Bücher · Rezension

[Rezension] Michael Punke: „The Revenant – Der Rückkehrer“


the revenant

Michael Punke/ „The Revenant – Der Rückkehrer“
PIPER Verlag, 05.01.2016
320 Seiten, Broschiert, 9,99€

SZ Inhalt

Er ist dem Tod geweiht – und schlägt sich 3.000 Meilen durch die Wildnis. Eine wahre Geschichte über bitteren Verrat, den Kampf ums Überleben und den Rachefeldzug eines Mannes. Spannend wie ein Thriller.

South Dakota, zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Der Pelztierjäger Hugh Glass wird am Grand River von einem Grizzly angefallen und lebensgefährlich verletzt. Seine beiden Begleiter geben dem Mann keine großen Überlebenschancen. Als sie Indianer in der Nähe ihres Lagers sichten, nehmen sie dem Schwerverwundeten Gewehr, Messer und den Rest seiner Ausrüstung ab und lassen ihn neben einem bereits ausgehobenen Grab zurück. Doch wie durch ein Wunder überlebt Glass – und schwört Rache. Mit einem gebrochenen Bein schleppt er sich durch die endlos weite Prärie auf der Suche nach denen, die ihn so schändlich im Stich gelassen haben.

SZ Meine Meinung

 Ich wollte „The Revenant“ unbedingt lesen, weil ich mal wieder ein bisschen raus wollte aus meiner Comfortzone und weil ich das Gefühl hatte, das ich viel zu selten Bücher lese, die auf wahre Gegebenheiten beruhen und die zeitlich vor dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt sind. „The Revenant“ ließ mich damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen – die Geschichte um den Trapper Hugh Glass spielt in den Jahren 1823/1824 und entsprang nicht der Fantasie von Michael Punke, sondern lässt sich anhand mehrerer historischer Dokumente tatsächlich nachweisen. Die Tatsache, dass derzeit die Verfilmung mit Leonardo DiCaprio und Tom Hardy auf den Kinoleinwänden zu bewundern ist, weckte mein Interesse nur noch mehr – immerhin ist der Film für den ein oder anderen Oscar nominiert – und das machte es für mich noch umso interessanter, vor dem Gang ins Kino auch noch die dazugehörige Buchvorlage zu lesen.

„The Revenant“ ist ein sehr bildlicher Überlebensbericht, anders lässt es sich nicht zusammenfassen. Hugh Glass wird von einem Grizzly angegriffen und erleidet starke Verwundungen (die mir fast zu detailliert beschrieben wurden, ich bin in dieser Hinsicht aber auch wirklich sehr empfindlich). Die Gruppe an Pelztierjägern, mit der er unterwegs ist, kann sich nicht wegen seiner Verletzungen aufhalten lassen – die Zeit ist knapp bemessen und sie müssen bis endgültigen Einbruchs des Winters noch eine lange Strecke zurücklegen, dazu kommt, dass sie Angriffe von feindlich gesinnten Indianerstämmen, insbesondere den Arikaras befürchten. Weil Hugh Glass einer ihrer geschätztesten Crew-Mitglieder ist, wollen sie ihn aber auch nicht einfach zum Sterben zurücklassen, obwohl sich alle sicher sind, dass er diese Verwundungen nicht überleben kann. So beschließen sie, das zwei Männer mit Glass zurückbleiben, seinen Tod abwarten und ihm dann ein angemessenes Grab bereiten sollen. Bei Glass bleiben der junge Bridger, der sich ernsthaft darum bemüht, dass Glass sich vielleicht sogar wieder erholt und der selbstsüchtige Fitzgerald, dem es nur darum geht, einen Bonus einzustreichen und der es gar nicht erwarten kann, Glass loszuwerden. Als Bridger und Fitzgerald eines Tages Indianer am Fluss sehen, machen sie sich vor Angst aus dem Staub – Fitzgerald lässt dabei Glass‘ heißgeliebte Waffe und auch seine anderen überlebenswichtigen Gegenstände mitgehen…

Es ist unglaublich, was Glass für ein Überlebenswillen haben musste, um all das ohne vernünftige medizinische Behandlung zu überleben und sich alleine den Missouri entlangzuschleppen. Beim Lesen dachte ich immer wieder, wie gut wir es heute haben; wir haben alles was wir brauchen und noch viel mehr, während die Männer, die damals in der Wildnis unterwegs waren, ihr Feuer selbst anzünden mussten, Fallen selber bauen mussten und vor allen Dingen im Winter (!) unter freiem Himmel mit nichts als einer halben Wolldecke schlafen mussten. Für mich ist ja schon zelten im Sommer nicht wirklich etwas, aber diese monatelangen Wanderungen zur kältesten aller Jahreszeiten sprengen erst Recht meine Vorstellungskraft – und das alles nur in der Hoffnung auf Wohlstand und Reichtum. Hugh Glass ging es dabei aber sogar um noch viel mehr, nämlich in erster Linie um Rache. Er wollte nichts lieber, als sich an den Männern, die ihn einfach sein Schicksal überlassen haben, ganz ohne Waffen oder Werkzeug, zu rächen. Und auf diesem Weg dürfen wir ihn begleiten.

Michael Punkes Schreibstil ist sehr simpel und ohne viele Schnörkel. Teilweise klang er mir fast schon zu sachlich und trocken, ich hätte mir an vielen Stellen ehrlich gesagt schon irgendwie emotionalere Beschreibungen gewünscht, aber vielfach las es sich tatsächlich wie ein Überlebensbericht. Es war zwar nie langweilig, denn ein Abenteuer folgte dem nächsten, aber trotz allem war es mir einfach nicht wirklich möglich, eine Bindung zu Hugh Glass oder einem der anderen Charaktere aufzubauen – das ganze Buch blieb von Schluss bis Ende ziemlich distanziert und auch wenn wir sogar Ausschnitte aus der Vergangenheit der Protagonisten lesen durften, war mir das doch „zu wenig“, um mir als Sympathie oder eben Abneigung gegenüber den Figuren zu entwickeln.

„The Revenant“ gefiel mir trotzdem besser, als ich vielleicht erwartet hätte. Ich habe einiges dazugelernt und im Anhang gab es sogar noch einen kleinen Bericht darüber, was nach Ende des Buches mit den einzelnen Personen geschah und welche Teile der Geschichte rein fiktiv waren und welche sich tatsächlich so zugetragen haben. Das Buch lies sich unheimlich schnell lesen und war durchweg interessant – wenn auch wie gesagt leider ohne viele Gefühlsregungen oder Emotionen. Dementsprechend würde ich das Buch denjenigen empfehlen, die sich für historische Romane begeistern können, die nichts gegen viel Blut haben und die schon immer einmal wissen wollten, wie man Anfang des 19. Jahrhundert so völlig auf sich alleine gestellt überleben kann. Von mir bekommt „The Revenant“ 3.5 von 5 Sternen. Und ratet mal, wer sich jetzt wie verrückt auf den Film freut!

 Vielen Dank an den PIPER-Verlag für das zur Verfügung stellen dieses Rezensionsexemplares!

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6 Kommentare zu „[Rezension] Michael Punke: „The Revenant – Der Rückkehrer“

  1. Ich hab ja solche „Menschen sind der Wildnis ausgesetzt“-Geschichten irgendwie gern. Aber normalerweise geht das in die Richtung Aussteiger. Hört sich allerdings spannend an! Den Film werde ich definitiv gucken:)

    Liebe Grüße
    Eli

  2. Ich wusste gar nicht, worum es in dem Film/Buch geht, aber so Wildnis und Winter klingen schon ziemlich nach Dingen, die mich anfixen könnten. Schade, dass es so distanziert ist, das bewegt mich irgendwie dazu, doch eher nur den Film anzugucken :]

    1. Kann ich sehr gut nachvollziehen! Das Buch hätte so viel besser sein können, wenn es ein klein wenig persönlicher gewesen wäre – aber jetzt bin ich trotzdem ziemlich gespannt auf den Film, mal sehen, wie das umgesetzt wurde!

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