Bücher · Rezension

[Rezension] Sophie Kinsella: „Schau mir in die Augen, Audrey“


smidaaSophie Kinsella / „Schau mir in die Augen, Audrey“
cbj Verlag, 20.07.2015
384 Seiten, Paperback, 14,99€

SZ Inhalt

Audrey ist Mitglied einer ziemlich durchgeknallten Familie: Ihr Bruder ist ein Computernerd, ihre Mutter eine hysterische Gesundheitsfanatikerin und ihr Vater ein charmanter, ein bisschen schluffiger Teddybär. Doch damit nicht genug – Audrey schleppt noch ein weiteres Päckchen mit sich herum: Nämlich ihre Sonnenbrille, hinter der sie sich wegen einer Angststörung versteckt. Bloß niemandem in die Augen schauen! Als sie eines Tages auf Anraten ihrer Therapeutin beginnt, einen Dokumentarfilm über ihre verrückte Familie zu drehen, gerät ihr immer häufiger der gar nicht so unansehnliche Freund ihres großen Bruders vor die Linse – Linus. Und langsam bahnt sich etwas an, was viel mehr ist, als der Beginn einer wunderbaren Freundschaft …

SZ Meine Meinung

Sophie Kinsella ist mir schon ein Name, allerdings habe ich noch kein einziges ihrer Bücher gelesen. „Schau mir in die Augen, Audrey“ ist der erste Roman, mit dem die Autorin sich an Jugendbüchern probiert, und war auch mein allererster ‚Kinsella‘ – ich glaube aber jetzt schon, dass es nicht mein letztes Buch von ihr gewesen sein wird. Ihr federleichter Schreibstil, der stets mit einer Prise Humor gewürzt ist, konnte sofort mein Herz erobern und eignet sich hervorragend für heiße Sommertage, für die man nicht zu leichte, aber auch nicht zu schwere Kost lesen möchte – das habe ich mit diesem Buch für euch getestet. Aber immer langsam – ehe ich in Lobgesänge über den Schreibstil von Kinsella, der mich stets ein bisschen an den von Kerstin Gier erinnerte, versinke, sollte ich vielleicht noch einige Worte zu der Handlung verlieren.

„Schau mir in die Augen, Audrey“ ist ein unfassbar witziges, süßes, herzerwärmendes aber auch ernsthaftes Buch. Im Mittelpunkt steht Audrey, die unter einer sozialen Phobie und Angststörungen leidet und deswegen, um direkten Augenkontakt zu vermeiden, stets mit einer Sonnenbrille bekleidet ist. Auch wenn die Ursache für ihre psychischen Leiden nie direkt genannt wird, fiel es mir überhaupt nicht schwer, mich in ihre Lage zu versetzen und ihre Gefühle nachzuvollziehen. Besonders viele Sympathiepunkte konnte Audreys laute und chaotische Familie bei mir einheimsen – ihre Mutter ist süchtig nach der Daily Mail und glaubt alles, was dort drinsteht, ihr Vater ist ziemlich verplant aber dennoch nicht weniger liebenswürdig, ihr großer Bruder Frank ist besessen von einem Computerspiel und verbringt Tage und Nächte am PC und ihr kleiner Bruder Felix ist der Sonnenschein der Familie – direkt mit dem ersten Kapitel ist man drin im Alltagschaos der verrückten Familie, bei der wirklich i m m e r irgendwas los ist. Diese von der Autorin beschriebene Familiendynamik gefiel mir an dem Buch mitunter am besten.

Kinsella gelingt es, Audreys Krankheitsbild gut nachzuzeichnen – gerade zu Beginn des Buches wird bereits deutlich, dass es Audrey nicht nur schwer fällt, Augenkontakt herzustellen/zu halten – sie hat außerdem auch panische Angst davor, das Haus zu verlassen oder aber mit Unbekannten, wie zum Beispiel Franks Computerspiel-Freund Linus, zu sprechen. Trotzdem gelingt es Linus, eine Art Verbindung zu Audrey herzustellen und ihr ein wenig dabei zu helfen, ihre Angsstörung zu überwinden. Gut gefiel mir aber vor allen Dingen, dass es keine romantische Liebesgeschichte gab, die ständig in den Vordergrund gezerrt wurde – anfangs keimte in mir die Befürchtung, dass „Schau mir in die Augen, Audrey“ eine dieser Geschichten wäre, bei der die kranke Protagonistin nur durch die Macht der Liebe geheilt werden würde – so war es letztendlich ein Glück nicht. Zwar hatte ich zwischenzeitlich schon kurz den Eindruck, dass Audreys Heilungsprozess ein wenig zu schnell von statten ging, aber Kinsella zeigt auf, dass es tatsächlich nicht immer nur bergauf geht, sondern dass Rückschläge zum Leben – nicht nur zu einer Depression oder anderen Krankheiten – dazugehören und etwas vollkommen normales sind.

„Schau mir in die Augen, Audrey“ ist ein wundervolles Buch – ich könnte noch tausende Seiten über die dramatischen und urkomischen Episoden aus Audreys Familie lesen und ich habe selten über eine so authentische Familie lesen und lachen dürfen. Da läuft nicht immer alles glatt, da sind Mutter und Vater sich nicht immer einig und da wird mit Humor aufgezeigt, welche Macken die jeweiligen Familienmitglieder so haben. Auch Linus als Außenstehender hat mir unglaublich gut gefallen – gerade weil er nicht in die Familiengeschehnisse involviert ist, konnte er Audrey aus ihrem Schneckenhaus hervorlocken und unvoreingenommen bei ihrer Genesung helfen. Bei all dem Ernst, den die Geschichte aufgrund von Audreys Krankheit hat, blieb der Humor nie auf die Strecke, hat das Geschehen aber auch nie ins Lächerliche gezogen, sondern für Balance und Ausgewogenheit gesorgt und bewirkt, dass sich das Buch unheimlich schnell weglesen ließ. Von mir gibt es daher 4 von 5 Sternen.

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7 Kommentare zu „[Rezension] Sophie Kinsella: „Schau mir in die Augen, Audrey“

  1. Danke für den Tipp! Ich hab schon zwei Bücher von Sophie Kinsella gelesen, das hier kannte ich aber noch gar nicht. Und es klingt wirklich nach einer angenehmen Sommerlektüre :)
    Vielleicht gefällt dir ja auch „Twenties Girl“, das hat mir bisher am besten gefallen!

  2. Ich bin ganz hin- und hergerissen bei dem Buch. Ich habe bisher auch noch nichts von Sophie Kinsella gelesen und ich glaube auch nicht, dass ihre Shopaholic-Bücher etwas für mich wären, zu chick-lit und oberflächlich, einfach nicht mein Humor. Und genau das hält mich von diesem Buch ab, obwohl es an sich interessant klingt und ich jetzt inklusive deiner Meinung immer mehr Gutes darüber höre. Hmmmmm.

    1. Kann deine Zweifel verstehen – mir ging’s ähnlich. Ich finde aber, ihr gelingt es eigentlich ganz gut, ein ernstes Thema auf humorvolle Weise nahe zu bringen, auch wenn ich zugeben muss, dass mir das Buch zwischenzeitlich schon fast ZU Friede Freude Eierkuchen war und sie das Thema insgesamt vielleicht auch ein bisschen tiefgründiger und vielleicht auch eine Spur ernsthafter hätte angehen können. :/

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