Bücher · Persönliches · Rezension

[Rezension] Curtis Sittenfeld: „Eligible“


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Curtis Sittenfeld / „Eligible“
The Borough Press, 21.04.2016
518 Seiten, Broschiert, 12,99€

Inhalt

This version of the Bennet family—and Mr. Darcy—is one that you have and haven’t met before: Liz is a magazine writer in her late thirties who, like her yoga instructor older sister, Jane, lives in New York City. When their father has a health scare, they return to their childhood home in Cincinnati to help—and discover that the sprawling Tudor they grew up in is crumbling and the family is in disarray.
Youngest sisters Kitty and Lydia are too busy with their CrossFit workouts and Paleo diets to get jobs. Mary, the middle sister, is earning her third online master’s degree and barely leaves her room, except for those mysterious Tuesday-night outings she won’t discuss. And Mrs. Bennet has one thing on her mind: how to marry off her daughters, especially as Jane’s fortieth birthday fast approaches.
Enter Chip Bingley, a handsome new-in-town doctor who recently appeared on the juggernaut reality TV dating show Eligible. At a Fourth of July barbecue, Chip takes an immediate interest in Jane, but Chip’s friend neurosurgeon Fitzwilliam Darcy reveals himself to Liz to be much less charming. . . . And yet, first impressions can be deceiving.

Meine Meinung

Ein modernes Retelling von Stolz und Vorurteil, einem meiner absoluten Lieblingsklassiker! Bis auf das leicht kitschige Cover mit dem ollen Knutschmund gab es wirklich nichts, was mich davon abhalten konnte, dieses Buch zu verschlingen. Ich habe die etwas verschrobene Bennett-Familie jedenfalls schon immer geliebt und mochte eigentlich auch ihre modernen Abbilder ganz gerne – die unabhängige Lizzy, die sanftmütige Jane, die selbstverliebten Kitty und Lydia und die einzelgängerische Mary; dazu ein auf liebenswerte Weise verpeilter Mr. Bennett und eine überambitionierte und leicht rassistische Mrs. Bennett, die all ihre Töchter so schnell und gut wie möglich unter die Haube bekommen möchte. Die Figuren, die man im Original lieben gelernt hat, sind von Curtis Sittenfeld wirklich richtig gut in unsere moderne Realität integriert worden. Gestutzt habe ich kurz bei dem Alter unserer modernen Protagonisten – Lizzy und Jane sind beide schon fast 40, ihre restlichen Geschwister in den 20ern. Im Hinblick auf das moderne Setting, das sich übrigens auch nicht im malerischen Longbourn befindet, sondern ins amerikanische Cincinnati verlegt worden ist, ist das allerdings gar nicht so unangemessen, sondern passt irgendwie sogar ganz gut. Und den Rest der Geschichte kennen wir ja alle – auch wenn die Autorin das Ganze durchaus spannend gestaltet hat und nicht jede Wendung völlig vorhersehbar war.

Curtis Sittenfeld schreibt wirklich simpel, was vermutlich dem ChickLit Genre geschuldet ist, in das dieses Buch ein klein weng abdriftet. Die Kapitel sind teilweise sehr kurz und nicht einmal eine Seite lang, was dem Tempo der Geschichte aber gut tut und den Erzählfluss nicht stört. Ich mochte insbesondere den Humor  der Figuren, auch wenn ich mir insbesondere Lizzy und Darcy noch näher am Original gewünscht hätte. Gerade Lizzy ist eine Figur mit so viel Potential, sie ist ein so willensstarker, kluger und gewitzter Charakter und ich finde, dass das hier definitiv nicht ausgeschöpft wurde. Darcy war mir leider auch eine Spur zu soft – dadurch fand ich auch die persönliche Beziehung zwischen den beiden etwas oberflächlich und brauchte einige Zeit, um mich an das Verhalten zwischen ihnen zu gewöhnen. Ob Charles Bingley tatsächlich beim Bachelor mitgemacht hätte, kann Jane Austen uns wohl nicht mehr beantworten, aber ich muss zugeben, dass es irgendwie schon ziemlich originell war und dem gesamten Buch einen gewissen Schliff gegeben hat und sich dadurch alles ziemlich gut zusammenfügte.

Insgesamt muss man das Buch schon mit einem gewissen Augenzwinkern lesen, was mir vor dem Lesen aber auch bewusst war. Bei Retellings ist es ja doch immer so, dass es schnell in die Hose gehen kann und gerade bei einer Buchvorlage wie „Stolz und Vorurteil“ ist es klar, dass es möglicherweise viele entrüstete Leser gibt, die nicht verstehen können, wie man die Geschichte um Lizzy und Darcy so verschandeln entromantisieren kann. Ich finde die Übertragung in die Moderne aber gar nicht so unpassend und an sich sogar ziemlich gelungen – nur tut es trotzdem weh, die Charaktere, die man in „Stolz und Vorurteil“ so lieben gelernt hat, in modernem Kleinstadt-Terrain noch einmal auf ganz andere Weise zu erleben. Für mich war es deswegen so, dass ich irgendwann ab Mitte des Buches begonnen habe, die Geschichte von seiner Originalvorlage abzukoppeln und als komplett eigenes Werk zu betrachten – was nicht immer möglich war, weil einige Parallelen doch einfach zu treffend und witzig waren, was aber im Großen und Ganzen doch überraschend gut funktioniert hat. Dadurch blieben mir auch einfach unfassbar viele Lacher und „WAAAS?“-Ausrufe, die das Leseerlebnis ziemlich unterhaltsam gestalteten.

Im Nachhinein muss ich auch gestehen, dass mir das Buch wohl doch besser gefallen hat, als es sich in meiner 4 Sterne Wertung widergespiegelt hat. (Wobei 4 Sterne wirklich nicht zu verachten sind.) Ich fand das Buch unglaublich komisch, die Bennetts waren (wieder einmal) großartig und in Höchstform und Curtis Sittenfeld ist es doch schon gelungen, den Klassiker in unsere heutige Zeit einzubetten, ohne dass es irgendwie zu gewollt oder fehl am Platze wirkte. Alles in allem kann ich das Buch daher durchaus weiterempfehlen – gerade für den Sommer ist es perfekte Unterhaltung und ich glaube, man kann damit sogar seinen Spaß haben, wenn man Austen’s Vorlage dazu nicht kennt – vielleicht ja sogar mehr Spaß, weil man dann nicht immerzu irgendwelche Vergleiche zieht. Ich habe meine Bewertung jedenfalls nochmal auf großzügige 4.5 Sterne aufgestockt, einfach weil das Lesen so viel Vergnügn bereitet hat und ich ehrlich gesagt auch schon jetzt über einen Reread nachdenken muss.

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8 Kommentare zu „[Rezension] Curtis Sittenfeld: „Eligible“

  1. Damit ist das Buch dann wohl endgültig auf meiner Wunschliste gelandet :). Ich mag Retellings eigentlich auch (hab neulich ne geniale Fanfiction zu S&V gelesen) und bin ein großer Fan von S&V, also bin ich mal gespannt :).

    LG,
    Charlie

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