Bücher · Rezension

[Rezension] Zadie Smith: „London N-W“


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Zadie Smith / „London N-W“
Goldmann Verlag, 15.02.2016
432 Seiten, Broschiert, 9,99€

Inhalt

Leah und Natalie wachsen in einer Hochhaussiedlung auf – immer das Ziel vor Augen, ihr Zuhause eines Tages zu verlassen und etwas Größeres, Besseres aus ihrem Leben zu machen. Doch auch dreißig Jahre später sind sie nicht richtig weit gekommen. Nur Natalie hat es scheinbar geschafft. Als erfolgreiche Anwältin gibt sie vornehme Dinnerpartys, auf denen sich ihre Freundin Leah alles andere als wohlfühlt. Überhaupt sind Natalie und Leah blind für die Probleme der jeweils anderen, neiden einander das vermeintlich perfekte Leben. Bis eine Fremde an Leahs Tür klingelt, um sie um Hilfe zu bitten – und die Ereignisse sich überschlagen …

Meine Meinung

Der Klappentext klang vielversprechend und irgendwie ist Zadie Smith eine Autorin, die unter Bookstagrammern immer mal wieder auftaucht und mich auf diesem Weg neugierig gemacht hat. Erwartet habe ich eine Art Frauenroman mit Botschaft aber auch viel Frauenromankram eben, aber schon nach der ersten Seite wusste ich, dass „London N-W“ anders ist und ganz andere Dinge bereithält, als die typischen Chicklit-Elemente. Das Buch ist in verschiedene Teile aufgeteilt und jeder Teil wird aus der Perspektive eines anderen Charakters erzählt. Im Vordergrund stehen dabei Leah und Natalie, die beide seit Ewigkeiten befreundet sind, aus derselben Hochhaussiedlung stammen und sich mit der Zeit weiterentwickelt und teilweise auch auseinandergelebt haben.Beide wollten etwas aus ihrem Leben machen,sind dabei aber völlig unterschiedliche Richtungen gegangen. Und auch wenn sie es scheinbar geschafft haben, dem Armutsviertel zu entkommen, sind sie so ganz zufrieden mit ihrem Leben auch nicht.

Zadie Smith schreibt die Geschichte in einer sehr eigenwilligen Art und Weise, die ich anfangs als etwas störend empfand aber nach und nach immer gelungener und passender fand. Allerdings hatte ich oftmals das Gefühl, dass zu viele Geschichten angefangen wurden, aber dann als lose Fäden offen herumlagen – für mich war der Roman nicht als Ganzes abgeschlossen und ich hatte auch nicht immer das Gefühl, dass es einen roten Faden gab, was sehr schade war. Manche Dinge hätte ich mir viel ausführlicher gewünscht, während andere in meinen Augen eine Kürzung ganz gut vertragen hätten.

Die ganze Geschichte hat so viel Potential – es geht um Glück und Schicksal und Rassismus und harte Arbeit und Sex und Liebe und starke Charaktere aber es hat sich für mich leider nicht immer angefühlt, als würde das ganze Potential auch ausgeschöpft worden. Gerade die Beziehungen zwischen den Charakteren hätte ich mir ausführlicher gewünscht und auch, was sie denken und fühlen und wollen. Bis zum Schluss blieben mir Leah und Natalie total fremd, ich fühlte mich einfach nicht wirklich in die Geschichte eingebunden und konnte keinen Draht zu irgendeinem der Protagonisten finden. Trotz allem gefiel mir sehr gut, wie die verschiedenen Themen in den Roman eingeflochten wurden und ich war überrascht, wie sehr ich das Lesen genossen habe, obwohl die Art und Weise, in der der Roman geschrieben ist, eigentlich nicht mein üblicher Lesestoff ist.

Interessant war, das der Schreibstil und die Erzählweise, die ohnehin schon sehr ungewöhnlich und eigen waren, sich in den verschiedenen Teilen nochmals voneinander unterschieden. Ich denke, dies war der Tatsache geschuldet, den jeweiligen Charakteren treu zu bleiben und ihrer Persönlichkeit gerecht zu werden, was in meinen Augen auch gelungen ist, obgleich es sich zeitweise an einigen Passagen schon sehr anstrengend las, man manche Sätze auch mehrmals lesen musste, um den tatsächlichen Sinn zu ergründen und zu verstehen, was genau gemeint ist.

„London N-W“ hat zumindest versucht, mich in komplett unbekannte Charaktere hineinversetzen zu lassen und mich ein bisschen aus meiner Comfort Zone gelockt und das auf eine doch positive Art und Weise. Trotz allem gab es für mich zu viele Unstimmigkeiten, der Roman fühlte sich zu unvollständig an und es war nicht immer leicht, dem Verlauf der Geschichte zu folgen und die Querverweise und das, was zwischen den Zeilen stand, herauszulesen. Der Roman bekommt daher von mir 3 von 5 Sternen. Da ich viel positives über Zadie Smith’s andere Bücher gehört habe, bin ich mir sicher, dass es nicht mein letztes von ihr gewesen sein wird – ihr klugen Gedanken und interessanten Geschichten haben mich bereits in diesem Buch faszinieren können, sodass ich ganz bestimmt bald das nächste lesen werde!

Vielen Dank an das Bloggerportal für das Zusenden dieses Rezensionsexemplars!

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2 Kommentare zu „[Rezension] Zadie Smith: „London N-W“

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