Bücher · Persönliches

Woher meine Angst vor dicken Büchern kommt


Ich habe Anfang der Woche auf meinem Instagram-Account ein Bild geteilt, mit einigen dicken Büchern, die ich unbedingt lesen möchte, aber deren Größe mich (derzeit) einfach abschreckt. Darunter kamen einige Kommentare á la „Mach dir keine Sorgen, du fliegst durch dieses und jenes Buch“ oder „Lies es halt nur stückweise“ und irgendwie habe ich mich dann gefragt, wieso es mir überhaupt so geht, wieso ich mich vor Büchern fürchte, nur weil sie mal ein paar Seiten mehr haben.

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Erster und wahrscheinlich wichtigster Grund: Ich habe einfach Angst, dass ich dem Buch überhaupt nicht ausreichend Zeit widmen kann. Mit dicken Büchern verbinde ich direkt Geschichten, die möglicherweise etwas verworrener und komplizierter sind, in denen mehr Charaktere auftauchen oder zumindest vielschichtigere Figuren. Da ich nicht besonders viel Zeit habe, um hunderte Seiten am Stück zu lesen, habe ich die Befürchtung, dass stückweises Lesen bei dickeren Büchern das gesamte Leseerlebnis negativ beeinflusst, dass ich dadurch viele Zusammenhänge nicht begreife, weil ich zwischenzeitlich einfach zu viel vergesse, gerade wenn ich tagelang nicht zum Lesen komme, was durchaus manchmal der Fall ist. Ich hab außerdem die Angst, dass ich mich gar nicht hundertprozentig auf eine tiefgründigere Geschichte einlassen kann, weil ich einfach zu gestresst bin und mir zu viel im Kopf umhergeistert. Ich versuche zwar immer, möglichst entspannt ans Lesen zu gehen, aber gerade in letzter Zeit gelingt es mir nicht mehr so wirklich, mich voll und ganz in ein Buch zu vertiefen, ohne nebenbei daran zu denken, was ich eigentlich noch erledigen könnte/sollte/müsste. Gerade bei dicken Büchern, will ich mich aber komplett in die Handlung fallen lassen und an nichts anderes denken müssen.

Zweiter Grund: Wenn das Buch ein Pageturner ist, dann habe ich noch ein viel größeres Problem: Nämlich, dass ich alle Verpflichtungen etc. verdränge, bis ich dieses Buch ausgelesen habe. Bei 200-300 Seiten Büchern ist das nicht so schlimm – sollte mich die Geschichte tatsächlich so dermaßen fesseln, dass ich nicht mehr loslassen kann, dann lese ich das eben (mehr oder weniger) am Stück, das geht ja verhältnismäßig schnell. Was ist aber, wenn ich durch ein 800 Seiten Buch fliegen will? Das dauert ja doch etwas länger und leider habe ich keinen Zeitumkehrer oder sonstige Mittel, um die durch das Lesen verlorene Zeit wieder aufzuholen und meinen Lernstoff, mit dem ich mich eigentlich beschäftigen sollte, nachzuarbeiten. Diese Angst ist eigentlich noch viel größer als die erste – ich kenne mich ja doch ganz gut und weiß wie ich ticke. Ich habe ja nicht deswegen Angst, dicke Bücher anzufangen, weil ich denke sie sind doof – sonst hätte ich sie ja gar nicht erst gekauft – ich denke, sie gefallen mir zu gut und ich ignoriere alles und jeden bis ich dieses Buch ausgelesen habe – was ich mir zeitlich aber eben eigentlich nicht leisten darf.

Wozu wir auch zum dritten Grund kommen, der aber irgendwie mit den anderen beiden Gründen zusammenhängt: Ich will diesen dicken Büchern genug Zeit widmen. Ich will nichts anderes nebenbei tun, als diese Bücher zu lesen, und das will ich, ohne dass dabei die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen an mir nagt. Ich will sie lesen wann ich will und wie ich will aber das geht nicht so wirklich, weil mich mein Lernplan in der Hinsicht einfach zu einschränkt.

Der vierte Grund – zugegeben, absolut kein Hauptgrund, aber ich würde lügen, wenn ich ihn nicht erwähnen würde: Auch wenn ich gerne durch dicke Bücher fliegen würde, seien wir ehrlich: Sie brauchen einfach mehr Zeit und das zieht die Lesestatistik runter. Nochmal – das ist für mich absolute Nebensache, ich lese immer die Bücher die ich will und würde meine Lesestatistik niemals als Argument dafür anführen, warum ich bestimmte Bücher lese. Dennoch ist es zumindest unbewusst doch so, dass ich oftmals dünnere Bücher aus dem Regal fische, mir denke, dass die Zeit für ein dickeres Buch noch nicht gekommen ist und ich gerade sowieso nicht die Zeit hätte, um sie zu lesen, und sie auch deswegen öfter aufschiebe.

Ihr seht: Anstatt einfach mal anzufangen, hole ich irgendwelche fadenscheinigen Argumente hervor. Es ist ja nicht so, als würde ich gar keine dickeren Bücher lesen – „Jane Eyre“ z.B., was ich erst vor kurzem ausgelesen habe, hatte über 700 Seiten, oder “Die Gestirne”, was ich Anfang des Jahres las hatte sogar über 1000 Seiten, ich lese die „Das Lied von Eis und Feuer“ Bücher, die auch nicht gerade dünn sind – ich meide dicke Bücher nicht immer. Aber irgendwie doch zu oft. Was mich absolut traurig macht, weil ich mich noch erinnern kann, dass meine Devise als Kind war: „Je dicker, desto besser!“ Ich habe immer die dicksten Bücher am meisten geliebt, mir konnte ein Buch gar nicht dick genug sein. Irgendwie kommt es mir blöd vor, das Studium als Ausrede zu benutzen, aber es ist nun mal wirklich der Hauptgrund, wieso ich dickere Bücher meide. Ob ich das zukünftig ändern kann? Ich hoffe es so sehr! Ich habe noch so einige 600+ Seiten Bücher auf meinem Stapel ungelesener Bücher und ich will sie alle auch noch unbedingt lesen. Wann – das weiß ich noch nicht genau, aber die Gelegenheit wird sich ganz sicher und hoffentlich bald ergeben. Bis dahin gebe ich mein Bestes, die Ängste zu überwinden und immer mal wieder zwischendurch ein dickeres Buch dazwischenzuschieben.


Wie haltet ihr das mit den dicken Büchern? Wann ist die beste Zeit, um sie zu lesen? Macht ihr auch einen großen Bogen um sie oder könnt ihr es kaum erwarten, sie sofort zu lesen? Mich würden eure Gedanken zu dem Thema unheimlich interessieren!

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20 Kommentare zu „Woher meine Angst vor dicken Büchern kommt

  1. Also, bei mir gilt für Bücher immer noch die Devise: „Je dicker, desto besser!“ ;-)

    Ich verstehe Deine angeführten Gründe allerdings sehr gut – okay, das mit der Lesestatistik vergessen wir jetzt mal! ;-)

    Wenn Du es zeitlich nicht schaffst, ein umfangreiches Buch in kurzer Zeit zu lesen, weil Du wichtigere Dinge zu erledigen hast, dann ist das doch völlig okay! Es gibt immer Phasen im Leben, in denen es objektiv wichtigere Dinge gibt, als das Lesen. Familie, Freunde, Schule, Studium, Beruf – was auch immer, nichts davon sollte zu kurz kommen. Da muss man dann eben Proritäten setzen!

    Und da liegt der unwiderlegbare Vorteil von Büchern: Sie verderben nicht, wenn man sie eine Weile zur Seite legt. Man muss sie auch nicht füttern oder sich sonstwie mit ihnen beschäftigen, wenn man keine Zeit dazu hat! ;-) Bücher verzeihen viel, man sollte keine Angst vor ihnen entwickeln oder Stress empfinden, nur weil die da rumliegen! ;-)

    Irgendwann kommen dann auch wieder Zeiten, in denen man wieder mehr Zeit für dieses schöne Hobby hat. Und dann kann man sich auch diesen dicken Schinken wieder widmen, die werden bestimmt noch da sein. ;-)

    Dann muss man auch nicht mehr versuchen, entspannt ans Lesen heranzugehen, sondern dann führt das Lesen erst wieder zur nötigen Entspannung!

    Die einzige Nebenwirkung bei dem genannten Vorgehen ist das stetige Anwachsen des SuB, aber das wieder ein anderes Problem… Wobei – Bücher kann man eigentlich nie genug haben! :-)

  2. Was soll ich da noch sagen? Mir geht’s nämlich ganz genau so. Ich lese viel zu selten richtig dicke Bücher, obwohl ich damals in der Schule eigentlich nie Romane mit weniger als 500 Seiten gelesen habe. Schon komisch.

    1. Ich finde es auch seltsam und schade, dass sich das bei mir geändert hat. Ich lese dicke Bücher ja immer noch sehr gerne, aber naja, ich kann einfach nicht leugnen, dass ich meistens eher zu dünneren Werken greife.

  3. Schade, dass du dir selbst so ‚Angst und Druck‘ machst.
    Ich finde, dass ist doch das Gute an einem Buch, dass man sich die Zeit mal nehmen muss. Für sich und für eine gute Geschichte.
    Sicherlich gibt es Zeiten, wo die Zeit für sich zurückstecken muss, aber gerade da muss man Prioritäten setzen.
    Wenig Zeit oder eine kleinere Lesestatistik sollten dich nicht am Lesevergngügen hindern.
    Gib dir nen Ruck und trau dich wieder an dickere Werke ran. Man kann auch einen Zeitplan erstellen, wo man auch für Pageturner Zeit hat.

    Liebe Grüße,
    Linda

    1. Ich werde es auf jeden Fall versuchen, dickere Bücher wieder öfter in meinen Zeitplan zu integrieren. Eigentlich darf man sich echt nicht davon einschüchtern lassen, aber irgendwie passiert es bei mir doch immer wieder. Der Blogpost sollte für mich jetzt erstmal der erste Schritt sein, um überhaupt zu analysieren, woher meine Scheu kommt und jetzt irgendwie daran zu arbeiten. Und wer weiß – vielleicht schreibe ich in einem halben Jahr einen Blogpost darüber, wie man es schafft, trotz Stresses dazu zu kommen, dicke Bücher zu lesen. :D
      Ganz liebe Grüße und einen schönen Feiertag!

  4. Ach da sagst du was … ich bin auch kein großer Fan von solchen Wahnsinns-Wälzern. Dazu kommt, dass ich einfach auch nicht jeden Tag zum lesen komme. Unter der Woche nach der Arbeit fast nie, weil ich dann zu müde bin. Deswegen sind solche 1000-Seiten-Teile manchmal echt ein Knockout-Kriterium und schrecken mich etwas ab. Früher hat das irgendwie besser in mein Leben gepasst. Dann stelle ich auch noch an mich selber den Anspruch pro Monat wenigstens ein Buch und vielleicht 1, 2 Manga zu lesen. Und das wird schon schwierig bei solchen Brechern.

    1. Stimme ich dir vollkommen zu! Eigentlich schade, dass einem das Leben da so einen Strich durch die Rechnung macht, aber irgendwann kommt bestimmt auch wieder eine Zeit, in der man doch zu einem dickeren Buch greift.
      Liebe Grüße und hab einen schönen Feiertag!

  5. Dein gesamter Gedankengang hat mich absolut an mich erinnert! Ich stimme dir bei jedem Punkt zu, der dich davon abhält ein etwas dickeres Buch zu lesen. Es geht mir vor allem darum, dass ich jedem Buch, dass ich lese, auch gerne den „angemessenen Respekt“ geben möchte, wenn du verstehst, was ich damit sagen will. Besonders bei etwas tiefgründigeren Büchern will ich mich ganz ähnlich wie du nicht mal so nebenher darauf einlassen, sondern meine ganze Aufmerksamkeit darauf ausrichten. Socleh Bücher kriegen bei mir mittlerweile auch mal ein bestimmtes Datum verpasst, an dem ich sie lesen will, in den Ferien oder nach einer Prüfung etc. Anders würde ich mich gar nicht mehr dazu trauen – sehr schade, wenn man mal bedenkt, was für tolle „dicke Bücher“ es gibt!
    Wirklich ansprechender Post! Fand deinen Text sehr interessant und überhaupt angenehm, zu erfahren, dass ich mich nicht als einzige oft so fühle ;)
    Liebe Grüße,
    Leyla

    1. Genauso ist es bei mir auch! Ich bin irgendwie froh, dass ich nicht die einzige bin, die so sehr vor dicken Büchern zurückschreckt und sich einschüchtern lässt. Schade ist es allemal, aber ich bin mir trotzdem sicher, dass ich die dicken Bücher, die mich wirklich interessieren, irgendwann auch endlich lesen werde.
      Ganz liebe Grüße und einen schönen Feiertag!
      Liesa

  6. Das ist ja sehr interessant wie du das so an dir beobachtest und aufgeschlüsselt hast. Ich schrecke vor dicken Büchern auch immer zurück, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es bei mir daran liegt, dass ich (teils) unbewusst denke wie lange das dauern wird und dass ich dann die ganzen anderen Bücher nicht oder erst später schaffen werde… also nicht unbedingt für irgendeine Statistikzahl sondern eher, weil es noch so viele Bücher gibt, die ich lesen will und es wäre doch irgendwie besser in einer bestimmten Zeit 3 zu schaffen und nicht nur das eine ;D
    Schöne Post-Idee auf jeden Fall :)

  7. Hey Liesa,

    mir geht es ähnlich mit dicken Büchern. Einerseits ärgere ich mich immer über Reihen, deren Handlung man gut und gerne in einen Band hätte packen können. Andererseits greife ich lieber zu dünneren Büchern. Gerade aus solchen Gründen, wie du sie genannt hast. Zum einen (ich bin ehrgeizig und mache gerne aus allem einen Wettbewerb), wegen der Lesestatistik, aber vor allen Dingen weil ich bei einem gutem Buch gerne mal die Zeit vergesse und alles andere ausblende, das aber eben auch wichtig ist. Am meisten würde ich mich aber ärgern, meine Zeit zu verschwenden. Manche Bücher brauchen Zeit um in Fahrt zu kommen. Besonders Dicke, weil so viel erklärt wird. Der Platz ist ja da. Also gibt man Ihnen die Zeit, aber was ist, wenn ich 300 Seiten weit drin in der Geschichte bin und immer noch kämpfe, aber mich dazu zwinge weiterzulesen, weil ich schon 300 Seiten weit gekommen bin und noch Hoffnung habe? :/ Deswegen springt mein Herz nicht vor Freude, wenn ich Wälzern begegne, stattdessen greif ich zu dem dünneren Buch daneben.

    Liebe Grüße,
    Susanne

  8. Ich kann deine Gründe leider leider sooo gut nachvollziehen. Besonders was das Zeit widmen anbelangt, die Angst, dass man dann nicht aufhört zu lesen, wobei man eigentlich andere Sachen tun sollte, und dass man Zusammenhänge nicht versteht/nicht richtig reinkommt. Bei mir liegt da auch so viel an der Uni – wobei ich, wenn ich mal überlege, im letzten Semester auch problemlos ein paar Wälzer gelesen habe, bei denen die Lust auf die Geschichte stärker war als die Bedenken wegen des Umfangs. Vielleicht ist dann tatsächlich die Zeit noch nicht ganz reif, wenn die Lust sich bei mir nicht einstellt… Oder man muss sich mittels Leserunden das ganze schön einteilen. Da kann man nicht zu schnell lesen, weil es sonst langweilig zu diskutieren wird, und vergessen kann man auch nicht zu viel, weil man ja immer im Gespräch darüber ist. Sollten wir vielleicht mal machen :D

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