Bücher · Rezension

[Rezension] Steven Rowley: „Lily und der Oktopus“


ludo

Steven Rowley / „Lily und der Oktopus“
aus dem Englischen ‚Lily and the Octopus‘ von Sibylle Schmidt
Goldmann Verlag, 17.04.2017
Gebunden mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 18,00€

Inhalt

Lily lebt seit zwölf Jahren in Los Angeles. An der Seite des Drehbuchautors Ted hat sie eine großartige Zeit verbracht. Viele Abenteuer haben die beiden gemeinsam bestanden, so manche Herausforderung gemeistert, und nichts konnte sie je voneinander trennen. Lily ist eine Dackeldame, und sie ist die witzigste und charmanteste Begleiterin, die es für Ted nur geben kann. Doch dann wird Lily schwer krank – und auch wenn Ted weiß, dass er kaum eine Chance hat, zieht er in den Kampf gegen seinen ärgsten Feind: den Tod, der sie bedroht. Ted und Lily begeben sich auf ihre letzte große gemeinsame Reise – und Ted begreift, dass die Liebe uns mitunter allen Mut abverlangt, den wir haben …

Meine Meinung

„Lily und der Oktopus“ erzählt die humorvolle aber auch sehr emotionale Geschichte von Ted und Lily, die viel mehr als nur Haustier und Haustierbesitzer füreinander sind. Die beiden leben zusammen wie ein altes Ehepaar, führen ernsthafte (und auch nicht so ernsthafte) Gespräche, essen Pizza oder spielen Monopoly. Der gemütliche Alltag der beiden wird erst dann aus Tür und Angel gerissen, als Ted etwas oktopusförmiges an Lilys Kopf entdeckt und realisiert, dass die Zeit der beiden bald ein Ende nehmen könnte.

Anfangs war ich etwas perplex, mit welcher Selbstverständlichkeit der Autor die Gespräche zwischen Hund und Mensch in die Handlung mit einfließen ließ, wie Lily fast schon personifiziert wurde. Dabei ist das gar nicht so wunderlich, denn gerade Hunde – die treusten Seelen, die man sich wohl nur vorstellen kann – haben so viele menschliche Züge an sich. Wir hatte früher selber eine Hündin, sie hieß Blacky, und sie war viele viele Jahre meine allerbeste Freundin. Alle Geheimnisse konnte ich ihr anvertrauen, ohne befürchten zu müssen, sie würde sie ausplaudern, ich konnte mit ihr toben, aber auch stundenlang auf dem Boden liegen und sie nur hin und wieder streicheln, während ich ihr irgendwelche selbsterfundenen Quatschgeschichten erzählte oder sie mit meinen Problemen nervte. Ich glaube, wenn man als Kind selber nie einen Hund bzw. generell ein Haustier gehabt hat, kann man viele der Gedanken der Haustierbesitzer überhaupt nicht nachvollziehen. Ich will nicht behaupten, dass man den Protagonisten aus „Lily und der Oktopus“ nur dann versteht, wenn man selber mal einen Hund hatte oder immer noch hat, aber ich glaube schon, dass die Gefühlswelt von Ted in dem Fall leichter zugänglich ist. Lily’s Geschichte hat mich zu sehr an die meiner eigenen Hündin erinnert, weswegen mir viele der Situationen direkt ans Herz gingen.

Nicht nur, dass Lily sprechen kann, auch der Oktopus bekam eine Stimme. Gegen Ende gab es einen ganzen Teil, bei dem ich mir nicht sicher war, ob man ihn rein metaphorisch deuten sollte oder ob das möglicherweise nicht sogar schon magischen Realismus darstellen könnte. Für mich war diese Seereise mitunter fast der emotionalste und kraftvollste Part, obgleich er so skurril war und sich – leider –  so schrecklich unreal anfühlte.

In dem Buch geht es aber nicht nur um das Abschiednehmen und die Trauer um den Verlust, sondern Ted blickt auch auf viele schöne (aber auch nicht so schöne) Episoden aus seiner Vergangenheit mit Lily zurück. Dadurch versteht man die Beziehung und die Liebe, die die beiden füreinander empfinden, noch so viel besser. Dabei drückt Steven Rowley an keiner Stelle absichtlich auf die Tränendrüse oder macht das ganze unnötig kitschig. Zum Schluss sind die beiden einem so sehr ans Herz gewachsen, dass die Tränen von ganz alleine fließen.


Wer Lust auf ein traurigschönes Buch hat, in dem Freundschaft und Tierliebe ganz groß geschrieben werden, der sollte unbedingt zu „Lily und der Oktopus“ greifen. Das Buch trifft einen mitten ins Herz, ob man will oder nicht, und bietet darüber hinaus viele witzige aber auch traurige Dialoge. 4.5/5

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4 Kommentare zu „[Rezension] Steven Rowley: „Lily und der Oktopus“

  1. Also ich denke man muss Hunde einfach nur sehr mögen, um etwas mit dem Roman anfangen zu können ;) Hatte nämlich auch nie selbst einen, aber ich liebe Hunde und ich fand die Beziehung in dem Buch so schön und herrlich lustig und musste mich ehrlich gesagt gar nicht daran gewöhnen, aber das liegt vielleicht an mir und meinem Konfettigehirn ;)
    Die Seereise hat das ganze für mich auch sehr ins magischer Realismus Licht gerückt. Fand ich echt interessant darüber nachzudenken wie metaphorisch ich das ganze sehe.
    Ich glaube das Ende fand ich tatsächlich einen Ticken kitschig, da war dann doch alles ein wenig zu harmonisch.

    1. Waaaas, das Ende war doch megaschön! :D Ich hätte es nicht ertragen, wenn es traurig und hoffnungslos geendet hätte, so, wie es war, fand ich es grandios! Aber ich versteh was du meinst, man hätte das vielleicht auch eine Spur weniger kitschig hinbekommen. :’D

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