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[Rezension] Sarah Crossan: „Apple und Rain“


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Sarah Crossan / „Apple und Rain“ (eng. „Apple and Rain“)
cbt Verlag , 22.08.2016
Klappenbroschur, 12,99€

Inhalt

Drei Jahre alt war Apple, als ihre Mum sie in einer stürmischen Nacht bei der Großmutter zurückließ. Seitdem hat Apple nichts von ihr gehört. Elf Jahre später taucht Mum plötzlich wieder auf. Mum ist das Gegenteil von Apples strenger, konservativer Nana. Im Glückstaumel zieht Apple bei Nana aus, direkt zu Mum. Womit sie aber nicht gerechnet hat: Sie ist nicht Mums einziges Kind. Dass ihre kleine Halbschwester Rain ebenso wenig von Apple wusste, macht die Sache nicht besser. Und dass Mum Apple als Babysitterin braucht, auch nicht. Apple dämmert, dass sie eine schwierige Wahl getroffen hat. Zum Glück kann sie sich dem Nachbarsjungen Del anvertrauen, der ziemlich gut zuhören kann …

Meine Meinung

„Apple und Rain“ ist die ergreifende Geschichte über die dreizehnjährige Apple, die sich nichts sehnlicher wünscht, als dass ihre Mutter, die sie vor über 10 Jahren verlassen hat, endlich wieder zu ihr zurück kommt. Als ihr Wunsch jedoch tatsächlich in Erfüllung geht, ist sie zwar überglücklich, aber ihr wird auch ziemlich schnell klar, dass die idealisierte Version ihrer Mutter, die sie die ganze Zeit im Kopf hatte, nicht unbedingt der Realität entspricht.

Apple ist so herzlich und lieb – ich wollte sie während des Lesens mindestens fünfmal in den Arm nehmen und sie damit beruhigen, dass schon alles gut wird. Neben der Trauer und Einsamkeit, die sie wegen ihrer Mutter empfindet, läuft auch sonst einiges schief in ihrem Leben. Ihre beste und einzige Freundin Pilar lässt sie links liegen, weil sich plötzlich das beliebteste Mädchen der Klasse für sie interessiert, Apples Schwarm aus der Oberstufe nimmt sie nicht wahr, ihre Nana (Oma), bei der sie wohnt, ist superstreng und ihr Vater und seine neue Freundin kriegen bald ein Baby. Als Apples Mutter wie aus dem Nichts auftaucht, sieht Apple die Chance, ihrem tristen Alltag zu entfliehen und zieht deswegen zu ihr. Da wartet aber auch schon die nächste Überraschung: Rain, ihre zehnjährige Schwester, die, obwohl der Altersunterschied zwischen ihr und Apple nicht allzu groß ist, um einiges jünger und unreifer wirkt und außerdem auch mit psychischen Problemen zu kämpfen hat. Immer bei sich trägt sie nämlich eine Puppe, von der sie stur behauptet, sie sei ein echtes Baby mit echten Bedürfnissen und Wünschen. Von Apples Mutter wird das jedoch nur als Phase abgetan, die schon irgendwann wieder vergehen wird.

Sowieso hat Apples Mutter eine sehr laxe Einstellung zu allem. Nachdem Rain an ihrem ersten Schultag gleich gemobbt wird – eben weil sie mit einer Puppe herumläuft und darauf beharrt sie sei ein echtes Baby – sagt ihre Mutter nur, dass sie auch erstmal nicht mehr zur Schule gehen braucht. Sie feiert Parties in der Wohnung, bei denen sie Apple dazu ermutigt, sich an ihrem Kleiderschrank zu bedienen und sie außerdem dazu verführt, Alkohol zu trinken. Wenn ihre Mutter auf der Suche nach Jobs wieder für einen ganzen Tag nach London fährt, soll Apple den Babysitter spielen und auf Rain aufpassen – dass sie die Schule verpasst ist ganz egal. Im Prinzip schmeißt Apple den ganzen Haushalt alleine, passt auf ihre Schwester auf, kocht, putzt, kauft ein und vernachlässigt dabei komplett die Schule. Apple wird zunehmend bewusst, dass das so nicht richtig sein kann, dass ihre Mutter vielleicht doch nicht die Verbesserung in ihrem Leben ist, die sich erhofft hat und dass zu viele Freiheiten und zu wenig Regeln nicht zwingend besser sind.

Wunderschön ist der Bezug des Buches zur Lyrik. Die Geschichte ist in verschiedene Teile aufgebrochen – Einsamkeit, Angst, Krieg, Liebe, Enttäuschung, Poesie – die zum einen die lyrischen Themengebiete darstellen, die Apple in der Schule behandelt, zum anderen spiegeln diese aber auch das wider, was Apple innerlich erlebt und empfindet. Die Verflechtung war wirklich schön und hat mir gut gefallen und ich denke, dass gerade bei jüngeren Lesern so vielleicht sogar ein bisschen das Interesse an Gedichten geweckt werden kann.

Sarah Crossan schreibt ehrlich und einfühlsam und so, dass es direkt ins Herz geht. Sie hat unglaublich interessante, liebenswürdige und auch vielschichtige Charaktere geschaffen, und obwohl ich zehn Jahre älter bin als Apple, konnte ich mich so gut in sie hineinversetzen und fand sie wirklich sympathisch und aufrichtig. Gerade die Erkenntnisse, die sie im Laufe des Buches erlangt, machen sie nochmal um einiges reifer und erwachsener und ich mochte insbesondere auch, wie sie mit all dem umgegangen ist, was sie belastet hat. Auch ihr Verhältnis zu Rain war herzerwärmend und wunderschön und obwohl sie gar keine „Übung“ darin hatte, war sie einfach eine richtig tolle große Schwester. Ich mochte auch, die Beziehung zu ihrer Nana und wie Apples Gedanken sich in Bezug darauf verändert haben.


„Apple und Rain“ ist eine Geschichte über Familie und über das Erwachsenwerden, die ans Herz geht und berührt. Trotzdem es ein Kinder-/Jugendbuch ist, habe ich nicht das Gefühl gehabt, zu alt für die Botschaft des Buches zu sein und habe das Lesen sehr genossen.  Ich gebe daher 4.5 von 5 Sternen. Das wird sicher nicht mein letztes Buch der Autorin gewesen sein!

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