Bücher · Rezension

[Rezension] Maria D. Headley: „Magonia“


magonia
Maria D. Headley / „Magonia“ (engl. „Magonia„) aus dem Amerikanischen übersetzt von Julia Walther
heyne fliegt, 03.04.2017
Gebunden mit Schutzumschlag, 365 Seiten, 16,99€

Inhalt

Seit sie klein ist, leidet die 16-jährige Aza an einer seltsamen Lungenkrankheit, die ihr ein normales Leben unmöglich macht. Als sie eines Tages ein Schiff hoch in den Wolken erspäht, schiebt sie das Phänomen auf ihre akute Atemnot. Bis jemand auf dem Schiff ihren Namen ruft …

Nur ein Mensch glaubt ihr diese Geschichte: ihr bester Freund Jason, der immer für sie da war, den sie vielleicht sogar liebt. Aber gerade als sie versucht, sich über die neuen tiefen Gefühle zu Jason klarzuwerden, überstürzen sich die Ereignisse. Aza meint zu ersticken – und findet sich plötzlich in Magonia wieder, dem Reich über den Wolken. Dort ist sie das erste Mal in ihrem Leben nicht mehr krank, sondern stark und magisch begabt. In dem heraufziehenden Kampf zwischen Magonia und Azas alter Heimat, der Erde, liegt das Schicksal aller mit einem Mal in Azas Händen …

Meine Meinung

„Magonia“ ist anders, als die Jugendbücher, die ich für gewöhnlich so lese. Dabei fängt es eigentlich ganz ’normal‘ an. Wir schlüpfen in die Haut von Aza Ray Boyle, einem 15jährigen Mädchen mit einer unheilbaren Lungenkrankheit, die kein Arzt wirklich erklären kann. Nur eines ist sicher, nämlich dass Aza nicht mehr lange zu leben haben wird. Die ersten 100 Seiten lernen wir Aza kennen, ihre Familie und auch ihren besten Freund Jason und obwohl Aza eine sehr verbitterte und bissige Figur ist, mochte ich ihre Art auf Anhieb sehr gerne. Als ihr eigenartige Dinge widerfahren, sie Schiffe in den Wolken sieht und Vogelschwärme sie quasi überfallen, driftet die Geschichte in eine Sci-Fi und Fantasy-Richtung ab, die ich in der Art und Weise gar nicht erwartet hätte.

Plötzlich war man in Magonia und das ganze Buch fühlte sich von einer Seite auf die andere ganz anders an, bekam einen ganz anderen Ton. Hier ist Aza weder krank noch schwach, im Gegenteil, sie lernt die Wahrheit über sich selbst und ihre Vergangenheit und schwebt dabei kilometerweit über der Erde in einem Schiff mit menschenartigen Vogelwesen, Sturmwalen und allerhand anderen seltsamen Kreaturen. Anfangs kam mir dieser abrupte Genrewechsel fast ein wenig zu extrem vor, aber ich habe mich doch schneller als erwartet daran gewöhnt und war dann richtig gepackt von der weiteren Entwicklung der Geschichte.

Was ich in Jugendbüchern einfach am meisten schätze und was mir dort gleichzeitig auch am häufigsten fehlt, ist ganz einfach die Originalität. Ich habe keine Lust, zum drölfzigsten Mal etwas zu lesen, das ich schon in dutzenden anderen Büchern gelesen habe. Und wenn man „Magonia“ eines zu Gute halten muss, dann ist das in meinen Augen definitiv Originalität und Einfallsreichtum der Autorin. Das Konstrukt „Magonia“ ist so einzigartig und kreativ und besonders, gerade auch, weil nicht alles, was Maria D. Headley dort schreibt ausgedacht ist, sondern einige der Dinge sogar auf realen Recherchen und wahren Mythologien beruhen. In diesem Punkt hebt sich das Buch von anderen seines Genres ganz deutlich ab und eröffnet eine magische Welt, hinter deren Türen sich immer wieder neue Mythen und Geschichten verborgen haben. Gleichzeitig liegt meines Empfindens nach hier aber auch der Schwachpunkt der Geschichte, denn an einigen Stellen hatte ich den Eindruck, die Autorin wollte zu viel und konnte dafür nicht tief genug auf Details eingehen, von denen ich mir aber doch mehr Hintergrundwissen gewünscht hätte. In die 360 Seiten wird wahnsinnig viel reingestopft, wodurch die Geschichte ein sehr schnelles Tempo bekommt, aber dennoch hätte ich mir an einigen Stellen eine Pause gewünscht, um mit mehr Informationen gefüttert zu werden und einige Dinge blieben mir bis zum Schluss einfach zu abstrakt und überstiegen mein Vorstellungsvermögen.

Lobenswert ist an dieser Stelle dennoch der Schreibstil der Autorin, der sehr bildgewaltig und gefühlvoll war. Pluspunkt waren für mich auch die Spielereien mit dem Schriftbild, die Absätze und Wiederholungen, die besonderen Metaphern und die Tatsache, dass nicht die gesamte Geschichte aus Aza’s Sicht erzählt wurde, sondern wir auch einige Kapitel aus der Perspektive ihres besten Freundes serviert bekamen. Ich freue mich jedenfalls schon jetzt sehr auf die Fortsetzung der Reihe und würde gerne nochmal nach „Magonia“ zurückreisen, denn ich bin mir sicher, ich habe noch längst nicht alles dort entdeckt!


„Magonia“ ist ein eigenwilliger aber ganz besonderer Jugendroman, der Elemente aus sämtlichen Genres enthält und in einem unglaublichen magischen Setting eingebettet wurde, der das Buch zu etwas ganz außergewöhnlichem macht. Teilweise war mir der Roman allerdings zu schnell und ich hätte gerne noch bei dem ein oder anderen Informationsbrocken verweilt, statt in die nächste Schlacht zu ziehen.

4/5

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2 Kommentare zu „[Rezension] Maria D. Headley: „Magonia“

  1. Ich fand es auch sehr kreativ und vom Stil irgendwie anders als typische Bücher aus dem Genre. Allerdings hat die Story darunter gelitten, die fand ich sehr schwach (wäre vielleicht auch gut gewesen das Buch einfach nicht so voll zu stopfen). Aza fand ich auch schwierig. An sich cool, dass sie so ein kantiger Charakter ist, aber manche ihrer Aussagen waren mir zu unsympathisch. Und das Ende war auch irgendwie… ungewöhnlich ;D

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