Bücher · Inspirierende Personen · Rezension

[Rezension] Jens Andersen: „Astrid Lindgren. Ihr Leben“


DSC_0017-001 Jens Andersen / „Astrid Lindgren. Ihr Leben“
DVA, 28.09.2015
454 Seiten, Gebunden, 26,99€

Inhalt

Vor siebzig Jahren begann Astrid Lindgrens außerordentliche Karriere als Schriftstellerin. Auf Pippi Langstrumpf folgten Bücher, die die Kinderliteratur revolutionierten – und ihre Autorin schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden ließen. 2002 verstarb Lindgren 94-jährig; man kannte sie als engagierte Frau, die für Frieden, Gerechtigkeit und die Rechte von Kindern eintrat. Jens Andersen erzählt in seiner preisgekrönten Biografie „ihr Werk und Leben erschreckend neu“ (SZ). Über Jahre hinweg studierte er unveröffentlichte Quellen, und so kommt eine Autorin zu Wort, die nicht nur weltweit Erfolge feiern durfte, sondern Einsamkeit und Trauer kannte und ein Leben lang von Schuldgefühlen geplagt war, weil sie ihren unehelichen Sohn bei Pflegeeltern hatte unterbringen müssen. Zugleich aber erzählt Jens Andersen eine Geschichte von Moderne und Modernisierung – Astrid Lindgren, die das 20. Jahrhundert miterlebt und mitgeprägt hat, wird zu einer bewundernswerten Ikone des Jahrhunderts der Gleichberechtigung.

Meine Meinung

Anlässlich des Internationalen Frauentags, der diese Woche ja war, erschien es mir passend, über die Biografie von Astrid Lindgren, geschrieben vom Dänen Jens Andersen, der 2006 schon Hans Christian Andersen porträtierte, zu reden – viele von euch werden wissen, dass ich generell etwas verrückt nach Skandinavien bin und speziell eine Schwäche für Tove Jansson und eben auch Astrid Lindgren habe. Für mich war sie schon immer eine Art Kindheitsheldin und auch heute, wo ich bereits erwachsen bin oder es zumindest sein sollte, ist sie für mich eine der inspirierendsten und faszinierendsten Persönlichkeiten.

Ich muss gestehen, ich schaue nicht oft über den Bücherrand und widme mich dem Lebensweg der Autoren und Autorinnen, die mir gefallen. Meist ist die traurige Wahrheit, dass mich einzig und allein die Werke interessieren, nicht die Person, die dahintersteckt. Über Astrid Lindgren wusste ich dagegen schon immer viel – ich weiß gar nicht, warum sie in der Hinsicht eine solche Ausnahme bildet, aber ihre Geschichte fand ich schon immer spannend und ich habe auch schon die ein oder andere Dokumentation über ihr Leben geschaut. Ihre Bücher waren durchweg Lieblingsbücher in meiner Kindheit und ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass all diese wunderbaren Geschichten ein und demselben Kopf entsprungen sind. Für mich war es unbegreiflich, wie so viele Ideen und so viele tolle Figuren von nur einer Person erfunden werden konnten. Ich möchte in dieser Rezension aber dennoch weniger auf Astrid Lindgrens Biografie eingehen – wer sich dafür interessiert, der sollte nämlich selber zum Buch greifen, denn ich möchte keinesfalls irgendetwas vorwegnehmen oder ihren Lebensweg in Kurzfassung niederschreiben – sondern eher auf das Buch im Allgemeinen und wie sich das Lesen angefühlt hat.

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Andersen schreibt sehr klar und detailliert und ich war von Anfang an begeistert davon, in diesen Lebensstrudel von Astrid Lindgren eingesogen zu werden. Der Autor widmet sich ausführlich jedem bedeutsamen Punkt in ihrem Leben und das nicht nur von außen, sondern indem viele persönliche Schriftstücke von Lindgren mit einbezogen wurden. Das gefiel mir unheimlich gut, denn so hatte ich das Gefühl, dass das alles wirklich stimmte, was dort stand und darüber hinaus fühlten sich viele Dinge wesentlich vertraulicher und intimer an, so, als würde eine gute Freundin einem etwas erzählen. Für mich war es ein großer Pluspunkt, dass Andersen die Lebensgeschichte von Astrid Lindgren nicht distanziert beschrieben hat, sondern wirklich mühsam passende Tagebuchausschnitte, Briefe oder andere Notizen zur Ergänzung herangezogen hat. Dazu zählen auch die zahlreichen Fotografien oder Notizbuchausschnitte, die in das Buch eingefügt wurden und alles so viel lebendiger und schöner gemacht haben.

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Ohne viel um den heißen Brei zu reden, aber auch, ohne der schwedischen Kinderbuchautorin Honig um das Maul zu schmieren, zeichnet Andersen ein faszinierendes Bild dieser außergewöhnlichen Frau und versucht dabei stets, ihrer großartigen Persönlichkeit gerecht zu werden, ihre Gefühle in der jeweiligen Lebenssituation nachzuvollziehen und für den Leser anhand der persönlichen Schriftstücke zu belegen. Astrid Lindgren hatte es fürwahr nicht immer so leicht, wie es scheint. Viele Niederschläge und Krisen begleiteten sie durch ihr Leben – umso bewundernswerter, dass sich diese Frau nie hat unterkriegen lassen, dass sie immer stark geblieben ist, sich selbst treu geblieben ist und ihren Einfluss, den sie dank ihrer unglaublichen schriftstellerischen Karriere hatte, auch für politische Dinge genutzt hat, sich stark gemacht hat für die Schwächeren, immer ihrem Moralgefühl gefolgt ist und das nie auf eine gewaltsame oder bäsartige Art und Weise, sondern mit Verstand, Fingerspitzengefühl und auch Humor. Ich hatte schon vor dem Lesen dieser Biografie ein positives Bild der Autorin, aber diese Biografie hat mir noch einmal gezeigt, was für ein beeindruckender Mensch Astrid Lindgren wirklich war. Vielen Dinge, die in dem Buch Erwähnung fanden, habe ich nicht einmal gewusst – etwa, dass Astrid Lindgren damals die von Tove Jansson illustrierte Ausgabe von Tolkiens „Der kleine Hobbit“ initiiert hat – für mich war das vermutlich das Highlight des Buches, weil ich beide Frauen wie gesagt unheimlich gerne mag und sympathisch finde.

Positiv ist daneben übrigens auch, wie hochwertig sich dieses Buch angefühlt hat. Die ganze Aufmachung war unglaublich schön und auch die Fotografien, die sich im Inneren befunden haben, waren hochauflösend und hochwertig. Man merkt geradezu, dass viel Arbeit in dieses Buch gesteckt wurde und das verdient wirklich Anerkennung.

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Wer mit Astrid Lindgrens Büchern aufgewachsen ist, aber sonst nicht viel über die Autorin weiß, dem würde ich auf jeden Fall dazu raten, zu dieser bewegenden Biografie zu greifen, denn sie gewährt einen eindrucksvollen Blick hinter die Fassade dieser einzigartigen Frau. Die Einbindung von Astrids persönlichen Schriftstücken sowie zahlreicher Fotografien machen diese Biografie in meinen Augen besonders spannend und hochwertig und sorgen dazu für eine besonders persönliche Note – und das, obwohl diese Biografie ohne jegliche Mitarbeit der bereits verstorbenen Autorin entstanden ist. Für diesen wunderbaren Abriss über Astrid Lindgrens Leben vergebe ich deswegen 4.5 von 5 Sternen.

Dieses Buch wurde mir vom Randomhouse Bloggerportal als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür!

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3 Kommentare zu „[Rezension] Jens Andersen: „Astrid Lindgren. Ihr Leben“

  1. Richtig schöne Bilder – so schöne Worte: Kommt auf meine Wunschliste!
    Ich habe zuletzt ihre bis dato unveröffentlichten Tagebücher in der Hand gehabt und liebe die Gestaltung total.
    Aber das hier scheint auch ein Schatz zu sein!

    Liebe Grüße,
    Ramona

  2. Die Bücher von Astrid Lindgren erinnern mich auch total an meine Kindheit und tatsächlich ist sie auch eine der Autorinnen, über die ich verhältnismäßig viel Hintergrund weiß. Liegt wohl vor allem an den zahlreichen Dokumentationen, die es über sie gibt. Ich bin da schon öfters beim Durchzappen im Fernsehen an welchen hängen geblieben. Das Buch hört sich aber auf jeden Fall sehr lesenswert an und ist daher gleich mal auf meine Wunschliste gewandert :)
    Liebe Grüße,
    Jennifer

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