Bücher · Rezension

[Rezension] Moïra Fowley-Doyle: „Wenn der Sommer endet“


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Moïra Fowley-Doyle / „Wenn der Sommer endet“[engl. „The Accident Season“]

cbt Verlag, 27.06.2016

Gebunden mit Schutzumschlag, 321 Seiten, 16,99€

Inhalt

So lasst uns die Gläser erheben auf die dunkle Zeit … Die dunkle Zeit, wie die 17-jährige Cara, ihre Schwester Alice und ihre restliche Familie es nennen, scheint wie ein Fluch, der sie einmal im Jahr für ein paar Wochen heimsucht. In diesem Zeitraum passieren Unfälle, geliebte Menschen sind schon gestorben. Und dieses Jahr soll es eine der schlimmsten dunklen Zeiten werden, prophezeit Caras Freundin Bea. Mysteriöse Dinge geschehen und bald weiß Cara nicht mehr, was Traum und was Realität, was Magie und was echt ist. Die Grenzen verschwimmen, und als lange vergessene tragische Ereignisse ans Licht kommen, könnte es für Cara, ihre große Liebe Sam und ihre Schwester Alice schon zu spät sein …

Meine Meinung

Mein Herz weint immer vor Freude, wenn ich auf so derart gelungene Debütromane stoße, wie auf das von Moïra Fowley-Doyle. „Wenn der Sommer endet“ erzählt die Geschichte von Cara, ihrer Familie und ihren Freunden und der dunklen Zeit und das auf eine wirklich fantastische und teilweise auch ziemlich düstere Art und Weise. Die gesamte Geschichte ist magisch angehaucht, sodass man als Leser oftmals gar nicht weiß, ob das, was Cara gerade erzählt, tatsächlich geschieht oder ob es nur ihrer Fantastie entspringt. Durch den wunderschönen poetischen Schreibstil  wird die paranormale Atmosphäre des Buches nur noch unterstrichen – Realität und Fiktion vermischen und verflechten sich durchgängig miteinander und konnten mir so den ein oder anderen Gänsehaut-Moment auf die Haut zaubern.

Auf nur etwas mehr als 300 Seiten werden vielschichtige und unheimlich spannende Charaktere geformt, mit denen man am liebsten befreundet wäre und eine Party im Geisterhaus feiern würde. Davon abgesehen passieren immer wieder überraschende Dinge – einige davon sind an Surrealität kaum zu überbieten, andere wiederum sind „echte“ Probleme, mit denen die Figuren sich herumschlagen müssen. Darüber schwebt die ganze Zeit die Frage, was diese dunkle Zeit denn ist – ist sie tatsächlich ein Fluch, ist es ein Zufall, dass alle Familienmitglieder sich stoßen, schneiden, Platzwunden erleiden oder sich sogar Knochen brechen oder steht die dunkle Zeit einfach als eine Metapher, für all das, was in der Vergangenheit geschehen ist? Diese schmale Grenze zwischen Realität und Fiktion/Traum verschwimmt während des Lesens immer wieder, was mir persönlich unglaublich gut gefallen hat.

Neben dem mystischen Settings Irlands konnte der Roman mich vor allem durch seine bildhafte Sprache überzeugen. Ein bisschen habe ich mich geärgert, dass ich das Buch nicht im Oktober gelesen habe, denn die grauen, düsteren Oktoberwochen sind auch die der dunklen Zeit und ich glaube, dass das Buch währenddessen sogar noch stimmungsvoller beim Lesen ist. Andererseits konnte ich es auch so nicht beiseite legen und habe es in einer für mich ziemlich hohen Geschwindigkeit (verglichen mit meinem sonstigen derzeitigen Lesetempo) ausgelesen. Fast schon hätte ich mir gewünscht, noch weiter mit den Charakteren zu gehen, weil mich ihre Persönlichkeiten und auch ihr Zusammenhaltsgefühl so sehr faszinierte, ich sie um ihre Freundschaft beneidete. Manchmal hätte ich mir ein wenig mehr Gedanken von Alice, Caras Schwester, gewünscht – sie war für mich definitiv eine der spannendsten Figuren des Romans und auch mehr oder weniger die einzige, die nicht an die dunkle Zeit glaubte.

Insgesamt gefiel mir „Wenn der Sommer endet“ vor allem wegen des gefühlvollen Schreibstils der Autorin, den Figuren und insbesondere der mysteriösen Elemente (Traumfänger in Waldlichtungen zum Beispiel), die eng verflochten waren mit der Realität (die Figuren gehen ganz normal zur Schule und machen sich Gedanken um ihren ersten Kuss). Die „Auflösung“, falls man sie denn so nennen mag – denn das Ende ist in vielerlei Hinsicht auch frei interpretierbar finde ich – hat das Buch perfekt abgerundet. Dennoch habe ich mich für eine Bewertung von nur 4 von 5 Sternen entschieden. Das ist der Tatsache geschuldet, dass ich mit Cara nicht so richtig warm werden wollte (trotz der Ich-Perspektive) und weil es mir – gemessen auf die 300 Seiten – einfach ein bisschen zu viel des Guten war. Allerdings würde ich ohne zu Zögern zu jedem weiteren Buch von Moïra Fowley-Doyle greifen, denn sie scheint unfassbar talentiert und einfühlsam zu sein und von paranormalen Geschichten kann ich ohnehin nie genug bekommen.


Mögt ihr Bücher, mit mystischem Einschlag? Könnt ihr mir in diese Richtung etwas empfehlen? Und was haltet ihr von Auflösungen, die einen nicht zu 100% befriedigen? Toll, weil man selbst noch viel darüber nachdenken kann und muss oder wollt ihr lieber eine in sich komplett abgeschlossene und schlüssige Geschichte?

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5 Kommentare zu „[Rezension] Moïra Fowley-Doyle: „Wenn der Sommer endet“

  1. Vielen Dank für diese Rezension! Jetzt habe ich richtig Lust auf das Buch bekommen. Obwohl wir eben nicht Oktober haben :) liest sich richtig gut, deine Bewertung

    LG
    Dani

  2. Die dunkle Zeit? Interessante Übersetzung, im Original ist das ja die titelgetreue Accident Season, aber das wörtlich zu übersetzen klänge auch blöd ;D
    Ich freu mich, dass dir das Buch genauso gut gefallen hat wie mir :D Ich freu mich auch schon riesig auf was Neues von der Autorin, es scheint auf jeden Fall schon was in Planung zu sein.
    Ich mag so frei interpretierbare Enden ziemlich gerne, sie dürfen nicht zu offen sein, aber wenn man als Leser alles vorgekaut und in fein geschnürten Paketchen serviert bekommt, finde ich das auch doof. Ich kann mich inhaltlich nicht mehr so gut an das Ende hier erinnern, aber ich fand es einerseits genau richtig (auf die Accident Season bezogen) und andererseits etwas zu verwirrend/offen (auf Effie oder wie sie hieß? bezogen).

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