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[Buch-Film-Vergleich] Ransom Riggs: „Die Insel der besonderen Kinder“


Kaum einen Film habe ich in diesem Jahr so sehr herbeigesehnt wie „Die Insel der besonderen Kinder“ von Ransom Riggs, welches von Tim Burton auf die Kinoleinwand gezaubert wurde. Schon der Trailer ließ erahnen, dass es im Vergleich zum Buch einige Änderungen geben wird – was dann aber letztendlich tatsächlich im Kino gezeigt wurde, hat mir ehrlich gesagt fast die Sprache verschlagen.

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Ihr wisst, die Buchreihe um die besonderen Kinder, war eine meiner liebsten des letzten Jahres (Rezension). Die fantastische und sonderbare Geschichte mit den Kindern und Jugendlichen, die lauter eigenartige Fähigkeiten haben und die in Zeitschleifen leben, um sich vor bösartigen Monstern zu schützen, hat mich von Anfang an begeistert und auch wenn ich das Gefühl hatte, dass die Reihe von Buch zu Buch an Spannung verlor, so fand sie doch einen würdigen Abschluss und ich konnte die Verfilmung kaum abwarten. Schon im Vorfeld war ich etwas zwiegespalten: Einerseits ist der Cast mehr als perfekt und die gesamte Geschichte schien Tim Burton einfach wie auf dem Leib geschneidert, aber letztendlich muss ich gestehen, dass ich mit einem wirklich unwohlen und enttäuschtem Gefühl aus dem Kino ging.

Die Handlung muss ich euch ja nicht nochmal breittreten, das habe ich zur Genüge in meiner Rezension damals getan und ohnehin ist der Film ja gerade in aller Munde. Interessanter ist daher die filmische Umsetzung, auf die ich mich in diesem Beitrag beschränken möchte. Die Auswahl der Schauspieler für die jeweiligen Charaktere finde ich geradezu bemerkenswert. Jede Figur hat ihre Rolle komplett ausgefüllt und die Liebe zum Detail und zum Merkwürdigen, die man schon aus anderen Burton-Filmen kennt, konnte gerade in diesem Film richtig entfalten. Das Magische, Skurrile wurde hervorragend eingefangen und dadurch wurde eine einzigartige Atmosphäre geschaffen, die zwar nicht durchgehend, aber zumindest zeitweise sehr präsent war. Dagegen waren einige Dinge völlig überflüssig; vom Ende des Filmes, auf das ich gleich noch eingehen möchte, jetzt ganz abgesehen, gab es die ein oder andere Szene, die wohl lustig wirken sollte, aber einfach nur lächerlich und unpassend war und für mich das Gesamtbild und die Atmosphäre des Filmes ruinierte. Das ist typisch Burton, passte für mich aber überhaupt gar nicht zu der sonst sehr magischen und märchenhaften Stimmung, die der Geschichte eigentlich zugrunde liegt.

Das traurigste ist dabei für mich, das der Film so viel Potential hatte, dieses aber nicht einmal annähernd ausgeschöpft wurde. Es wird durch die Handlung gerast, vieles wird einfach nicht ausführlich genug erklärt, einiges nur angeschnitten. Dazu kommt dann das Ende, dieses furchtbare Ende. Alles klärt sich auf eine so lächerliche Art und Weise und weicht so weit vom Buch ab, das ich versucht war, das Kino sogar zu verlassen, weil ich es nicht ertragen konnte. Derjenige, der sich das Ende des Filmes ausgedacht hat, hat definitiv den schlechtesten Job aller Zeiten gemacht, denn es war absolut nervtötend und schauderhaft, auf die negativste Weise, die man sich nur vorstellen kann. Ich bin eigentlich kein Mensch, der schon im voraus davon ausgeht, dass das Buch sowieso besser ist als der Film – im Gegenteil, ich gehe immer davon aus, das beide auf wunderbare Weise nebeneinander existieren und auf ihre eigene Art perfekt sein können. Aber das so viel vom Buch weggelassen wird und dann auch noch ein völlig neues und unpassendes Ende hinzugedichtet wird, das geht in meinen Augen gar nicht. Die ganze Geschichte wird einfach mal so verändert, damit sie aus romantischen Gründen besser funktioniert und auch der Action-Teil sich besser einfügen ließ. Das schlimmste ist für mich allerdings, dass durch das fantasielose Ende der Weg zur Verfilmung der Fortsetzungsbände nunmehr völlig verbaut ist.

Optisch und darstellerisch hätte der Film gar nicht besser sein können, davon bin ich überzeugt, aber das Drehbuch hat leider nahezu komplett versagt und es gab zu viele Szenen, in denen Tim Burton der Geschichte seinen Stil aufgezwängt hat, obgleich es teilweise einfach nicht passte. Die Abweichungen, die vom Buch gemacht wurden sind für mich absolut nicht verständlich. Mir ist klar, dass ein Film nicht jedes Detail des Buches enthalten kann, aber unnötige Änderungen in einem derartigen Ausmaß vorzunehmen ist für mich einfach nicht nachvollziehbar. Wenn ich ins Kino gehe und eine angepriesene Buchverfilmung sehen möchte, dann erwarte ich auch, dass sich zumindest dem Grund nach auch um diese Buchverfilmung geht, und nicht um eine Geschichte, die ein komplett neues Ende aufgedrückt bekommt.


Von welcher Buchverfilmung wart ihr bisher sehr enttäuscht? Und habt ihr „Die Insel der besonderen Kinder“ schon gesehen? Wenn ja, was haltet ihr von dem Film?

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14 Kommentare zu „[Buch-Film-Vergleich] Ransom Riggs: „Die Insel der besonderen Kinder“

  1. Danke für diese tolle Filmkritik! Ich wollte natürlich auch super gerne ins Kino. Habe allerdings nur das erste Buch gelesen und oft gehört, dass wohl auch Elemente aus dem zweiten Teil vorkommen. Scheinbar war es doch nicht so,sondern Einzelheiten wurden abgeändert, wenn ich dich richtig verstanden habe?
    Auch gibt es den Film bei uns ausschließlich in 3D,was ich blöd finde.
    Werde ihn wohl doch Zuhause ansehen.

    Lieben Gruß,
    Nicci

    1. Es wurde minimal das Ende vom zweiten Teil der Reihe angedeutet, aber an sich war es eigentlich ein komplett neu erfundenes Ende und der zweite und dritte Teil der Reihe spielte keine Rolle.
      Bei uns wurde der Film auch nur zur Mittagszeit in 2D angeboten, aber immerhin etwas. Ich habe jetzt auch schon des öfteren gehört, dass die 3D-Effekte ziemlich lahm und unnötig gewesen sein sollen. :/
      Ganz liebe Grüße
      Liesa

      1. Bei uns gibt’s den gar nicht in 2D. Ich freue mich einfach weiter über die Bücher und schaue ihn, wenn überhaupt, zuhause.
        Danke für die Erklärung!
        LG und ein schönes Wochenende!

  2. Ich war auch recht enttäuscht, vor allem vom Ende :/.

    Ich fand die Atmosphäre auch super eingefangen, vor allem optisch. Allerdings hat mich außer Eva Green von den Darstellern auch keiner umgehauen, obwohl der Cast sich ja durchaus sehen lässt.

    JA, genau, diese Szenen, die lustig sein sollten, es aber irgendwie nicht waren, haben mich auch genervt. Das war teilweise richtiger Kinderfilmhumor, der so gar nicht reingepasst hat.

    Das Ende fand ich auch richtig richtig schlimm.
    Meine Theorie ist ja, dass man Angst hatte, nicht genug Geld für einen zweiten Film zu bekommen, und die Geschichte deshalb beenden und nicht wie das Buch halb offen lassen wollte. Dabei hatte das Buch ja kein schlechtes Ende, sondern eines, das bis zum Lesen des zweiten Bandes viel der Fantasie überlässt. Nur gab es da halt keinen „kinoreifen Showdown“…

    Schlimm fand ich auch den Mist, den die da mit den Zeitschleifen verzapft haben. Das hat ja mal so gar keinen Sinn ergeben, wie die das am Ende gedreht haben.

    Und warum haben sie Emmas und Olives Kräfte getauscht?

    Alles in allem kann ich dir nur zustimmen. Schade, der Film hätte sehr gut werden können.

    Liebe Grüße,
    Charlie

    1. Ja, das kann ich mir auch gut vorstellen, dass das Ende so abgekürzt wurde, nur weil man befürchtete, nicht genug Geld für Fortsetzungen zu haben. Trotzdem verstehe ich es einfach nicht, man hätte es doch wenigstens etwas offener und näher am Buch lassen können, um wenigstens noch die Chance der Weiterverfilmung zu haben. So ist der Weg ja jetzt kompett verbaut, was mich ehrlich gesagt richtig wütend und traurig macht. Dass sie die Kräfte von Emma und Olive getauscht haben, war ja dagegen eigentlich noch das kleinere Übel, wobei mich das auch schon ziemlich aufgeregt hat ehrlich gesagt. Ach man, ich bin echt enttäuscht, das hätte wirklich so ein großartiger Film werden können.
      Ganz liebe Grüße!
      Liesa

  3. Schöne Filmkritik! Habe vor Kurzem den ersten Teil zu Ende gelesen und wollte eigentlich noch ins Kino gehen. Da ich aber jetzt schon öfters gelesen und gehört habe, dass der Film eine ziemliche Enttäuschung ist, spare ich mir jetzt lieber den Kinobesuch :D Ein absolutes Fiasko war für mich Smaragdgrün. Hab mich so sehr auf diesen Film gefreut (der zweite Teil war Klasse) und war dann so maßlos enttäuscht. Da wollte ich (wie du) fast schon den Kinosaal verlassen. Hast du den Film auch gesehen bwz. die Bücher gelesen?

    1. Ja, bei „Smaragdgrün“ ging es mir ähnlich – das ganze war so absurd und hatte zum Schluss kaum noch was mit der Buchvorlage gemeinsam! Da war ich auch ziemlich enttäuscht, obwohl ich es grundsätzlich erstmal schön fand, dass die Reihe überhaupt zu Ende verfilmt wurde. Das ist ja gerade bei deutschen Produktionen schon fast etwas Besonderes. Es ist aber trotzdem ein klassischer Fall von „Das Buch war 100x besser als der Film“!

  4. Hallo Liesa,
    habe gerade die Insel der besonderen Kinder gelesen bzw verschlungen trifft es wohl ehr ;-) Die anderen beiden Teile sind schon bestellt.
    Danach hab ich mir die Trailer mal angeschaut und war schon gleich direkt enttäuscht…Effekt mäßig sicherlich toll und für nicht Leser bestimmt auch ein toller Film aber wenn einer Leseratte im Trailer schon Details auffallen die nicht stimmen…..mehr muss ich nicht sagen.
    Mir ging es zuletzt bei „die Bestimmung“ so….der erste Teil ging noch aber die anderen beiden Teile völlig am Buch vorbei…extrem enttäuschend.

  5. Hallo :)

    Mir ging es genau wie dir. Da ich gestern bereits unter einem anderen Blog meinen Frust von der Seele schrieb und du beinah alles geschrieben hast, was ich zu sagen hätte, werde ich meine Meinung nicht ganz so ausführlich erläutern.

    Meine Tochter hatte das Buch zu Weihnachten bekommen, ich hätte es sonst bestimmt nie gelesen. Leider bekam sie die Version mit dem Einband des Filmplakates. Dieser suggeriert einerseits ein schönes Kinderbuch (meine Tochter ist 10 und noch während dem Lesen empfahl ich ihr, es erst in ein paar Jahren zu lesen, was sie auch tun wird), andererseits hat mich manches dadurch verwirrt. Ich verglich die Bilder ab und an mit den Personen und es ergab einfach keinen Sinn. Irgendwann ließ ich es endlich bleiben. Nur Emma und Olive stellte ich mir weiterhin vor wie auf dem Einband, weshalb ich im Film gleich wieder irritiert war.

    Das Ende fiel mir nur halb so negativ auf wie dir, da mich der Film schon fast von Anfang an aufregte. Bis auf den Leitfaden der Geschichte (die mysteriösen Kinder und warum Jake sie sucht und dass er sie findet und ihnen hilft), wurde alles verändert. Anfangs nur die Situationen wie Jake seine Erkenntnisse erlangt, später, wie du schon schriebst, die kompletten Handlungen und das Ende.

    Ich habe mir schon vor langer Zeit abgewöhnt, Filme kurze Zeit nach den Büchern zu lesen. „Der Regenmacher“ war mein erstes Buch, welches ich vorm Film las. Ich war 13 oder 14 und ich wollte das Buch unbedingt vorm Film lesen, weshalb ich in jeder freien Minute las, damit ich rechtzeitig fertig war. Das habe ich dann auch knapp noch am selben Tag geschafft.
    Dann gingen meine Mutter und ich ins Kino. Es wurde sooo viel weggelassen. Bestimmt ist der Film dennoch großartig, aber damals war mir noch nicht klar, dass Storys für die Leinwand gekürzt werden müssen.

    Zuletzt war ich extrem enttäuscht von „Eragon“.
    Ich wollte den Film schon seit Jahren sehen, denn ich liebe Drachenfilme, habe es aber nie geschafft, bis ich das erste Buch in die Finger bekam.
    Ich verschlang es, dann das zweite und das dritte und nach weiteren ca. 2 Jahren hatte ich endlich das Glück, dass meine Mum den Film vom Fernsehen aufnahm (ich habe keinen Fernseher).
    Endlich konnte ich ihn sehen.
    Nach ca. einer halben Stunde habe ich abgebrochen. Ich konnte die Verstümmelung nicht ertragen.
    Später versuchte ich es noch mal, mit meinem Freund zusammen. Es wurde nicht besser und er fand den Film auch schlecht.
    Ich glaube, wir haben ihn nicht zu Ende geguckt, aber ich weiß es nicht genau.

    „Die unendliche Geschichte“ war wohl der einzige Film, den ich bis heute immer wieder gern sehe, obwohl ich das Buch bereits zwei Mal gelesen habe (sonst schaffe ich kein Buch ein zweites Mal). Das Buch ist trotzdem viel toller, aber der Film wurde sehr gut umgesetzt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich erst den Film (als kleines Kind) sah, lange bevor ich das Buch las.

    1. Hallo liebe Steph, ich danke dir für dein ausführliches Kommentar, dem ich einfach von vorne bis hinten nur zustimmen kann!
      „Eragon“ habe ich selber nie gesehen, aber gelesen. Ich hatte, als der Film rauskam, gehört, dass er dem Buch überhaupt nicht gerecht wird und ziemlich schrecklich ist, deswegen habe ich mich geweigert ihn zu sehen – ähnlich wie bei „Tintenherz“ von Cornelia Funke. Ich finde es schön, wenn Bücher verfilmt werden und ich hab auch nichts dagegen, wenn der Film ein wenig abweicht vom Original, aber wenn komplette Änderungen vorgenommen werden, die sinnlos sind, dann ist das einfach enttäuschend. Kann dich also total verstehen, ich fühle da genauso!

  6. Eines habe ich vergessen, was mir auch die ganze Zeit auf der Seele brennt: Im Film wird gesagt, die Kinder können nur wenige Minuten außerhalb der Schleife bleiben, bevor sie zu Asche zerfallen (was mit dem Apfel ja auch geschah). Wieso waren die dann stundenlang außerhalb ihrer Schleife, als die in sich zusammen gebrochen war, ohne zu zerfallen? Im Buch waren sie nach der Zerstörung der Schleife nie mehr im 21. Jahrhundert.

    Das ist an dieser Stelle natürlich eine rhetorische Frage. Falls mir eine Erklärung im Film entgangen ist, bin ich trotzdem dankbar, wenn ein Wissender mich aufklärt :)

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