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[Buch-Film-Vergleich] Rick Yancey: „The 5th Wave“


„Wollen wir morgen ins Kino gehen und ‚Die fünfte Welle‘ schauen?“, fragte mich meine kleine, dystopienverrückte Schwester am Donnerstag und natürlich sagte ich zu, denn ins Kino gehe ich derzeit viel zu selten (obwohl ich diese Woche sogar sage und schreibe zweimal war) und „Die fünfte Welle“ wollte ich sowieso schauen – aber eigentlich vorher das Buch lesen. 24 Stunden Zeit bis zum Film und 457 Seiten vor mir – die Herausforderung war relativ groß, aber bestärkt durch meinen Freund, der sich absolut sicher war, dass ich das schaffen würde, wagte ich das Unmögliche und las das Buch noch vor dem Gang ins Kino – nur um euch jetzt eine kleine Review darüber zu geben, wie gut mir Buch und Film jeweils gefallen haben.

5w

Diese Review könnte Spoiler enthalten für diejenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben. Weiterlesen also auf eigene Gefahr. ;)

Inhaltlich geht es in „Die fünfte Welle“ um Aliens, auch genannt „die Anderen“, die eine Angriffswelle nach der nächsten auf die Erde abfeuern, um die auf ihr lebende Menschheit auszurotten. Cassie und ihr Bruder Sam überleben die ersten vier Wellen, werden dann aber getrennt: Während Sam in ein angebliches Schutzcamp geschickt wird, bleibt Cassie auf sich gestellt und setzt alles daran, wieder zu ihrem Bruder zu gelangen – das ist aber gar nicht so einfach. Und wider Erwartens sind „die Anderen“ gar nicht so anders, sondern sehen genau aus wie Menschen – was jede Begegnung mit einem Menschen zu einer potentiellen Gefahr macht…

Ich bin – und das habe ich wirklich schon ziemlich oft hier erwähnt – nicht besonders kritisch, wenn es um Filme geht. Sie müssen nur authentische Charaktere, einen tollen Soundtrack, eine spannende Story und eine gute Kameraführung haben, dann bin ich eigentlich schon begeistert. „Die fünfte Welle“ hat mich in dieser Hinsicht nicht enttäuscht. Besonders bemerkenswert fand ich es hier, dass das Drehbuch sich wirklich unfassbar nahe am Buch hielt. Zwar wurden einige Kleinigkeiten hier und da abgeändert, aber der größte Teil war dem Buch ziemlich exakt nachgebildet, es fehlten keine (relevanten) Szenen, was mir schon einmal große Freude bereitet – wenn Bücher verfilmt werden, dann soll halt bitte auch das Buch verfilmt werden und nicht irgendeine Abwandlung davon, die sich möglicherweise besser verkauft, aber mit den eigentlichen Geschehnissen kaum noch was gemein hat.

Auch die Besetzung fand ich wirklich gut – ich hatte vorher nur einmal den Trailer gesehen und registriert, dass Chloe Grace Moretz, in die ich seit „Kick-Ass“ ziemlich verliebt bin, die Hauptrolle spielt und das reichte mir ehrlich gesagt auch schon, um den Film unbedingt gucken zu wollen. Aber auch die anderen Figuren waren passend besetzt – insbesondere Ben und Evan passten von der Auswahl der Schauspieler einfach perfekt und auch Vosch hat mich vollkommen überzeugt. Die schauspielerische Leistung war jetzt möglicherweise nicht überragend – gerade Ben hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle etwas tougher gewünscht – aber ansonsten habe ich wirklich absolut nichts an der Besezung auszusetzen. [Witzige Anekdote: Ich saß den ganzen Film über im Kino und rätselte, aus welchem Film mir der Darsteller von Vosch bekannt vorkam, doch erst als ich Zuhause war, fiel mir auf, dass ich Vosch nicht aus einem anderen Film kannte, sondern dass der Schauspieler einfach nur haargenau so aussah wie mein ehemaliger Kieferorthopäde. :D]

Was mich allerdings störte – und das bezieht sich jetzt vordergründig auf das Buch aber mittelbar auch auf den Film – war, dass „Die fünfte Welle“ mir zwischenzeitlich wie ein Hybrid aus verschiedenen Büchern, die ich bereits gelesen hatte, vorkam. Es gab einfach so viele Elemente, die ich so, oder zumindest ähnlich, schon in einem anderen Buch gelesen habe und auch wenn ich das nicht unbedingt als negativ ankreiden würde, war mir das teilweise einfach zu viel Abkupferei. Das Ganze hätte wesentlich origineller sein können, als es dadurch letztendlich war, denn die Grundidee gefiel mir wirklich gut und war in meinen Augen auch etwas neues und etwas, das ich so noch nicht gelesen hatte. In letzter Zeit habe ich eher weniger Dystopien gelesen, einfach, weil ich das Gefühl hatte, das Genre sei erschöpft und alles würde sich nur noch doppeln, und „Die fünfte Welle“ schien auf den ersten Blick doch etwas anders zu sein, als die üblichen YA-Dystopien, gerade wegen der Science Fiction Elemente. Letztlich war es das auch irgendwo, aber es bleibt der bittere Beigeschmack, des „das-habe-ich-doch-schon-mal-so-ähnlich-woanders-gelesen“, der meines Empfindens leider einmal zu oft auftauchte.

Rick Yanceys Schreibstil ist nichts, über das ich mich beschweren würde. Dadurch, dass ich das Buch in so unglaublich kurzer Zeit gelesen habe, hat sich das ganze Buch eigentlich spannend angefühlt, wobei ich doch sagen muss, dass sich gerade der Mittelteil etwas gezogen hat und ich mir an dieser Stelle ein paar Seiten weniger gewünscht hätte. Im Film hatte ich das Gefühl jedenfalls gar nicht –  trotz knapp zwei Stunden Länge, hat sich der Streifen für mich zu keinem Augenblick zu langatmig oder zäh angefühlt, im Gegenteil, gerade der Wechsel zwischen den zwei parallel ablaufenden Handlungssträngen sorgte dafür, dass während des gesamten Filmes konstant die Spannung aufrechterhalten wurde und auch wenn man schon ahnen konnte (sowohl im Buch als auch im Film), wie das Ganze sein Ende nehmen würde, war ich von Anfang bis Ende gefesselt.

Hier kommt jetzt wirklich ein dicker fetter Spoiler – habt ihr weder den Film gesehen, noch das Buch gelesen, würde ich euch jetzt wirklich d r i n g e n d s t vom Weiterlesen meiner Review abraten!

Ein bisschen Kritik in Bezug auf dem Film muss aber noch sein: Als Cassie denkt, sie sei die einzige Überlebende, aber dann auf Evan trifft, vergehen in Buch mehrere Wochen (ich glaube sogar Monate), ehe es zwischen den beiden wirklich ernster wird. Im Film wirkt das allerdings ziemlich insta-love-mäßig und als ob die beiden sich innerhalb einer Woche ineinander verliebt hätten. Ich weiß nicht, wie man das filmisch besser hätte darstellen können, aber ich hätte mir schon gewünscht, dass die Zeit, die vergangen ist, erwähnt worden wäre.

Spoiler Ende

Alles in allem gefielen mir sowohl Buch als auch Film recht gut – es war nichts, was mich total vom Hocker riss oder mir übertriebene Begeisterungsschreie entlockte, aber trotz allem ist „Die fünfte Welle“ eine wirklich interessante Dystopie, die ich definitiv weiterlesen und hoffentlich auch auf der Leinwand weiter verfolgen werde. Wer ein bisschen Dystopie, gemischt mit Science Fiction, Young Adult und Apokalypse lesen oder sehen möchte, dem empfehle ich diese Reihe wirklich sehr – für mich ist das definitiv eine der besseren Dystopien und ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergehen wird und welche Dinge sich in den Folgebänden (der dritte erscheint noch dieses Jahr) offenbaren werden!

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7 Kommentare zu „[Buch-Film-Vergleich] Rick Yancey: „The 5th Wave“

  1. Vielen Dank für den tollen Buch-Film-Vergleich!

    Auch wenn du einige Kritikpunkte hast (die ich sehr gut nachvollziehen kann), klingt es insgesamt nach einem tollen Erlebnis, das man sich wohl eher nicht entgehen lassen sollte :D
    Obwohl bei mir der Dystopientrend etwas abgeflaut ist, habe ich nach deinem Post doch Interesse daran. Mal schauen, ob ich es noch ins Kino schaffe, denn auf das Buch habe ich momentan nicht so große Lust (zumal die Meinungen zum zweiten Band seeeehr weit auseinander gehen :/)

    Liebe Grüße,
    Sarah

  2. Grossen Respekt erstmal, dass du das Buch in 24 Stunden gelesen hast! :D
    Ich möchte nicht allzu viel von der Rezension lesen, da ich das Buch auch noch lesen möchte ;)
    Wünsche dir eine grossartige Woche! ♥

  3. Wow, ich finde es auch echt super, dass du das Buch echt noch so knapp vor dem Film gelesen hast! :D War sicher ein riesiger Stress, aber dafür hattest du die Buchvorlage ja noch frischer als frisch im Gedächtnis.
    Abkupferei ist leider ein ziemliches Problem generell im Genre Dystopie. Deshalb lese ich mittlerweile auch keine mehr, oder sehr ungern: man hat einfach alles schon gelesen, nichts ist mehr wirklich neu und das Schlimmste ist es eben, wenn ein Buch nur ein Mix aus anderen Büchern ist. Genau deswegen hab ich Die 5. Welle auch nicht gelesen, als das Buch neu erschienen ist und es alle in den Himmel gehypt haben. Die Grundidee mit den Anderen und den Wellen finde ich aber auch sehr spannend!

    Ahh, es war SO schwer den Spoiler nicht zu lesen, ich kann nicht glauben, dass ich das geschafft habe … aber ich will den Film auch noch sehen, weil ich eigentlich nur Lob darüber gehört hab! :) Besonders Apokalypse und Endzeit mag ich sehr gern, deshalb bin ich jetzt irre gespannt drauf, weil mir heut zufällig auch eine Freundin so vorgeschwärmt hat.

    Alles Liebe,
    Sandra

    P.S.: Wie dein ehemaliger Kieferorthopäde – hahahahaaa …

  4. Das Buch hatte ich nicht gelesen nur den Film gesehen. Den Film fand ich auch ganz okay, eben nichts was einem vom Hocker reißt, aber trotzdem eine nette Abendunterhaltung. Ich hatte danach aber auch nicht das Bedürfnis das Buch dazu noch zu lesen… Wenn die anderen Teile noch verfilmt werden, werde ich sie mir auch anschauen, aber wenn nicht, trauere ich dem auch nicht nach. ;-)

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