Bücher · Rezension

[Rezension] Jojo Moyes: „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“


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Jojo Moyes / „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“
(engl. „The Ship of Brides“)
Rowohlt Verlag, 26.02.2016
512 Seiten, Broschiert, 14,99€

Inhalt

Australien 1946. Sechshundert Frauen machen sich auf eine Reise ins Ungewisse. Ein Flugzeugträger soll sie nach England bringen, dort erwartet die Frauen ihre Zukunft: ihre Verlobten, ihre Ehemänner – englische Soldaten, mit denen sie oft nur wenige Tage verbracht hatten, bevor der Krieg sie wieder trennte. Unter den Frauen ist auch die Krankenschwester Frances. Während die anderen zu Schicksalsgenossinnen werden, ihre Hoffnungen und Ängste miteinander teilen, bleibt sie verschlossen. Nur in Marinesoldat Henry Nicol, der jede Nacht vor ihrer Kabine Wache steht und wie sie Schreckliches erlebt hat im Krieg, findet sie einen Vertrauten. Eines Tages jedoch holt Frances ausgerechnet der Teil ihrer Vergangenheit ein, vor dem sie ans andere Ende der Welt fliehen wollte …
Ein berührender Roman über Hoffnung, Schicksal und Liebe – inspiriert von Jojo Moyes’ eigener Familiengeschichte.

Meine Meinung

Ich wollte vor längerer Zeit schon mal einen Post über die Autoren machen, bei denen ich automatisch zu jeder Neuerscheinung greife, aber irgendwie war meine Liste an diesen „auto-buy-authors“ einfach nicht lang genug und deswegen verwarf ich die Idee wieder. Eine Autorin, die sich seit ihrem Debütroman aber auf jeden Fall auf dieser Liste wiederfinden darf, ist Jojo Moyes. Ich könnte an dieser Stelle ein Loblied auf ihre Bücher singen, auf ihr Ideenreichtum und ihre wunderbaren Protagonisten, aber heute soll es einzig und allein um „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ gehen, das erst seit kurzem in deutschen Buchhandlungen ausliegt und das ich – verglichen mit meinem derzeitigen doch eher langsamen Lesetempo – mal wieder innerhalb kürzester Zeit ausgelesen habe.

Der Roman begleitet vier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, auf ihrer Reise von Australien nach England, wo sie nach dem Krieg mit ihren Ehemännern, die sie größtenteils nur flüchtig kannten, leben sollten. Das Schiff, auf dem sich die Handlung abspielt, ist eigentlich kein wirkliches Schiff, sondern nur ein Flugzeugträger und das Zusammenleben in engen, teilweise stinkenden Kojen mit 600 anderen Bräuten ist nicht immer einfach. Jede der vier Frauen, von denen wir lesen dürfen, hat etwas auf dem Herzen, trägt Probleme mit sich herum, auch wenn das nach außen nicht immer deutlich wird. Die in sich gekehrte Frances, die snobistische Avice, die quirlige Margarete und das naive Nesthäkchen Jean. Am meisten ans Herz gewachsen ist mir dabei Margarete, die so liebenswürdig und lebensfroh war und mit all ihren Zweifeln so gelassen umging – ich habe mir oft gewünscht, mir einfach eine Scheibe von ihr abschneiden zu können. Aber nicht nur die vier Frauen spielten eine größere Rolle, nein Moyes lässt uns auch in den Kopf des Marinesoldaten Nicols blicken, der die Koje der vier bewacht und ebenfalls voller Sorgen und Zweifel ist und auch der alte Kapitän erzählt die Geschichte seiner letzten Reise als Kapitän auf der Victorious, die mit den ein oder anderen Beschwerden bei ihm einhergeht.

Sechs Wochen dauert diese Schiffsreise, aber ganz ehrlich – Langeweile kommt nicht auf und auf der Victorious ist immer etwas los. In Vorlesungen und Kursen werden die Bräute auf ihr neues Leben in Großbiritannien, das noch vom Krieg gezeichnet ist, vorbereitet. Dabei befinden sich Mädchen jeden Alters, jeder gesellschaftlichen Schicht auf dem Boot, was für viel Aufregung aber auch Spaß sorgt, weil es gerade zwischen den wohlhabenderen Mädchen zu richtig schön herablassenden Schlagabtäuschen kommt. Nach und nach decken sich auch die Geheimnisse jeder unserer Protagonistinnen auf – die einzige, die dabei aber stets verschlossen bleibt, ist, Frances, die im Krieg als Krankenschwester gedient hat und die die Reise nach Großbritannien nutzt, um vor ihrer Vergangenheit zu fliehen. Mein Mitgefühl für sie war unendlich, als der Grund für ihre „Flucht“ aus Australien dann doch ans Licht kam, aber ich möchte wirklich nicht zu viel verraten, was die Handlung angeht und ziehe deswegen hier vorsorglich einen Strich.

Jojo Moyes hat einen unfassbar fließenden Schreibstil und sie schreibt solche Bücher, bei denen die Seiten nur so davonfliegen. In diesem hier hat sie gleichzeitig versucht, sich der Sprache, die in den 40ern gängig war, anzunehmen und ich finde, das ist ihr wirklich gut gelungen. Man merkt – nicht nur der Handlung und Gesprächsinhalte wegen – dass das Buch nicht heute spielt, sondern dass die Figuren einer ganz anderen Zeit als wir entstammen. Den Roman dürfen wir übrigens sogar noch in mein Lieblingsgenre Historical Fiction eindecken, denn die Überfahrt von 600 australischen Frauen nach Plymouth auf einem Flugzeugträger gab es 1946 wirklich. Jojo Moyes‘ Großmutter war sogar eine derjenigen, die sich damals auf diesem Schiff befanden. Zwar ist die restliche Handlung rein fiktiv, aber ich fand es trotzdem richtig spannend, über etwas lesen zu dürfen, das so ähnlich tatsächlich geschehen ist und finde es großartig, dass Moyes sich von einer eigenen Familiengeschichte zu diesem Buch inspirieren ließ. Außerdem war jedem Kapitel ein originaler Zeitungsausschnitt oder dergleichen vorangestellt, der sich auf die Bräute und die Victorious bezog, was oftmals ziemlich amüsant zu lesen war.

Was mich einzig etwas störte, war die Einbettung der Geschichte in die Gegenwart. Mir scheint, als hätte Jojo Moyes generell einen Hang dazu, alten Geschichten immer auch einen Bezug zur Gegenwart zu geben, denn irgendwie ist das ein Element, das ich in ihren Büchern schon öfter gelesen habe. An sich finde ich das auch nicht schlecht, aber bei „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ hat es mich ehrlich gesagt gestört und war meiner Meinung nach für die Geschichte auch nicht notwendig, da diese eindrucksvoll genug war. Dadurch fiel mir der Start in das Buch, der mit einer Szene, die in der Gegenwart spielte, begann, ganz schön schwer und ich fand ihn ehrlich gesagt dadurch auch ziemlich holprig.

Insgesamt ist es Jojo Moyes aber wieder einmal gelungen, mich von ihrem Schreibstil und ihrer Geschichte zu verzaubern und zu faszinieren. Ich habe mit all den Figuren, auch denen, die mir vielleicht nicht ganz so sympathisch waren, mitgefiebert, mitgelitten und konnte es kaum erwarten, weiterzulesen. „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ erhält von mir deswegen 4 von 5 Sternen und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Buch, das wir von Jojo Moyes lesen dürfen.

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Zusenden dieses Rezensionsexemplares!

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3 Kommentare zu „[Rezension] Jojo Moyes: „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“

  1. Eigentlich mag ich Bücher, die zu sehr in der Vergangenheit spielen, nicht, aber das hier klingt wirklich interessant. Dass ihre Großmutter selber auf dem Schiff war finde ich gleich noch viel interessanter. Von Jojo Moyes hab ich bisher nur Ein ganzes halbes Jahr und Ein ganz neues Leben lesen, fand beides aber richtig gut. Mich würde die Liste der Autoren, zu denen du immer greifen würdest, übrigens sehr interessieren, auch wenn sie nur ganz ganz kurz ist. (Meine würde wohl aus, äh, 3 Autoren bestehen, also go for it! :D)

    1. Haha, ich glaube, ich mache wirklich so einen Post, vielleicht fallen mir ja doch noch ein paar mehr Autoren ein. :‘) Jojo Moyes ist die perfekte Sommerlektüre finde ich, ich mochte bisher eigentlich alle ihre Romane total gerne, kann ich also nur weiterempfehlen!

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