Bücher · Rezension

[Rezension] Rebecca Solnit: „Wenn Männer mir die Welt erklären“


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Rebecca Solnit / „Wenn Männer mir die Welt erklären“ (engl. ‚Men Explain Things to Me‚) übersetzt von Kathrin Razum und Bettina Münch
btb Verlag, 09.01.2017
Taschenbuch, 176 Seiten, 9,99€

Inhalt

Ein Mann, der mit seinem Wissen prahlt, in der Annahme, dass seine Gesprächspartnerin ohnehin keine Ahnung hat – jede Frau hat diese Situation schon einmal erlebt. Rebecca Solnit untersucht die Mechanismen von Sexismus. Sie deckt Missstände auf, die meist gar nicht als solche erkannt werden, weil Übergriffe auf Frauen akzeptiert sind, als normal gelten. Sie schreibt über die Kernfamilie als Institution genauso wie über Gewalt gegen Frauen, französische Sex-Skandale, Virginia Woolf oder postkoloniale Machtverhältnisse. Leidenschaftlich, präzise und mit einem radikal neuen Blick zeigt Rebecca Solnit auf, was längst noch nicht selbstverständlich ist: Für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern gilt es, die Stimme zu erheben.

Meine Meinung

„Wenn Männer mir die Welt erklären“ ist eine interessante und vielseitige Essay-Sammlung von der in den USA ziemlich bekannten Aktivistin Rebecca Solnit, in denen sie sich mit gesellschaftlich relevanten Erscheinungen unserer Zeit auseinandersetzt. Es geht dabei insbesondere um die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft und den unterschiedlichen Machtstrukturen zwischen den Geschlechtern.

Insgesamt enthält das dünne Büchlein 7 Essays, die ich mehr oder weniger interessant und informativ fand. Gerade dann, wenn man sich noch nicht vertieft mit Feminismus beschäftigt hat, bietet diese Sammlung einen guten Einstieg, da Rebecca Solnit zahlreiche Statistiken mit einbezieht und anführt und uns so beispielhaft an die verschiedenen Problematiken heranführt. In meinen Augen bleibt sie dabei aber oftmals leider viel zu oberflächlich. Dabei beschäftigt die Autorin sich nur in ihrem ersten Essay mit dem Phänomen herablassender Männer, die meinen, einem die Welt erklären zu können, obgleich sie ganz offensichtlich keinen blassen Schimmer haben, wovon sie eigentlich reden. Der Rest ist um einiges düsterer, es geht viel um häusliche Gewalt und Vergewaltigungen, die gegen Frauen verübt werden und in den meisten Fällen ungestraft bleiben, statt durch ihre Bestrafung ein deutliches Zeichen zu setzen.

„Sicher, Menschen beiderlei Geschlechts tun sich bei gesellschaftlichen Anlässen hervor, indem sie über Belanglosigkeiten und Verschwörungstheorien schwadronieren, aber das durch und durch provokative Selbstvertrauen der vollkommen Unwissenden ist meiner Erfahrung nach geschlechtsspezifisch. Männer erklären mir die Welt, mir und anderen Frauen, ob sie nun wissen, wovon sie reden, oder nicht. Manche Männer jedenfalls.“ (S. 14)

In den Essays ist unübersehbar, wie wütend Rebecca Solnit ist und wie nahe ihr diese Themen als Frau gehen. Ihr Engagement ist ansteckend und jeder, der bisher (unverständlicherweise) immer noch nichts von der Notwendigkeit des Feminismus hält, tut es spätestens nach dieser Lektüre. Schade finde ich an dieser Stelle nur, dass die Autorin sich so absolut gar nicht mit Intersektionalität, das heißt der Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person, beschäftigt hat und diese nicht einmal in einem Essay auch nur andeutet.

Ein wenig enttäuscht war ich auch, wie zäh und dröge der mittlere Teil des Buches war. Mir ist klar, dass ein Essay durchaus ein anspruchsvoller wissenschaftlicher Text ist, aber gerade der vorletzte Text las sich wie eine trockene, anstrengende Uni-Lektüre und ich konnte mich nur schwer dazu motivieren, ihn tatsächlich zu Ende zu lesen. Ich hatte bei dem Titel des Buches gedacht, dass diese Sammlung zwar aufschlussreich und informativ sein würde, aber habe mit wesentlich mehr persönlichen Anekdoten gerechnet und außerdem erwartet, dass das Buch sich um einiges lockerer und humorvoller liest. Dass einige Essays sehr angestrengt und wissenschaftlich waren hat mich daher sehr enttäuscht. Sicher, es ist ein wichtiges Thema, mit dem die Autorin sich da beschäftigt, aber eine Aneinanderreihung von Statistiken ist zwar interessant, macht aber für mich kein gutes Buch über den Feminismus aus. Das hätte sicher ganz anders ausgesehen, wenn die Essays, so wie es der Titel vermuten ließ, eine persönlichere Note bekommen hätten.

„Die Emanzipation der Frau wurde oft als Bewegung dargestellt, die darauf abzielt, die Macht und Privilegien von Männern zu beschneiden oder sie ihnen ganz wegzunehmen, als handelte es sich um ein armseliges Nullsummenspiel, bei dem immer nur ein Geschlecht frei und mächtig sein kann. Aber wir sind entweder gemeinsam frei oder gemeinsam unfrei. Wer glaubt, er müsse gewinnen, dominieren, bestrafen und uneingeschränkt herrschen, ist mit Sicherheit alles andere als frei. Dieses vergebliche Streben aufzugeben, muss eine Erlösung sein.“   (S. 55)


„Wenn Männer mir die Welt erklären“ konnte mich leider nicht vollkommen überzeugen. Hatte das erste Essay noch eine persönliche und hoffnungsvolle Note, waren die restlichen zwar informativ, aber auch um einiges ernüchternder. Zwischenzeitlich driftet das Buch in eine trockene und sehr wissenschaftliche Richtung ab, die ich leider nicht mehr als spannend empfand. Dennoch rütteln die meisten Essays auf und enthalten einige wichtige und wertvolle Botschaften, die Rebecca Solnit auf eine eindringliche aber angenehme Art und Weise vermittelt. 3/5

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