Bücher · Rezension

[Kurzrezension] Bonnie-Sue Hitchcock: „The Smell of Other People’s Houses“


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Bonnie-Sue Hitchcock / „The Smell of Other People’s Houses“ [dt. „Der Geruch von Häusern anderer Leute“]
Faber & Faber, 07.04.2016 (erstmals am 23.02.2016)
Paperback, 272 pages, ca. 9,49€

Inhalt

Alaska, 1970: growing up here is like nowhere else.
Ruth wants to be remembered by her grieving mother.
Dora wishes she was invisible to her abusive father.
Alyce is staying at home to please her parents.
Hank is running away for the sake of his brothers.
Four very different lives are about to become entangled. Because if we don’t save each other, how can we begin to save ourselves?
Bonnie-Sue Hitchcock’s extraordinary, stunning debut is both moving, and deeply authentic. These intertwining stories of love, tragedy, wild luck, and salvation on the edge of America’s Last Frontier introduce a writer of rare and wonderful talent.

Meine Meinung

(+) Okay, ich geb’s zu – was mich – neben dem Buchklappentext, am meisten an dem Buch gereizt hat, ist der etwas außergewöhnlichere Titel und das wunderschöne Cover. Dazu kommt aber auch das faszinierende Setting – Alaska ist nicht oft Schauplatz in (Jugend-)Büchern, was eigentlich sehr schade ist, denn ich lese supergerne Geschichten, die an Orten spielen, die extrem weit entfernt sind und teilweise auch einfach ungewöhnlich sind. Unterschwellig schwingt in dem Buch sogar eine Thematik in Bezug auf die Vergangenheit Alaskas mit – nämlich den Zeitpunkt, als Alaska 1959 ein Bundesstaat der USA wurde. Die Geschichte setzt zwar richtig erst 1970 ein, aber bereits im Prolog und auch immer mal wieder zwischendurch, kann man zwischen den Zeilen herauslesen, das insbesondere die Eltern der Protagonisten damit nicht wirklich einverstanden waren. Das Ganze ist bei weitem nicht Hauptthematik des Buches, aber für mich war es trotzdem spannend, darüber zu lesen – eben weil man mit Alaska nur unfassbar selten in Berührung kommt und daher kaum etwas darüber weiß.

(+) Die eigentliche Handlung setzt 1970 ein – die Protagonisten sind alle etwa 16, 17 Jahre alt und haben von der Staatenzugehörigkeit Alaskas zu den USA damals nicht allzu viel mitbekommen, sondern schlagen sich mit ganz anderen Problemen herum. Das Buch ist aus vier verschiedenen Perspektiven geschrieben, deren Handlungsstränge sich hin und wieder berühren oder sogar miteinander verknüpfen. Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich gerade solche Elemente unglaublich liebe – besonders, wenn sich am Ende des Buches alles geschickt ineinanderfügt, ohne irgendwie aufgeblasen oder künstlich zu wirken. Gelungen ist Bonnie-Sue Hitchcock außerdem, dass wir nicht alle Details über die jeweiligen Figuren aus erster Hand bekommen, sondern einige (wichtige) Informationen auch über den Handlungsstrang eine der anderen Figuren eingeworfen wird. Viele Dinge bleiben auch unausgesprochen und ergeben sich rein aus dem Kontext und auch das ist etwas, was ich insbesondere bei einem Young Adult Roman unglaublich schätze.

(+) Die Entwicklung der Charaktere ist großartig. Zwar bekommen wir immer wieder nur kurze Einblicke – quasi Momentaufnahmen – aber gerade das ist es, was der Geschichte ein wirklich angenehmes und erfrischendes Tempo verleiht. Interessant dabei ist, dass das Buch aus mehreren Kurzgeschichten entstanden ist. Im Anhang war – zumindest bei meiner Ausgabe – ein kurzes Interview mit der Autorin eingefügt, in dem sie erzählt, dass die Geschichte größtenteils auf eigenen Erfahrungen bzw. denen nahestehender Personen beruht und sie erzählt auch, dass sie eigentlich vor hatte, nur Kurzgeschichten zu schreiben, ihr Verleger lieber eine zusammenhängende Geschichte daraus zaubern wollte. Beim Lesen fiel mir das gar nicht weiter auf, aber nachdem ich das Interview las stimmte es wirklich – die Erzählfragmente gehörten zwar alle irgendwie zusammen und ergaben ein wunderbares Ganzes, aber sie hatten tatsächlich auch Kurzgeschichten-Charakter.

(+) Trotz der Kürze des Buches hat Bonnie-Sue Hitchcock es geschafft, eine sehr emotionale Geschichte zu Papier zu bringen. Die Charaktere sind sehr verschieden, aber irgendwie auch gleich – insbesondere deswegen, weil sie alle mit familiären Problemen zu kämpfen haben. Ich fand es faszinierend, zu sehen, auf welche Art und Weise die unterschiedlichen Charaktere damit umgingen und sich ihren Problemen stellten. An vielen Stellen hat mich das Buch sehr berührt,  einfach, weil das Geschehen sich so wirklich und real anfühlte. Überhaupt ist das Buch eine große Packung verschiedenster Gefühle, großartiger Beziehungen – sei es familiär, freundschaftlich oder aber sexuell (wobei der sexuelle Aspekt in diesem Buch keine allzu große Rolle spielte) – und einem höchst interessanten Schauplatz. Schon lange konnte mich ein Young Adult Buch nicht mehr so begeistern.

(-) Ich habe meine Zeit gebraucht, um in das Buch „reinzukommen“. Irgendwie waren die ersten Seiten zwar nicht schlecht, aber doch irgendwie hölzern und ich hatte anfangs wirklich Angst, dass das Buch ein kompletter Fehlkauf gewesen wäre. War es zum Glück nicht, denn im Laufe des Buches konnte mich der Rest komplett von sich überzeugen, aber ich hätte mir trotzdem irgendwie einen packenderen Start in die Geschichte gewünscht.

Fazit

„The Smell of Other People’s Houses“ hat mich positiv überrascht. Das Buch ist ein fantastischer, mitreißender und emotionaler Debütroman, der mich vor allem wegen des Settings, der verschiedenen Thematiken und den ausnahmslos liebenswürdigen Protagonisten von sich überzeugen konnte. Es lohnt sich, den schwerfälligen Einstieg durchzuhalten, denn man wird mit einer wunderbaren, einzigartigen, teilweise auch traurigen, verflochtenen Geschichte belohnt, die ein wirklich passendes Ende findet. Trotz all der Schwierigkeiten, mit denen die Charaktere zu kämpfen hatten, schwingt stets Hoffnung mit – und vor allem für mich die Hoffnung, dass nicht alle Young Adult Bücher oberflächlich und doof sind. Von mir gibt es 4.5 von 5 Sternen.

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9 Kommentare zu „[Kurzrezension] Bonnie-Sue Hitchcock: „The Smell of Other People’s Houses“

  1. Jetzt hast du mich voll neugierig gemacht, dabei habe ich mir gerade erst Buchkaufverbot erteilt. Verdammt! :D Ich habe bisher noch nie von diesem Buch gehört, aber Alaska als Setting klingt zauberhaft und jetzt will ich die Geschichte unbedingt lesen. Danke für die Empfehlung! :)

    1. Gerne! Das Buch ist noch relativ neu und auch der erste Roman der Autorin, wahrscheinlich hat man deswegen noch nicht so viel darüber gehört. Ich bin auch nur zufällig darüber gestolpert, musste es aber natürlich sofort haben. :D

  2. Whua, man gewinnt ein bisschen den Eindruck dass YA dich in letzter Zeit ganz schön wenig zufrieden gestellt hat :D Stelle ich bei mir aber auch immer mehr fest, bzw. dass manches eher so „bleh“ ist und nur weniger dann wirklich, wirklich gut.
    Ich behalte das Buch auf jeden Fall mal im Auge, nicht nur wegen des schönen Covers sondern auch weil diese familiären Themen usw. mich ziemlich ansprechen.

    1. Ich muss echt gestehen, dass ich YA in letzter Zeit überhaupt nicht mehr gerne gelesen habe – kann sein, dass ich einfach immer zu den falschen Büchern gegriffen habe, aber die meisten Thematiken fand ich einfach todsterbenslangweilig und oberflächlich, vor allem halt auch, wenn irgendwelche Liebesgeschichten der Dreh- und Angelpunkt der Story sind. Habe mich deswegen auch ein bisschen distanziert und anderes gelesen, aber bin froh, dass ich „The Smell…“ jetzt gelesen habe, das hat mir nämlich (zum Glück) wieder richtig Lust auf YA gemacht. :D

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