Bücher · Rezension

[Rezension] Sofie Cramer: „Der Himmel kann warten“


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Sofie Cramer / „Der Himmel kann warten“
Rowohlt Verlag, 18.12.2015
320 Seiten, Broschiert, 9,99€

Inhalt

Lilly würde alles geben, um noch einmal das Meer zu sehen. Beim Cellospielen eine Gänsehaut zu bekommen, beim Küssen Schmetterlinge im Bauch zu spüren: Sie will jeden Moment genießen. Denn sie weiß, wie kurz das Leben sein kann.
Len hat alles aufgegeben: seine Musik, seine Freunde und vor allem sich selbst. Seit jenem tragischen Tag vor zwei Jahren ist jeder Moment eine Qual. Denn er weiß, wie grausam das Schicksal sein kann.
Lilly und Len. Beinahe wären sich nie begegnet. Beinahe hätten sie es nicht gewagt – das Abenteuer ihres Lebens. Aber manchmal muss der Himmel einfach warten …

Meine Meinung

So komisch das vielleicht klingen mag, aber ich lese eigentlich ganz gerne Bücher, die sich intensiv mit dem Tod und den verschiedenen Ängsten, die damit zusammenhängen, auseinandersetzen und beschäftigen Es ist traurig, natürlich, aber letztendlich finden wir alle das gleiche Ende, auch wenn es sich so weit entfernt anfühlt. Gerade in Romanen ist der Tod ein häufig gewähltes Thema – schließlich gibt es viele Bücher, die direkt damit beginnen, dass eine geliebte Person verstorben ist und der Protagonist nicht weiß, wie er sein eigenes Leben nach diesem schweren Schicksalsschlag weiterleben soll. „Der Himmel kann warten“ hat den Tod ebenfalls als zentrales Thema, allerdings aus einer teilweise anderen Perspektive. Während Len tatsächlich den Tod seines jüngeren Bruders einfach nicht verarbeiten kann, leidet Lilly an einer Herzkrankheit, durch die sie fast täglich mit dem Thema Sterben konfroniert wird.

Sofie Cramer erzählt abwechselnd über Lilly und Len, ihren Freunden und ihrer Familie. Bevor die beiden sich überhaupt kennenlernen, erfahren wir erst einmal genaueres darüber, wie beide leben und welche Gedanken und Gefühle sie tagtäglich belasten. Besonders wichtig schien mir dabei die Darstellung der häuslichen Situation beider Figuren – während Lilly in einer sehr wohlhabenden und fast schon zu gluckenhaften Familie aufwächst, hat Len seit dem Tod seines Bruders überhaupt keine gute Beziehung mehr zu seinen Eltern und fühlt sich ihnen völlig fremd. Für ihn fühlt es sich so an, als wäre der „falsche“ Sohn gestorben und als würde es der Familie besser gehen, wenn statt seines Bruders er gestorben wäre. Schade finde ich, dass wir Lens Eltern nur einmal zu Beginn des Buches begegnen und er sich später kaum noch mit ihnen und der derzeitigen Situation auseinandersetzt. Gerade diese Probleme sind so lebensnah und wenn man dergleichen schon anschneidet, sollte man sich auch ein bischen intensiver damit auseinandersetzen. Aber nicht nur familiär, auch sonst könnten Lilly und Len kaum unterschiedlicher sein – während Lilly trotz ihrer Krankheit Jahrgangsbeste war und klassische Musik liebt – sie spielt selber Violoncello -, ist Len Schulabbrecher, der sich zwar auch für Musik begeistert, aber nach dem Tod seines Bruders seine Band aufgelöst und kaum noch Songs geschrieben hat.

Die restliche Geschichte ist durchaus nichts wirklich neues – in einem Forum findet Lilly einen Songtext von Len, woraufhin sie ihn anschreibt. Die beiden chatten immer mehr und schließlich überredet Len Lilly dazu, ihr dabei zu helfen ihren Traum zu erfüllen und in einem Konservatorium in Wien vorzuspielen. Die beiden haben eine unglaublich tolle Zeit miteinander, verlieben sich und kehren erst später wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Was mir positiv auffiel war, dass Len und Lilly nicht schlagartig gleich zu Beginn aufeinander getroffen sind und dass ihre Annäherungen auch sonst nicht von einer Sekunde auf die nächste erfolgten, sondern sich eher gemächlich entwickelte. Irgendwie ist das viel zu selten in Büchern so, dass sich das Verknalltsein erst langsam entwickelt und ich war froh, dass das hier keine insta-love-Geschichte war – das hätte auch einfach nicht zu dem ernsten Thema des Romans gepasst.

Was mir allerdings weniger gut gefiel, und das tut mir schon fast ein bisschen Leid, war der Schreibstil. Teilweise war ich wirklich erschrocken, wie gestelzt das Buch klang und wie dadurch sämtliche Emotionen zwischen den Zeilen flöten gegangen sind. Zwischenzeitlich lasen sich die Passagen, als würde die Autorin versuchen, krampfhaft irgendwelche Gefühle rüberzubringen, was aber zumindest bei mir nicht wirklich gelang. Flüssig las es sich trotz alledem, aber irgendetwas störte mich am Schreibstil ganz gewaltig, ich kann selbst nicht genau sagen, was das war, aber für mich klang vieles einfach so unecht und lebensfern – schade! Gerade dadurch habe ich auch bis zur letzten Seite nicht so wirklich den Draht zu den Figuren gefunden und gerade deswegen fehlte es mir auch an der notwendigen Tiefe, die das Thema, über das die Autorin schreibt, zwingend voraussetzt.

Das Ende wiederum war zwar möglicherweise mehr als vorhersehbar, aber mich hat es dennoch zufrieden gestellt, wenn auch nicht wirklich emotional berührt. Zum Nachdenken hat mich das Buch leider auch nicht wirklich angeregt – und eigentlich war das etwas, was ich mir davon erhofft hatte. Letztendlich ist „Der Himmel kann warten“ eine ganz nette und etwas traurige Geschichte über das Leben, den Tod und der Zeit, die uns dazwischen zur Verfügung steht. Nachhaltig beeinflussen oder beeindrucken konnte es mich zwar nicht wirklich – mir fehlte einfach ein spannenderer Schreibstil, markantere Charaktere und das gewisse Etwas – aber es ist auch nicht so, als würde ich bereuen, dieses Buch gelesen zu haben. Trotz all der negativen Punkte, die sich in meiner Rezension gerade so angesammelt haben, fand ich das Buch in Ordnung, werde aber in Zukunft vermutlich die Finger von Sofie Cramer lassen, weil mir der Schreibstil einfach nicht zusagte. Deswegen gibt es 2,5 von 5 Sternen.

Danke an den Rowohlt Verlag für das Zusenden eines Rezensionsexemplares!

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