buch großartig :) So wie du hätte ich mir auch eine bessere Ausgewogenheit bei den Perspektiven gewünscht, vor allem von Ronnie hätte ich gerne viel mehr gelesen. Und Beth war mir auch nicht so sympathisch ;) Aber ich mochte den Schreibstil so sehr, dass ich einfach ewig hätte weiterlesen könnne :)

    1. Das stimmt, dadurch, dass die Geschichte keinen wirklichen Höhepunkt oder so hat, sondern einfach nur das Leben dieser fünf erzählt, hätte es wirklich noch ewig so weitergehen können – wobei ich das Ende ziemlich mochte! :D

  3. Du hast es tatsächlich geschafft. :-D Ich bin nicht über 50 Seiten hinweg gekommen, es konnte mich einfach nicht fesseln. Vielleicht wäre es was anderes gewesen, wenn die Kapitel nicht so sehr lang gewesen wären und die Sicht eben mehr gewechselt hätte, wie du auch geschrieben hast. Aber man kann ja auch nicht jedes Buch mögen. :-)

    1. Kann ich aber verstehen, fand es auch ziemlich schwer, so richtig in den Roman hineinzukommen und ich habe mich den Charakteren auch überhaupt nicht nah gefühlt leider. Da hätte man viel mehr rausholen können, aber trotzdem war ich überrascht, wie sehr ich den Schreibstil und alles im Endeffekt dann doch mochte. Reine Geschmackssache und vielleicht spielt auch ein klein wenig der Zeitpunkt des Lesens eine Rolle. :D

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