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[Buch-Film-Vergleich] Jojo Moyes: „Ein ganzes halbes Jahr“


Vor einer ganzen Weile schon wurde ich vom Rowohlt-Verlag in Kooperation mit Warner Bros zur deutschen Fanpremiere zu „Ein ganzes halbes Jahr“ in der ASTOR Lounge eingeladen – und natürlich habe ich nicht nein gesagt, sondern bin der Einladung gefolgt. Denn das ganze umfasste nicht nur das Ansehen des Filmes (was mir ehrlich gesagt schon gereicht und mich überglücklich gemacht hätte), nein, höchstpersönlich anwesend waren auch die Regisseurin Thea Sharrock und Jojo Moyes – wer meinen Blog schon länger liest, weiß, dass ich absoluter Jojo Moyes Fan bin und fast jedes ihrer Bücher mit Freuden verschlungen habe. Umso mehr habe ich mich gefreut, sie auch einmal persönlich zu treffen und sie war wirklich so zuckersüß und liebenswürdig und natürlich habe ich die Chance genutzt und eines ihrer Bücher signieren lassen. Das Event war also von vorne bis hinten großartig, aber wie war der Film? Darüber würde ich jetzt gerne ein paar Worte verlieren.
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Diese Review könnte Spoiler enthalten für diejenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben. Weiterlesen also auf eigene Gefahr. ;)

Wer hat eigentlich noch nicht von dem Buch gehört oder den Film-Trailer gesehen? Im Mittelpunkt steht Louisa Clark, eine lebhafte, wenn auch recht unambitionierte junge Frau, die ihren Job in einem Café verloren hat und nun nicht genau weiß, was sie weiter mit ihrem Leben anstellen soll. Ihre Familie, die selber nicht besonders wohlhabend ist, drängt sie ins Jobcenter, dort wird ihr dann letztendlich auch ein Job vermittelt: Sie soll den querschnittsgelähmten Will Traynor betreuen, der seit einem Unfall vor zwei Jahren vom Hals abwärts gelähmt ist. Während Will der verrückten Lou anfangs noch kühl und distanziert gegenübersteht, kann sie ihn mit ihrer liebenswürdigen Art immer mehr erwärmen und für sich gewinnen – reicht das, um Wills Lebenswillen aufrecht zu erhalten?

„Ein ganzes halbes Jahr“ war ein Bestseller und die Tatsache, dass es verfilmt wurde, dürfte da niemanden verwundern. Was für diese Buchverfilmung aber für ein phänomenaler Cast an Land gezogen wurde, ist fast schon unglaublich: Neben Emilia Clarke und Sam Claflin, die ja allein schon großartig sind, sind in kleineren Rollen zum Beispiel auch Matthew Lewis (darüber habe ich mich besonders gefreut), Brendan Coyle und Charles Dance zu sehen. Was die Besetzung angeht, hat der Film jedenfalls schon mal alles richtig gemacht, denn die Genannten und auch alle anderen, sind ihrem großen Namen durchaus gerecht geworden und haben sich teilweise auch in ganz neuen Rollen erstaunlich überzeugend gezeigt. Vor allem Emilia Clarke hat mich echt überrascht – lässt sie als Daenerys Targaryen ja doch eher die unnahbare und toughe Seite heraushängen, ist sie als Louisa zu einer völlig anderen Persönlichkeit aufgeblüht und hat sich von einer mir völlig unbekannten Seite präsentiert und das auf eine sehr positive Art und Weise. Wobei ihre Gesichtsakrobatik meiner Meinung nach manchmal etwas too much war.

Natürlich bekommen wir auf der Leinwand nicht alle Szenen aus dem Buch zu sehen, aber das, was gezeigt wurde, hat für mich gereicht, um eine wirklich tolle Atmosphäre zu schaffen und sämtliche Verhältnisse, Emotionen und Beweggründe der Protagonisten wiederzugeben. Zugegeben, das Lesen des Buches ist bei mir doch schon drei Jahre her und ich habe einige Gedächtnislücken dahingehend, aber für mich hat keine besonders wichtige Szene gefehlt, sondern es wurden alle Schlüsselszenen mit einbezogen und auch nur marginal verändert. Für mich ist das durchaus etwas positives – es soll ja schließlich trotz allem eine Buchverfilmung bleiben. Dass es hier so gut geklappt hat, liegt vermutlich auch daran, dass Jojo Moyes selbst das Drehbuch geschrieben hat und viel bei der Produktion des Filmes dabei war.

„Ein ganzes halbes Jahr“ war als Roman eine Achterbahn der Gefühle für mich. Es gab so unendlich viele lustige Passagen und gerade Louisa ist einfach eine so tollpatschige und dadurch sympathische Protagonistin gewesen, was sich definitiv auch im Film niedergeschlagen hat. Ein besonderer Film-Bonus: Louisas Outfits – schon im Buch wurde ihr eigenwilliger Sinn für Mode angedeutet, aber das auf Leinwand zu sehen war echt nochmal etwas völlig anderes. Aber die Geschichte rührt nicht wegen ihres Humors, sondern überzeugt meiner Meinung nach eher wegen des sensiblen Themas, das angesprochen wird: Behinderung und damit einhergehend auch die Möglichkeiten einer Sterbehilfe. Ich finde die filmische Umsetzung dahingehend wirklich gelungen und bin insbesondere auch begeistert gewesen, wie es Sam Claflin gelungen ist, sich in diese – für einen nicht Betroffenen – vermutlich doch ziemlich schwierige Situation hineinzufühlen und die Rolle des Will überzeugend und authentisch darzustellen, ohne dass es ins Sentimentale oder Melodramatische abstürzt. Mich hat sein Charakter schon damals beim Lesen sehr zum Nachdenken angeregt und auch der Film hat ein mulmiges Gefühl in mir hinterlassen. So etwas zu sehen, lässt einem irgendwie immer darüber nachdenken, wie man selbst wohl in so einer Situation handeln würde – was aber ungefähr unmöglich zu beurteilen ist, weil man wohl (hoffentlich) nie in einer solchen Lage stecken wird.

Insgesamt war ich wirklich überrascht von dem Film. Natürlich waren einige Handlungsstränge sehr vorhersehbar, doch selbst wenn man das Buch gelesen hat und daher schon wusste, wie die Geschichte ausgeht, wird man von dem Film mitgerissen und kann sich die ein oder andere Träne auch nicht verdrücken (zum Glück waren in der Goodiebag Taschentücher). „Ein ganzes halbes Jahr“ ist ein „Frauenroman“ und wird vermutlich auch wesentlich mehr Frauen in die Kinos ziehen, aber meiner Meinung nach ist es fast ein Film für Jedermann. Natürlich darf man nichts besonders anspruchsvolles erwarten – dafür ist schon die Vorlage nicht gemacht, aber wer auf der Suche nach guter Unterhaltung ist, gerne auch gefühlsmäßig ein wenig mit den Figuren auf der Leinwand leidet und sich von der wunderbaren Chemie zwischen Emilia Clarke und Sam Claflin überzeugen will, der sollte es definitiv nicht versäumen, ins Kino zu gehen und „Ein ganzes halbes Jahr“ zu schauen. Ob der Fortsetzungsroman wohl auch verfilmt wird…?

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14 Kommentare zu „[Buch-Film-Vergleich] Jojo Moyes: „Ein ganzes halbes Jahr“

  1. Oh, da bin ich neidisch, den Film will ich auch unbedingt noch sehen, aber ich schaffe es in letzter Zeit irgendwie nie ins Kino :/.

    Ich freu mich ja besonders über Brendan Coyle *_*. Den kenne ich aus „Downton Abbey“ und fand ihn da zumindest die ersten Staffeln so toll <3.

    Es ist immer super, wenn Autoren in die Filmarbeiten mit einbezogen werden. Das merkt man zB auch bei "Das Schicksal ist ein mieser Verräter", finde ich.

    Auf Louisas Outfits freue ich mich auch ganz besonders :D. Wird dann auch ein krasser Kontrast im Vergleich zu Danys Outfits in GoT ^^.

    Also ich finde schon, dass das Buch ein tiefgründiges und anspruchsvolles Thema behandelt. Das hat mir im zweiten Band viel eher gefehlt…

    Liebe Grüße,
    Charlie von "Keine Zeit für Langeweile"

    1. Das kenne ich, irgendwie gehe ich dieses Jahr auch viel zu selten ins Kino. Ich hoffe sehr für dich, dass du es trotzdem schaffst!
      Über Brendan Coyle hab ich mich auch total gefreut, wobei ich erst einmal fünf Minuten überlegen musste, woher ich ihn denn nochmal kenne. :D
      Ich hab mich vielleicht ein bisschen blöd ausgedrückt – ich finde auch, dass sich das Buch und auch der Film mit einem anspruchsvollerem Thema auseinandersetzen, aber ich persönlich hatte bei beiden trotzdem das Gefühl, dass die Auseinandersetzung damit nicht tiefgründig genug erfolgte, bzw. man das auch anders hätte machen können. Mir fällt irgendwie schwer, das in Worte zu packen, aber ich hätte mir eine etwas intensivere Auseinandersetzung mit Sterbehilfe gewünscht, gerade weil das Thema so kontrovers ist und es so viele Meinungen dazu gibt. Das wird in Buch und Film zwar schon deutlich, aber ich fand die Auseinandersetzung damit trotzdem etwas „flach“. Im zweiten Buch fehlt das dann ja leider völlig, das hat mich auch ein bisschen enttäuscht.
      Liebe Grüße! :)

  2. Ah, wie cool, dass du dabei sein durftest! :) Ich bin schon super gespannt auf den Film, auch wenn ich mich mit Emilia Clarke noch nicht so anfreunden kann in der Rolle von Louisa.

  3. OMG, OMG, OMG, jetzt freue ich mich gleich noch mehr auf den Film! Echt cool, dass du ihn schon vorab sehen durftest.

  4. Ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen. Auch für mich war das Buch eine Achterbahnfahrt der Gefühle und ich war anfangs etwas skeptisch, ob mich die Verfilmung ebenfalls begeistern kann. Zum Glück waren meine Bedenken unbegründet. Der Film wurde leicht verändert, aber die für mich wichtigsten Punkte aus dem Buch kamen darin vor. Auch die Auswahl der Schauspieler war wirklich gut durchdacht und die beiden Hauptdarsteller harmonisierten wirklich toll miteinander. Für mich eines der Film-Highlights in diesem Jahr.

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