Bücher · Rezension

[Rezension] Jojo Moyes: „Ein ganz neues Leben“


[Diese Rezension enthält möglicherweise Spoiler für jene, die den ersten Band („Ein ganzes halbes Jahr“) noch nicht gelesen haben, es aber noch vorhaben.]

egnlJojo Moyes/ „Ein ganz neues Leben“
Fortsetzung zu „Ein ganzes halbes Jahr“
Rowohlt Verlag, 24.09.2015
Hardcover, 528 Seiten, 19,95€

SZ Inhalt«Du hast mich mitten ins Herz getroffen, Clark. Vom ersten Tag an, an dem du mit deinen lächerlichen Klamotten hereingestapft bist. Du hast mein Leben verändert.»
Sechs Monate hatten Louisa Clark und Will Traynor zusammen. Ein ganzes halbes Jahr. Und diese sechs Monate haben beide verändert. Lou ist nicht mehr das Mädchen aus der Kleinstadt, das Angst vor seinen eigenen Träumen hat. Aber sie führt auch nicht das unerschrockene Leben, das Will sich für sie gewünscht hat. Denn wie lebt man weiter, wenn man den Menschen verliert, den man am meisten liebt? Eine Welt ohne Will, das ist für Lou immer noch schwer zu ertragen. Ein einsames Apartment, ein trister Job am Flughafen – Lou existiert, aber ein Leben ist das nicht. Bis es eines Tages an der Tür klingelt – und sich eine Verbindung zu Will auftut, von der niemand geahnt hat. Endlich schöpft Lou wieder Hoffnung. Hoffnung auf ein ganz neues Leben.

SZ Meine Meinung

Mit „Ein ganzes halbes Jahr“ ist Jojo Moyes damals etwas wirklich außergewöhnliches gelungen: Während Frauenromane üblicherweise nach einem ganz bestimmten Schema ablaufen und für gewöhnlich i m m e r mit einem Happy End abschließen, das den Leser mit einem wohligen Gefühl im Herzen zurücklässt, erschuf Moyes ein komplett neues Szenario, das mich damals für mehrere Tage aus der Bahn geworfen hatte und mich über das Leben nachdenken ließ. Mit vielen Fragezeichen ließ mich vor allem Louisas Situation zurück – wie geht ein Mensch mit so etwas um, wie verarbeitet man das, was geschehen ist und verliert nicht den Anschluss am Leben? Es wurmte mich, dass wir darüber keine Auskunft erhielten – einerseits bin ich großer Fan von einem offenen Ende und das Ende von „Ein ganzes halbes Jahr“ war ein gutes Ende, trotz der bittersüßen Schwere und der Tragik, aber irgendwie konnte ich mit dem Buch nie so richtig abschließen, eben weil ich mich fragte, was aus der verrückten Lou geworden ist. Als ich von dem Fortsetzungsroman erfuhr, war ich sofort im siebten Himmel, gleichzeitig mischte sich darunter aber auch das Gefühl, dass das doch gewiss nur alles Geldmache sei, dass eine Fortsetzung eigentlich komplett überflüssig sei, weil das Ende des ersten Buches ja schon in sich geschlossen war. Neugierig war ich trotzdem, gerade weil mich die Fragen um Louisa so quälten (ja, das Leben fiktiver Personen kann mich manchmal nächtelang wachhalten) und so musste ich einfach wissen, welche Pläne Jojo Moyes mit Lou noch so hatte.

„Ein ganz neues Leben“ ist wie eine verrückt durchmischte Pralinenschachtel – von allem ist etwas dabei – Liebe, Familienchaos, übermütige Jugendliche, Freundschaft, Krankenhäuser, Selbsthilfegruppen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – und trotzdem wirkt es an keiner Stelle so, als wäre die Handlung überladen oder unrealistisch. Im Gegenteil, Louisa als Charakter war genau wie in „Ein ganzes halbes Jahr“ unglaublich authentisch, sympathisch und ihre Entwicklung wirkte keineswegs aufgesetzt. Viele der Charakterzüge, die sie bereits im ersten Teil zeigten, tauchten auch hier wieder auf – insbesondere ihre Gutherzigkeit und ihr Bestreben, es allen irgendwie recht zu machen und immer das beste im Menschen zu sehen. Auch Louisas Familie, die zwar nicht ganz so präsent war wie in „Ein ganzes halbes Jahr“ sorgte für genug Aufregung und witzige Szenen, wie wir sie schon aus dem ersten Buch kannten. Überhaupt ist es Moyes gelungen, viele Details aus dem Vorband in die Gedanken von Lou und in die Handlung mit einfließen zu lassen – bei mir ist es tatsächlich schon eine ganze Weile her, dass ich das Buch gelesen habe, aber dennoch konnte ich mich an alles erinnern und war begeistert davon, wie die Autorin Vergangenheit und Gegenwart miteinander verflochten hat.

Über die Handlung möchte ich gar nicht so viel verraten, weil das komplett die Spannung nehmen würde, aber ohne zu viel vorweg zu nehmen kann ich durchaus ausplaudern, dass das Buch sämtliche Emotionen in mir wachgerufen hat: Von den zahlreichen witzigen Stellen, an denen ich nahezu laut losprusten musste, bis zu den Szenen, in denen ich den Tränen nah war – es war einfach alles dabei und das, ohne auf mich als Leserin irgendwie gestelzt oder unrealistisch zu wirken. Der Schreibstil war so, wie ich es aus Moyes vorherigen Büchern gewohnt war, leicht und locker, so dass die Seiten nur so davongeflogen sind und mit genau der richtigen Prise Humor, die es braucht, um einen Roman zum Leben zu erwecken. Besonderer Bonus waren auch die Figuren, insbesondere die, die so plötzlich auftauchte und mit der man (oder zumindest ich) so gar nicht gerechnet hätte…

Ob eine Fortsetzung wirklich notwendig war? Das ist eine Frage, die man sich wohl bei sämtlichen Büchern stellen könnte, die aber hier nicht zur Debatte stehen soll. Wer „Ein ganzes halbes Jahr“ geliebt hat und noch nicht genug von Louisa und ihrem Leben hat, dem würde ich dringend empfehlen, auch dieses Buch zu lesen. Die Geschichte war humorvoll, fesselnd und hat zumindest mich als Leserin mit all meinen offenen Fragen, die ich nach „Ein ganzes halbes Jahr“ hatte, befriedigt. Ganz an den Vorgänger reicht es meiner Meinung zwar nicht heran – dafür war „Ein ganzes halbes Jahr“ einfach zu außergewöhnlich und anders – aber nichtsdestotrotz habe ich unheimlich viel Freude beim Lesen gehabt und würde – sollte es irgendwann sogar mal einen dritten Band geben – ganz bestimmt auch diesen lesen. Ich vergebe daher insgesamt 4 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Zusenden dieses Rezensionsexemplares!


Was denkt ihr – sind spontane Fortsetzungen von Büchern eher nervig oder ein toller Zusatz? Nur weil ein Buch nicht von vornherein als Mehrteiler geplant war, muss es doch nicht zwingend heißen, dass es nicht als solcher geeignet ist oder was denkt ihr?

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8 Kommentare zu „[Rezension] Jojo Moyes: „Ein ganz neues Leben“

    1. Ich habe auch lange überlegt, ob ich es lesen soll oder nicht – aber ich dachte mir, der schlimmste Fall, der eintreten kann ist, dass es mir gar nicht gefällt, aber selbst dann habe ich ja immer noch den wunderbaren ersten Teil, an dem ich mich festhalten kann. :D Ich finde die Fortsetzung jedenfalls gelungener, als ich vorher gedacht hätte!
      Liebste Grüße <3

  1. Mir hat damals Ein ganzes halbes Jahr auch sowas von gut gefallen und war auch zu Tränen gerührt. Dass das Ende so ganz offen war, empfand ich anfangs auch als schade, aber irgendwie hat es was gehabt. Man konnte selbst überlegen, was aus ihr geworden ist etc. Das Buch war, wie du ja auch schon geschrieben hast, etwas ganz außergewöhnliches und deshalb fand ich das Ende auch passend dazu.
    Mal schauen, ob ich mir auch dieses Buch zulege, aber so begeistert wie du darüber geschrieben hast, muss ich das wohl ;)
    <3

    1. Du sagst es – genauso ging es mir nach „Ein ganzes halbes Jahr“ auch. Ich finde auch immer noch, dass das Buch gut ohne Fortsetzung ausgekommen wäre, aber ich finde es gleichzeitig schön, dass es eine gibt, weil es mir immer so schwer fällt, fiktive Charaktere loszulassen – umso mehr genieße ich es, wenn ich doch noch einmal in ihre Geschichte eintauchen und sie begleiten darf. :D

  2. OH MEIN GOTT! Ich habe „Ein ganzes halbes Jahr“ gerade beendet und es war so schön und so traurig. Mein Herz fühlt sich an, als hätte man es mit einer Kettensäge aus der Brust entfernt. Am Ende habe ich sogar geweint, was bei mir echt selten vorkommt. Diese Geschichte ist etwas ganz Besonderes und hat mich wirklich nachdenklich gemacht. Ich bin gerade einfach nur traurig und muss die Geschichte sacken lassen. Einerseits möchte ich zwar unbedingt wissen, wie es mit Lou weitergeht, aber ich möchte dieses Bild von ihr und Will in meinem Kopf nicht zerstören.

    Ahhhhh… FICTIONAL CHARACTERS RUINED MY LIFE! </3

    1. Du beschreibst genau die Gefühle, die ich auch nach dem Lesen hatte! Das Buch war einfach so grandios! Lass es ruhig noch eine Weile sacken, die Fortsetzung rennt ja nicht weg, aber ich finde gerade bei „Ein ganzes halbes Jahr“ ist die Geschichte so intensiv, dass man erstmal eine Weile braucht, bis man darüber hinweg ist. :D Ich kann mich jedenfalls noch daran erinnern, dass ich ein richtiges Lesetief danach hatte, weil mich der Roman so mitgenommen hat. :D

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