Bücher · Rezension

[Kurzrezension] Leslye Walton: „The Strange and Beautiful Sorrows of Ava Lavender“


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Leslye Walton / „The Strange and Beautiful Sorrows of Ava Lavender“
Candlewick (via Amazon), 22.09.2015
320 Seiten, Broschiert, 8,25 €

Inhalt

Magical realism, lyrical prose, and the pain and passion of human love haunt this hypnotic generational saga.
Foolish love appears to be the Roux family birthright, an ominous forecast for its most recent progeny, Ava Lavender. Ava—in all other ways a normal girl—is born with the wings of a bird.
In a quest to understand her peculiar disposition and a growing desire to fit in with her peers, sixteen-year old Ava ventures into the wider world, ill-prepared for what she might discover and naïve to the twisted motives of others. Others like the pious Nathaniel Sorrows, who mistakes Ava for an angel and whose obsession with her grows until the night of the Summer Solstice celebration.
That night, the skies open up, rain and feathers fill the air, and Ava’s quest and her family’s saga build to a devastating crescendo.

Meine Meinung

(+) Viele Bücher erzählen einfach nur eine Geschichte, einige wenige schaffen es, dabei eine unbeschreibliche und intensive Atmosphäre zu schaffen, die Gänsehaut verursacht, Nervenkitzel und den unbändigen Wunsch mit den Buchstaben zu verschmelzen und Teil der Geschichte zu werden. „The Strange and Beautiful Sorrows of Ava Lavender“ ist definitiv ein solches Buch und das liegt nicht zuletzt daran, dass magischer Realismus ohnehin diese ganz besondere Stimmung hat, dieses „ich weiß, dass sowas in der Realität nicht geht, aber stell dir nur vor, das wäre tatsächlich Wirklichkeit, so abwegig ist das doch eigentlich gar nicht“ Gefühl. Das Buch ist besonders und merkwürdig und schön und ganz ehrlich – magischer Realismus hin oder her – dieses Buch fühlte sich trotz allem an vielen Stellen so real und echt an.

(+) Die Geschichte, die auf diesen 300 Seiten erzählt wird, ist die Familiengeschichte von drei Frauen unterschiedlicher Generation, die alle einzigartig und wundervoll auf ihre eigene Weise sind. Ein bisschen hat mich diese Erzählstruktur an „Middlesex“ erinnert, auch wenn die Handlung natürlich eine komplett andere ist, aber dieser rote Faden einer Familiengeschichte gefiel mir schon in dem Roman von Jeffrey Eugenides (der im Übrigen auch unfassbar empfehlenswert ist und ein extrem interessantes und sensibles Thema anspricht) sehr gut und in „Ava Lavender“ ging es mir ganz genauso, nicht zuletzt, weil die Frauen so einzigartige und faszinierende Charaktere waren, die nicht eindimensional daherkamen, sondern trotz der Kürze des Buches unglaublich prägnant und real wirkten.

(+) Leslye Walton ist in meinen Augen eine unfassbar talentierte Schriftstellerin. Zum einen natürlich, wegen dieser zauberhaften Geschichte, die sie mit „Ava Lavender“ geschrieben hat, zum anderen, weil sie, obgleich dieses Buch ihr Debütroman ist, bereits jetzt eine so schöne und klare und schnörkellose aber dennoch extrem emotionale und bildhafte Sprache beherrscht. Gerade dadurch wurde es überhaupt möglich, diese ganz besondere und sonderbare Atmosphäre dieses Buches zu erzeugen. Das ist eigentlich unglaublich, dass es Autoren gibt, denen es nur mit Worten gelingt, eine so dichte und berührende Stimmung zum Leser zu transportieren und das, ohne dass es überanstrengt oder gar künstlich wirkt.

(+) Das Buch ist zwar eines, das sich sehr schnell lesen lässt, aber keines, das man schnell wieder vergisst. Für mich ist es sofort zu einem Favoriten geworden und es ist eines der Bücher, das mich daran erinnert, weswegen ich so gerne lese – nämlich nicht nur, um der Realität zu entfliehen, sondern auch, um mir eine etwas andere, surreale und gar magische Realität vorzustellen, in der die surrealen/magischen Elemente aber gar nicht als solche deklariert werden, sondern die vollkommen selbstverständlich und ohne viel Aufstand und Gerede in die Geschichte einfließen und sie dadurch zu einer wirklich einzigartigen machen.

(-) Das Buch war viel zu kurz und es gibt bisher noch keinen anderen Roman von Leslye Walton. Ich werde sie aber definitiv im Auge behalten und mich, sobald ein neues Buch von ihr erscheinen sollte, sofort darauf stürzen!


Was sind eure Erfahrungen mit magischem Realismus – begeistert er euch so sehr wie mich oder werdet ihr durch surreale Elemente in einer realen Welt eher abgeschreckt? Habt ihr vielleicht Buchtipps, die in eine ähnliche Richtung gehen?

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2 Kommentare zu „[Kurzrezension] Leslye Walton: „The Strange and Beautiful Sorrows of Ava Lavender“

  1. Schon allein wegen des wundervollen Titels, wäre das Buch auf meine Wunschliste gehoppst. :D
    Geschichten, die mehrere Generationen miteinbeziehen haben für mich immer irgendetwas einnehmendes. Vermutlich, weil die ganze Familienstruktur und der Hintergrund eines Charakters komplexer wird, wenn man familiäre Verhältnisse vor Augen geführt bekommt. Zudem sind die ganz oft mit irgendwelchen Geheimnissen verbunden und ich finde es furchtbar spannend und unterhaltsam diese während des Lesens zu enträtseln.
    Mit Büchern aus dem Bereich des magischen rRalismus habe ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht, auch wegen der dichten, besonderen Atmosphäre – von der lasse ich mich gerne einlullen – und weil es toll ist sich auszumalen: Was wenn das wirklich existieren würde?

    Liebe Grüße,
    Bramble

  2. Das klingt nach einem richtig tollen Buch. Ich mag Magischen Realismus total gerne, irgendwie bleiben mir diese Bücher immer ganz besonders in Erinnerung. Hast du es schon mal mit Haruki Murakami probiert? Seine Bücher sind fast alle magical realism und toll geschrieben. Du hast mir jetzt auf jeden Fall Lust gemacht, das Buch sofort zu kaufen und zu lesen :)

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