Bücher · Persönliches

Autoren, die ich dieses Jahr für mich entdeckt habe


Auf mehreren englischsprachigen Blogs – unter anderem Paper Fury – habe ich kürzlich Beiträge entdeckt, in denen es um Autoren geht, von denen man erst 2016 etwas gelesen und sie sofort ins Herz geschlossen hat. Da mir sind direkt einige Namen eingefallen sind, die ich in meinem Regal nicht mehr missen möchte, dachte ich, ich könnte einige meiner Neuentdeckungen dieses Jahres mit euch teilen – wie immer bin ich bei einigen ganz schön late to the party, andere wiederum gaben dieses Jahr erst ihr Debüt und ich hoffe sehr, dass man von ihnen noch einiges lesen wird.

Cynthia D’Aprix Sweeney

9783608980004Als ich „Das Nest“ von der Autorin in einer der vergangenenen Lovely Boxen gewann, war ich völlig aus dem Haus, denn schon anhand des Buchklappentextes habe ich irgendwie geahnt, dass dieser Roman total meinem Beuteschema entspricht. Ich wurde auch nicht enttäuscht und mochte an diesem Buch besonders den ruhigen aber dennoch komplexen und angenehmen Erzählton, sowie die familiären Beziehungen zwischen den Figuren, ihr Gefühlsleben und vor allem die Unterschiede in Bezug auf die vier Geschwister, um die es in diesem Buch vorrangig geht. Ich hoffe wirklich sehr, dass dies nicht das letzte Buch der Autorin gewesen sein wird!

Han Kang

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Abgesehen davon, dass ich die Covergestaltung der deutschen Ausgabe von „Die Vegetarierin“ unfassbar gelungen finde, bin ich sehr froh, dieses umstrittene Buch gelesen und für mehr als gut befunden zu haben. Asiatische Literatur ist so spannend und anders und es fühlte sich tatäschlich ein bisschen so an, als wäre man bei „Die Vegetarierin“ in eine völlig andere Welt abgetaucht, weil die Atmosphäre so unwirklich und besonders war. Deshalb möchte ich die Autorin definitiv nicht aus den Augen verlieren und hoffe, dass bald auch ihr anderer Roman (‚Human Acts‘) ins Deutsche übersetzt wird, damit ich es mir sofort unter den Nagel reißen kann.

Catharina Junk

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Ein beeindruckendes Debüt ist auch Catharina Junk gelungen. Normalerweise stehe ich deutschen Autoren immer etwas skeptisch gegenüber – ich weiß nicht, woher diese Grundhaltung kommt und warum ich ihnen so wenig zutraue, aber Catharina Junk hat mich mit „Auf Null“ auf jeden Fall eines besseren belehrt und meine negative Einstellung dahingehend etwas korrigiert. Für mich ist dieses Buch in diesem Jahr eines der Bücher gewesen, die mich am meisten bewegt und gerührt haben und das sowohl in eine emotionale Richtung, als auch in eine humorvolle. Catharina Junk schreibt so treffend und realistisch und bewahrt dabei die perfekte Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Witz – ich kann es schon jetzt kaum erwarten, hoffentlich bald etwas neues von ihr lesen zu dürfen.

Agatha Christie

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Wenn ich bedenke, dass meine Mama mir eigentlich schon in meiner Jugend dazu geraten hat, es doch mal mit Agatha Christie zu probieren, ist es tatsächlich etwas traurig, dass ich weitere 10 Jahre gebraucht habe, ehe ich mich tatsächlich an eines ihrer Bücher getraut habe. „And Then There Were None“ ist vermutlich einer ihrer bekanntesten Krimis und ich kann sagen, dass das völlig zurecht der Fall ist. Das Buch war bis zur letzten Seite spannungsgeladen und mit interessanten und vor allen Dingen verschiedenen Figuren bevölkert, sodass es tatsächlich nicht einmal eine Seite langweilig wurde, sondern man immer und immer weiterblättern und endlich die Lösung des Rätsels erfahren wollte. Im nächsten Jahr gibt es für mich daher definitiv mehr von Agatha Christie – genug Lesestoff hat sie uns ja gelassen.

Hanya Yanagihara

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Zugegeben, das Cover schüchtert mich immer noch etwas ein, aber ich kann nicht leugnen, dass „A Little Life“ (das in Kürze übrigens auch auf Deutsch erscheinen wird!) eines meiner Jahres-Highlights war. Das Kuriose ist, dass ich dieses Buch so unglaublich gut fand, aber dennoch jetzt schon weiß, dass ich es wohl nie nie wieder nochmal lesen werde, weil es mich emotional einfach zu sehr mitgenommen hat. Die Geschichte wird von Hanya Yanagihara so einfühlsam erzählt und auch wenn es diverse Leserstimmen gibt, die sich darüber beklagen, dass die Autorin den Leser manipuliert, indem sie all diese traurigen Gefühle in ihm hervorruft, sehe ich das etwas anders – denn das ist es doch schließlich, was ein Autor im besten Fall erreichen will. Für mich ist Hanya Yanagihara jedenfalls eine begnadetete Schreiberin, die den Leser (oder zumindest mich) auf eine emotionale Achterbahn mitnimmt und mit „A Little Life“ ein Buch geschrieben hat, das man tatsächlich niemals vergessen wird.

Celeste Ng

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Neben „Das Nest“ ist „Everything I Never Told You“ ebenfalls ein Roman über familiäre Strukturen und Beziehungen und konnte mich mindestens auch genauso begeistern. Weiterer Pluspunkt ist, dass Celeste Ng aus der Sicht einer asiatischen Familie in den Vereinigten Staaten erzählt und das auch noch in den 60ern, was superinteressante Einblicke über die damalige Situation im Umgang mit Immigranten gibt. Das Buch ist fesselnd geschrieben und ähnelt fast schon einer psychologischen Analyse, bei der erst ganz am Schluss alle Fäden zusammenführen und ein faszinierendes Gesamtbild ergeben.

Bonnie-Sue Hitchcock

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The Smell of Other People’s Houses“ habe ich relativ zu Beginn des Jahres gelesen und ich muss sagen, dass es mir ein bisschen den Glauben an YA wiedergegeben hat. Das Buch zeichnet sich in meinen Augen durch so viele Besonderheiten aus – damit meine ich nicht nur Titel und Cover, sondern auch den Handlungsort (Alaska), die Protagonisten und im Zusammenhang mit letzteren vor allem auch die Lebensweisen, Familienhintergründe, Gedanken und Gefühle. Wäre dieses Buch nicht gewesen, ich weiß nicht, ob ich mich nicht sogar komplett von YA abgewendet hätte, denn wie gesagt, ich hatte eigentlich schon lange keine Freude mehr am Genre. Ein großes Danke also an Bonnie-Sue Hitchcock, dass sie mich eines besseren belehrt hat!

Shirley Jackson

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Vor allem wegen Lotte ist Shirley Jackson mir ehrlich gesagt überhaupt ein Begriff. Manchmal finde ich es wirklich unglaublich, wieviel ich „verpasst“ hätte, wenn ich nicht so aktiv auf Bookstagram unterwegs wäre – aber darüber muss ich mir ja zum Glück keine Gedanken machen, weil das nicht der Fall ist. „We Have Always Lived In The Castle“ hat mir auf jeden Fall richtig Geschmack auf mehr von der Autorin gemacht, denn ihre Charaktere konnten mich schon auf diesen wenigen Seiten völlig in ihren Bann ziehen und ich habe außerdem das Gefühl, dass Shirley Jackson einen leichten Hang zum Grusel hat, was mir richtig gut gefällt. Für Nachschub im Regal habe ich jedenfalls schon mal gesorgt – jetzt muss ich nur endlich ein bisschen Zeit freischaufeln, um mehr von der Autorin zu lesen.

Eleanor Catton

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Einen Volltreffer bei mir landen konnte auch Eleanor Catton mit „Die Gestirne„. Ihr Debütroman – „Die Anatomie des Erwachens“ – konnte mich zwar leider nicht wirklich überzeugen, dafür war ich umso begeisterter von diesem komplexen Wälzer, der so wahnsinnig durchdacht und klug ist und dazu auch noch unheimlich fesselnd geschrieben ist. Wie Eleanor Catton es gelungen ist, ein solch undurchdringliches Netz aus Figuren und Gegebenheiten zu konstruieren, ohne dass auch nur eine Kleinigkeit unlogisch erscheint ist mir schleierhaft, aber „Die Gestirne“ gehört für mich definitiv zu meinen Favoriten in 2016 und ich hoffe hoffe wirklich sehr, dass sie noch mehr solcher brillanten Werke zu Papier bringen wird. Ehrlich gesagt plane ich jetzt schon einen Reread, denn auch wenn es erst knapp ein Jahr her ist, dass ich das Buch gelesen habe, habe ich richtig dolle Lust nochmal in das Neuseeland des 19. Jahrhunderts einzutauchen.

Patrick Ness

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Last but certainly not least muss ich unbedingt auch noch Patrick Ness nennen. Ich glaube, von keinem anderen Autor habe ich eine solch große Sammlung an ungelesenen Büchern bereits im Regal, aber ich habe neben „A Monster Calls“, welches ich zu Beginn des Jahres gelesen und geliebt habe, noch 5 weitere Bücher des Autors in meinem Besitz. Das kann doch nur ein Zeichen dafür sein, dass „A Monster Calls“ – das übrigens demnächst auch im Kino anläuft – mich umgehauen hat und ich mir sicher war, dass dem Autor dies auch mit seinen anderen Büchern gelingen wird! Wie immer hoffe ich, dass ich wirklich bald die Zeit finde, zu seinen anderen Büchern zu greifen. Ich glaube zwar, dass diese sich vom Stil nochmal etwas von „A Monster Calls“ unterscheiden, aber ich habe dennoch ein ziemlich positives Gefühl und glaube, dass mir die Bücher mindestens genauso gut gefallen werden.


Na, und welche Autoren sind eure Neuentdeckungen in 2016? Mir sind ehrlich gesagt so viele eingefallen, dass ich mich echt ein wenig eingrenzen musste, um nicht alle zu nennen. Wie steht ihr zu den Autoren, die ich in diesem Jahr in mein Herz geschlossen habe? Kennt ihr sie schon länger/auch erst seit diesem Jahr/überhaupt gar nicht?

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10 Kommentare zu „Autoren, die ich dieses Jahr für mich entdeckt habe

  1. Schöne Aufzählung, leider kenne ich nur wenige der genannten. Ich habe dieses Jahr sehr gerne von Richard Price Bücher gelesen aber auch mal wieder einen Klassiker (Die Räuber) von Schiller :)

    1. Klassiker lese ich auch viel zu selten, obwohl ich mir das eigentlich für 2016 vorgenommen hatte. Gerade von Schiller möchte ich schon so lange etwas lesen, aber schiebe es immer wieder auf. :‘)

  2. Ich tue mich immer erstaunlich schwer damit zu sagen, dass ich bestimmte Autoren mag. Generell lese ich von vielen Autoren nicht mehr als ein, zwei Bücher, egal wie gut ich diese fand. Und bei vielen ist es so, dass mir ein Buch zwar vielleicht super, das andere aber gar nicht gefällt, sodass ich nicht mehr weiß, ob ich noch andere Bücher dieser Person lesen soll.

    Bücher von Agatha Christie stehen definitiv noch auf meiner To-Read-Liste.

    „Was ich euch nicht erzählte“ hat mich dieses Jahr auch sehr begeistert. Ich finde, es ist wichtig den potentiellen Lesern klarzumachen, dass es sich nicht um einen Thriller handelt, sondern eher um ein psychologisches Portrait einer Familie, aber als solches ist es echt klasse.

    „A Monster Calls“ hab ich vor Jahren gelesen, als es auf deutsch rauskam, und war richtig begeistert, vor allem von der Kombination aus berührender Geschichte und stimmungsvollen Zeichnungen. Da bin ich auch sehr gespannt, wie das im Film umgesetzt wird.

    Seitdem habe ich nur ein Buch von Patrick Ness angefangen, aber mittlerweile erstmal abgebrochen. Ich denke, zwischen diesem und seinen anderen Büchern besteht ein großer Unterschied, allein weil die Idee zur Geschichte von „A Monster Calls“ nicht von ihm ist und das Buch auch ganz anders aufgebaut ist als seine eigenen. Nichtsdestotrotz wird er ja sehr gefeiert und ich werde ihm auf jeden Fall nochmal eine Chance geben.

    Liebe Grüße :),
    Charlie

    1. Ich habe das Gefühl, ich schließe Autoren immer viel zu schnell in mein Herz – schon ein gelesenes Buch von ihnen, das mir gut gefällt, lässt mich irgendwie denken, dass ich alle anderen Bücher ebenfalls lieben werde, was aber nicht immer der Fall ist. Gerade bei Patrick Ness glaube ich auch, dass die Unterschiede zu seinen anderen Büchern ziemlich groß sind, aber irgendwie denke ich trotzdem, dass mir seine anderen Bücher, die mehr für Jugendliche geschrieben sind, gut gefallen werden. Aber mal sehen, ich werd 2017 auf jeden Fall auch mal andere Bücher von ihm lesen. :)

  3. Ich habe auch öfter das Gefühl „late to the party“ zu sein ;-) Durch bookstagram bin ich auf so viele tolle Bücher aufmerksam geworden, die ich bisher aus irgendeinem Grund völlig übersehen habe.

    Agatha Christie habe ich dieses Jahr auch zum ersten Mal gelesen und war genauso begeistert wie du. Ich freue mich schon darauf, nächstes Jahr mehr von ihr zu lesen.

    Ebenfalls zum ersten Mal gelesen habe ich Khaleed Husseini und ich war einfach überwältigt von den Geschichten aus Afghanistan. Ich habe lange nicht mehr so geheult beim Lesen.

    Eines meiner Highlights dieses Jahr war die Barcelona-Triologie von Carlos Ruiz Zafón. Die Geschichten sind so toll geschrieben und haben mich unglaublich gefesselt. Ich bin schon sehr auf den 4. Teil gespannt, der im März in Deutschland erscheinen soll.

    Liebe Grüße
    Katharina

    1. Das geht mir ähnlich, ich glaube, dass ich auf viele Bücher ohne Bookstagram überhaupt gar nicht aufmerksam geworden wäre. Einerseits ist es wundervoll, dass man dadurch so viele tolle Bücher entdeckt, aber andererseits ist es zum Haareraufen, weil die Wunschliste immer länger und länger wird.
      Khaled Hosseini ist wirklich ein einzigartiger Autor – ich habe bisher nur „Drachenläufer“ und „Tausend Strahlende Sonnen“ gelesen, aber beide Bücher haben mich zum Weinen gebracht und waren einfach so atemberaubend!
      Carlos Ruiz Zafon liebe ich ebenfalls – ich muss seine Trilogie unbedingt mal fortsetzen, ich wusste gar nicht, dass ein weiterer Teil erscheint, da muss ich mich ja echt beeilen.
      Ganz liebe Grüße!
      Liesa

  4. Ein toller Beitrag. „Die Vegetarierin“ befindet sich schon eine Zeit lang auf meiner WuLi, ich muss es scheinbar ganz bald mal kaufen & lesen.
    Die anderen genannten Bücher werde ich mir auch mal näher ansehen.

    Lieben Gruß,
    Nicci

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