Bücher · Rezension

[Rezension] Ransom Riggs: Die „Miss Peregrine’s Peculiar Children“ – Trilogie


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„Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children“, 4.6.2013, 356 Seiten, Quirk Books
„Hollow City“, 24.2.2015, 416 Seiten, Quirk Books
„Library of Souls“, 22.9.2015, 458 Seiten, Quirk Books

Wer sich die Cover der „Miss Peregrine’s Peculiar Children“-Trilogie ansieht, ist sich nahezu sicher, dass diese Bücher eine grandiose Horrorgeschichte erzählen, irgendetwas wirklich abgefahrenes, spannendes, Geschichten, bei denen einem der Atem stehen bleibt, weil sie so fesselnd sind – eben Bücher, die lauter gruselige und unheimliche Elemente in sich vereinen, sodass man nachts von Albträumen geplagt wird und nicht schlafen kann, weil einen das Gelesene so aufwühlt. So ist diese Reihe nicht und möglicherweise führen das Cover und die in der Geschichte integrierten Fotografien in die Irre, aber das alles bedeutet nicht, dass die Bücher weniger zu bieten hätten…

Die Handlung beginnt ganz gewöhnlich: Es geht um Jacob, dessen Großvater schon immer etwas sonderbar war, weil er diese eigenartigen Fotos von Kindern mit seltsamen Fähigkeiten in seiner Obhut hatte und Geschichten darüber erzählte, wie diese auf einer fernen Insel leben und sich vor bösartigen Monstern verstecken müssen. Dem schenkte Jacob eigentlich nie besonders viel Glauben – doch als sein Großvater auf mysteriöse Weise ums Leben kommt und Jacob im Anschluss daran auch noch auf Hinweise stößt, die die Existenz der besonderen Kinder auf einer englischen Insel tatsächlich für möglich erscheinen lassen, ist seine Neugierde geweckt und er will unbedingt wissen, was das für ein Geheimnis ist, das sein Großvater jahrelang für sich behalten hat. Unter einigen Umständen landet Jacob dann tatsächlich auf der Insel und findet sich in einer Welt wieder, in der buchstäblich die Zeit stehen bleibt und sich die seltsamsten aber gleichzeitig liebenswürdigsten Kinder tummeln. Leider hat Jacob so aber auch die Monster, die ihm gefolgt sind, hervorgelockt…

Die Geschichte ist vielmehr Mystery als Horror, aber das macht das Ganze nicht weniger schmackhaft und spannend. Im Gegenteil – ich war begeistert von der fantastischen Geschichte, den einzigartigen Charakteren und ihren sonderbaren Fähigkeiten und auch davon, wie unfassbar gut Bilder und Geschichte miteinander harmonierten. Während ich in anderen Rezensionen einige Male gelesen habe, dass manch einer die Geschichte zu sehr um die Bilder herum konstruiert fand, ging es mir ganz anders – die Fotografien (die übrigens alle echt sind!) fügen sich perfekt in die Geschichte ein und gestalten das Ganze noch viel lebendiger und interessanter. Dank der bildhaften Sprache, der sich Ransom Riggs bedient, wären sie eigentlich nicht zwingend nötig – ein schöner Zusatz sind sie jedoch trotzdem und machen das Buch dadurch auch um einiges spezieller und besonderer. Bemerkenswert ist hier außerdem – auch wenn das wenig mit dem Inhalt zu tun hat – wie hochwertig sich die gesamte Gestaltung des Buches anfühlt und wie wunderschön es auch aussieht – und das, obwohl es sich nur um ein Paperback handelt.

Während der erste Teil mich noch vollends von den Socken hauen konnte, so begeistert war ich davon, hatte ich mit dem zweiten Band zum Teil Schwierigkeiten. Einige Passagen zogen sich für meinen Geschmack viel zu lange hin, während andere zu schnell abgehandelt wurden. Außerdem wurden viele neue Peculiars, d.h. Kinder (und auch Tiere) mit besonderen Fähigkeiten in die Geschichte eingeflochten, die allerdings immer nur ziemlich kurz auftauchten und auf deren Persönlichkeit und Hintergrundgeschichte eigentlich nie näher eingegangen wurde. Einerseits sollten sie vermutlich einfach nur symbolisieren, wie viele Peculiars es eigentlich gab, womit man erst gar nicht so rechnen mag, zum anderen fand ich es allerdings trotzdem etwas schade, dass darin dann auch schon ihre einzige Funktion bestehen sollte. Umso mehr habe ich mich über das Auftauchen eines Peculiars aus dem zweiten Teil, im dritten Band, „Library of Souls“ gefreut. Am letzten Buch wiederum störte mich auch so einiges – weswegen die Reihe von mir auch von Buch zu Buch schlechter bewertet wurde.

Der zweite Band endet mit einem ziemlich unerwarteten Plot Twist, sodass ich davon ausgegangen bin, dass der dritte Band mich sofort ins Geschehen wirft und es spannend weiter gehen würde. Ersteres stimmte auch, aber spannend waren die ersten 150 Seiten von „Library of Souls“ absolut nicht. Erst ab Mitte des Buches nahm die Geschichte endlich an Fahrt auf und konnte mich endlich einnehmen – vorher quälte ich mich ehrlich gesagt eher durch die Seiten und ärgerte mich über ausführliche Beschreibungen langweiliger Kämpfe oder Unterhaltungen. Zum Glück änderte sich dies zur Mitte des Buches und das Ende fand ich sogar ziemlich phänomenal – besser hätte die Reihe meiner Meinung nach gar nicht ihren Abschluss finden können – doch die ersten Seiten hinterließen einfach einen zu bitteren Nachgeschmack, als dass ich mit meiner Bewertung noch weit hätte nach oben gehen können.

Jugendbücher kommen ja – egal aus welchem Genre – nie ohne eine Liebesgeschichte aus und so hat es mich nicht verwundert, dass auch Jacob sich verliebt hat. Ich habe oft gelesen, dass einige Leser etwas verstört waren, wen Jacob sich da als seine potentielle Partnerin auserkoren hat, ich muss sagen, dass mich diese Tatsache überhaupt nicht gestört hat. Was mich einzig und allein ein bisschen aufstöhnen ließ war, dass das ganze Verliebtseinundsoweiter (mal wieder) viel zu schnell ging – irgendwie ist das so ein gängiges Problem in sämtlichen Büchern, was in meinen Augen die Gefühle der sich Liebenden zueinander etwas unrealistisch und fragwürdig erscheinen lässt, weil es in meinen Augen überhaupt nicht möglich ist, so schnell eine so enge Bindung aufzubauen, aber ich kann nachvollziehen, dass in mehrbändigen Büchern, deren Handlung immer direkt aneinander anschließt, kein Raum und vor allem keine Zeit für die eigentlich nötigen Kennenlernphasen ist. Mittlerweile habe ich mich in den meisten Büchern bereits damit abgefunden, dass es einfach immer so läuft, aber negativ auffallen tut es leider trotzdem immer wieder.

Insgesamt ist „Miss Peregrine’s Peculiar Children“ traurigerweise eine der wenigen Trilogien, die ich in diesem Jahr gelesen habe – umso besser, dass sie mir eigentlich auch durchweg ganz gut gefiel. Ich habe den ersten Teil geliebt, den zweiten und den dritten Teil „nur“ gemocht, habe sie allerdings trotzdem fest in mein Herz (und Regal) eingeschlossen und habe, neben dem Schreibstil und den witzigen und interessanten und ziemlich unterschiedlichen Charakteren, vor allem die Einbindung der Fotografien in den Büchern am meisten genossen. Teilweise hätte ich mir weniger langatmige Szenen gewünscht, in denen eigentlich ohnehin kaum etwas passiert, denn gerade im zweiten und dritten Band haben sich diese leider gehäuft. Nichtsdestrotz habe ich „Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children“ 4.5 von 5 Sternen gegeben, „Hollow City“ 4 von 5 Sternen und „Library of Souls“ hat letztendlich 3.5 von 5 Sternen von mir erhalten. Wer auf mysteriöse Abenteuergeschichten mit jugendlichen Protagonisten und unerwarteten Handlungsverläufen steht, für den könnte diese Reihe, die übrigens mittlerweile auch ins Deutsche übersetzt wird, genau das richtige sein. Außerdem: Im nächsten Jahr wird die Verfilmung zu Band eins in den Kinos laufen – und Regisseur ist Tim Burton! Passender geht es eigentlich kaum…

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10 Kommentare zu „[Rezension] Ransom Riggs: Die „Miss Peregrine’s Peculiar Children“ – Trilogie

  1. Der erste Band steht schon sooo lange auf meiner Leseliste und nach dieser Rezension muss ich ihn mir nun endlich mal kaufen. Ich dachte allerdings auch immer, dass es sich um eine Horrorgeschichte handelt. :D

  2. Hab ich auch auf meinem SuB….und Du hast Recht – auch ich dachte es wäre Horror….aber wenn es gute Mystery ist – auch ok….nur schade, dass es dann abflacht mit den anderen Bänden…..

    1. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Ich muss aber auch sagen, dass ich von einigen gelesen/gehört habe, die den dritten Teil der Reihe am allerbesten fanden – vielleicht habe ja nur ich mich so schwer getan damit. Also nicht den Kopf hängen lassen, vielleicht empfindest du das ganz anders als ich! :D

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