Bücher · Rezension

[Rezension] Ruta Sepetys: „Salt to the Sea“


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Ruta Sepetys / „Salt to the Sea“
Penguin Books Ltd. (UK), 04.02.2016
391 Seiten, Broschiert, 10,99 €
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Inhalt

It’s early 1945 and a group of people trek across Germany, bound together by their desperation to reach the ship that can take them away from the war-ravaged land. Four young people, each haunted by their own dark secret, narrate their unforgettable stories. Fans of The Book Thief or Helen Dunmore’s The Siege will be totally absorbed.

This inspirational novel is based on a true story from the Second World War. When the German ship the Wilhelm Gustloff was sunk in port in early 1945 it had over 9000 civilian refugees, including children, on board. Nearly all were drowned. Ruta Sepetys, acclaimed author of Between Shades of Grey, brilliantly imagines their story.

Meine Meinung

Der zweite Weltkrieg ist eine Kulisse, über die ich irgendwie schon immer gerne gelesen habe. Nicht, dass ich mir nicht wünschte, dieses Kapitel aus der Geschichte der Menschheit herausstreichen zu können, aber Bücher, die während dieser Zeit spielen und das Schicksal derjenigen Menschen schildern, die unter den damaligen Zuständen besonders litten, öffnet die Augen etwas weiter und zeigt umso deutlicher, weshalb wir all unsere Kraft darin investieren sollten, das Wiederkehren ebensolcher Situationen zu verhindern. Ruta Sepetys ersten Roman, „Und in mir der unbesiegbare Sommer“, habe ich erst im Herbst vergangenen Jahres gelesen, aber es wanderte schnurstracks auf die Liste meiner Herzensbücher. Und auch „Salt to the Sea“ konnte ich auf dieser Liste ergänzen – weil es ebenfalls ein wunderbares und trotz der Zeit, in der es spielt, warmherziges Buch ist, das mich sicherlich noch lange beschäftigen und berühren wird.

Sepetys schreibt in diesem Roman über den Lebensweg vier junger Menschen kurz vor Kriegsende, deren Wege sich kreuzen. Dabei wechseln sich die vier Perspektiven stets ab, was abwechslungsreich war und die jeweils anderen Perspektiven oft auch ergänzte. Zwar waren die Kapitel immer extrem kurz, oftmals sogar nur ein bis zwei Seiten, aber trotzdem waren sie so voller Gefühle, Gedanken, Hoffnungen und verdrängten Erinnerungen. Wie man das schaffen kann, ist mir eigentlich immer noch ein Rätsel. Nach und nach deckt sich die Vergangenheit der Charaktere nahezu häppchenweise auf und berührt den Leser am wundesten Punkt. Jede der Figuren hat interessante und unglaublich berührende und traurige Zeiten hinter sich. Gerade dadurch wirkte der Roman umso kraftvoller und ergreifender.

Sowieso ist es mir ein Rätsel, wie es Ruta Sepetys gelingt, so authentisch über etwas zu schreiben, das sie selbst gar nicht miterlebt hat. Schon in „Und in mir der unbesiegbare Sommer“ war ich überwältigt von Glaubwürdigkeit und Aufrichtigkeit ihrer Geschichte, die sich für mich, obgleich ich das Buch innerhalb eines Tages verschlang, so unfassbar quälend angefühlt hat. In „Salt to the Sea“ ging es mir wieder ganz ähnlich. Die Geschichte von dem sinkenden Schiff, all den Flüchtlingen darauf, die hilflos ertranken, hat mich extrem mitgenommen und wirkt noch immer in mir nach, obwohl ich das Buch bereits vor knapp zwei Wochen ausgelesen habe. Ich kann mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie sich die Betroffenen bei diesem Unglück gefühlt haben müssen und es hat mich ehrlich gesagt auch ein bisschen an die Flüchtlingssituation erinnert, die wir derzeit erleben. Das Ausmaß und die Intensität lassen sich nicht vergleichen, aber es sind dennoch zu viele Menschen auf dem Weg und in der Hoffnung auf ein friedliches Leben ertrunken, genau, wie die Menschen, die sich damals auf der Wilhelm Gustloff befunden haben.

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Über Ruta Sepetys Schreibstil brauche ich an dieser Stelle gar keine Ausführungen machen, denn sie ist tatsächlich eine der talentiersten Autorinnen, die mir so in den Sinn kommt. Auf welche Art und Weise sie Emotionen und Geschichten transferiert ist einzigartig, genau wie ihr Talent, unbekanntere historische Ereignisse, die sich tatsächlich so zugetragen haben, mit fiktiven Charakteren auszufüllen. Durch Bücher etwas über Geschichte zu lernen ist wohl das allerschönste was es gibt, vor allem dann, wenn die Geschichte, die man liest, so lebendig und wunderbar geschrieben ist, wie diese. Ich dachte eigentlich nie von mir, dass ich Historical Fiction als Genre einmal so mögen würde, aber gerade in den letzten ein, zwei Jahren ist mir klargeworden, das es inzwischen womöglich sogar mein liebstes Genre sein könnte.

Ich weiß, das klingt immer etwas übertrieben, aber wenn ihr auch nur ansatzweise Interesse an historischen Romanen habt und Charakteren, die man sofort ins Herz schließt, dann kauft euch dieses Buch, lest es und liebt es genauso sehr wie ich. Zwar würde ich empfehlen, zuvor „Und in mir der unbesiegbare Sommer“ („Between Shades of Gray“) zu lesen, weil ihr dadurch in „Salt to the Sea“ sogar einen großartigen „Aha“-Moment erleben dürftet (den ich auch hatte und den ich einfach ganz ganz wunderbar fand), aber letztendlich ist das natürlich wieder jedem Einzelnen überlassen. Ich will nur, dass jeder Mensch dieses Buch liest und den Figuren, dem Schreibstil und dem Handlungsverlauf genauso verfällt wie ich. Für mich ist „Salt to the Sea“ definitiv ein 5 Sterne Buch und schon jetzt eines meiner Highlights aus 2016. Und ich hoffe wirklich sehr, dass Ruta Sepetys mich vielleicht bald schon wieder mit einer so einzigartigen und eindrucksvollen Geschichte zu Tränen rühren kann.

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13 Kommentare zu „[Rezension] Ruta Sepetys: „Salt to the Sea“

  1. Hallo! Sehr schöne Rezi! Between Shades of Gray ist auf meinem Winter-SUB, ich hoffe, ich kann es ganz bald lesen. Hab schon wahnsinnig viel Gutes darüber gehört. Und was du über Salt to the Sea schreibst, klingt auch richtig toll. Hab das Buch auch gleich mal auf meine Wunschliste gepackt. Bin schon sehr gespannt, wie mir Between Shades of Gray gefallen wird. Gut zu wissen, dass ich mir gleich ein weiteres Buch von der Autorin besorgen kann, sollte ich auch so begeistert davon sein wie die meisten. Und ich muss sagen, das Cover sieht echt toll aus!
    Liebe Grüße, Jen

    1. Danke für deinen Kommentar! Ich hoffe wirklich sehr, dass dich „Between Shades of Gray“ genauso begeistern kann, ich fand das Buch wirklich richtig richtig toll und vor allem auch anders!
      Liebe Grüße, Liesa :)

  2. “Und in mir der unbesiegbare Sommer” steht schon länger auf meiner Liste und das sogar, obwohl ich nur ganz selten historische Romane lese. Wahrscheinlich werde ich mir auch “Salt to the Sea” zulegen, denn die Geschichte klingt echt interessant. Danke für die Empfehlung!

    1. Ich kann es dir wirklich nur empfehlen – historische Romane waren lange auch nicht mein Ding, aber inzwischen sind es eigentlich die spannendsten und emotionalsten für mich. :)

  3. Sepetys konnte mich mit „Out of the Easy“ und besonders „Between Shades of Gray“ begeistern. Für die Thematiken über die sie schreibt, ist ihr Schreibstil einfach so perfekt einfühlsam! Hoffentlich schreibt sie noch viele weitere Bücher in diesem Genre!
    Von dem Aha-Moment habe ich auch schon gehört, da freue ich mich gleich doppelt aufs Lesen :)

    Liebe Grüße,
    Bramble

    1. „Out of the Easy“ muss ich unbedingt noch lesen, ich habe die Autorin ja erst vor kurzem für mich entdeckt und hatte daher noch nicht die Gelegenheit, alles zu lesen. „Salt to the Sea“ ist aber auf jeden Fall mein Favorit von ihr bisher, wenn nicht sogar ein Favorit für das gesamte Jahr. Ich hoffe, du wirst beim Lesen genauso viel Freude finde wie ich!

      Ganz liebe Grüße, Liesa :)

      1. „Out of the Easy“ gefiel mir auch sehr gut, besonders das Setting und die sehr sympathische Protagonistin; eine Leseratte, also eine Gleichgesinnte.^^ Den Stil fand ich aber in „Between Shades of Gray“ fast noch schöner und passender.
        Dankeschön, den Wunsch kann ich dann mit „Out of the Easy“ nur zurückgeben! :D

      2. Ich habe es mir auch schon direkt bestellt – mal sehen, wie lange Thalia dieses Mal braucht, um es zu liefern, aber ich bin schon sehr gespannt und freue mich auf das Buch. Vielen Dank! :)

  4. Danke für deine Rezension, nun bin ich mir sicher, dass ich es mir kaufen werde, denn es ist die Art von Buch, die ich mag. Ich habe es viel auf Insta gesehen und auch ein paar mal bei Thalia, aber immer gehadert. Das wird sich ändern

    1. Ich freu mich immer wieder, wenn ich jemanden umstimmen kann! :D Danke für deine vielen „Gefällt mir“ und den Kommentar – ich hoffe ganz doll, dass dich das Buch auch so begeistern wird wie mich!

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