Bücher · Rezension

[Rezension] Walter Moers: „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“


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Walter Moers / „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“
Knaus Verlag, 28.August 2017
Gebunden mit Schutzumschlag, 334 Seiten, 24,99€

Inhalt

Prinzessin Dylia, die sich selbst „Prinzessin Insomnia“ nennt, ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr. Havarius Opal, wie sich der ebenso beängstigende wie sympathische Gnom vorstellt, kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereit hält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen. Walter Moers erzählt dieses Märchen aus der zamonischen Spätromantik voller skurriler Charaktere mit der ihm eigenen Komik: spannend und anrührend zugleich.

Meine Meinung

Wer Walter Moers kennt, weiß, wie fantasievoll und abenteuerreich seine Bücher, die im skurrilen Zamonien spielen, sind. Es gibt normalerweise einen Haufen an eigenartigen und eigenwilligen Charakteren und üblicherweise jagt ein Ereignis das nächste, dem Helden wird nicht mal eine Pause gegönnt. Auch „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ war in Geschichte und Figuren sehr erfindungsreich, konnte mich aber leider dennoch nicht ganz von sich überzeugen.

Normalerweise beginnt man ja nicht mit der Kritik, aber in diesem Fall muss ich es einfach gleich als erstes anbringen: Wieso haben in diesem Buch nur zwei Charaktere eine Rolle gespielt und wieso haben sie sich – trotz der wundervollen Gestaltung des Buches – so farb- und belanglos angefühlt? Im Prinzip begleiten wir nur die Gedanken der Prinzessin Dylia, die in einer ihrer schlaflosen Nächte vom alptraumfarbenen Nachtmahr Havarius Opal besucht wird, der sie dann mehr oder weniger durch ihr Gehirn führt. Die Idee an sich war sehr niedlich und auch sprachlich interessant und originell umgesetzt, aber trotzdem fühlte es sich einfach so nichtssagend an beim Lesen. Schon der Einstieg in die Geschichte fiel mir ehrlich gesagt nicht besonders leicht, denn Prinzessin Dylia war zwar irgendwo eine sehr faszinierende Person, trotzdem fand ich sie auch den Großteil des Buches ziemlich langweilig und unsympathisch. Gleiches gilt für den Nachtmahr, der Dylia zwar auf ziemlich unterhaltsame Art und Weise durch ihr Gehirn führt, aber ansonsten in meinen Augen so gut wie keine Persönlichkeit besitzt. Er soll zwar die Rolle des lustigen Bösewichts übernehmen, aber funktioniert hat das in meinen Augen leider nicht. Dylias Liebe zur Sprache, ihr eigenes Erfindungsreichtum und ihre Krankheitsgeschichte waren interessante Charaktereigenschaften, aber mir blieb sie leider trotzdem sehr fremd und ich konnte weder Zuneigung noch Neugierde ihr gegenüber empfinden.

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Dabei ist die Gestaltungen dieses Buches so wunderschön. Normalerweise lässt Walter Moers es sich ja nicht nehmen, seine Bücher selbst zu illustrieren, aber diesen Roman durfte die junge Lydia Rode mit lauter bunten Aquarellen füllen, die wirklich toll anzusehen sind und dem Buch eine ganz besondere, vor allem auch eine lebendige Note verleihen. Im Nachwort stellt Moers auch klar, wie er überhaupt auf die Idee zu diesem Roman kam und weshalb er das Buch dieses Mal nicht selbst mit seinen Zeichnungen gefüllt hat – an beidem ist nämlich Lydia Rode „Schuld“, die unter dem Chronischen Fatigue-Syndrom leidet und Moers in einem Leserbrief von ihrer Liebe zu seinen Büchern erzählt. Eine wirklich tolle Hintergrund- und Entstehungsgeschichte!

Und man muss auch einfach lobend erwähnen, wie gekonnt und gewitzt der Autor mit unserer Sprache umgeht, auf welch lustige Ideen er kommt, wie er all diese Ideen in einem Roman zusammenfasst. „Prinzessin Insomnia“ hatte wahrlich keinen großen Spannungsbogen und gerade die ersten hundert Seiten musste ich mich regelrecht zum Weiterlesen zwingen, weil ich so gar nicht in die Geschichte finden wollte. Trotzdem war das alles – vermutlich vor allem wegen der Skurrilität – extrem amüsant zu lesen und ich habe mich nicht nur einmal gefragt, wie man nur auf so geniale Ideen kommen kann. Die Wanderung durch Dylias Gehirn ist langwierig, was man erst gar nicht glauben mag, da das Buch ja „nur“ gut 300 Seiten hat, aber trotzdem erfrischend und teilweise urkomisch. Man muss sich aber bewusst sein, dass das Buch entweder aus Dylias endlosen Monologen besteht (gerade das erste Drittel) bzw. aus den Dialogen, die sie mit dem Nachtmahr führt (die letzten beiden Drittel). Mich hat es jetzt nicht so sehr gestört, aber an einigen Stellen klang es dann schon irgendwie geskriptet und weniger authentisch (wobei man sich natürlich auch die Frage stellen muss, wie authentisch eine solche Gehirnwanderung ohnehin ist). Was das Ende angeht, will ich gar nichts vorwegnehmen, nur dass ich es nicht zufriedenstellend fand und mir einen anderen Ausgang der Geschichte gewünscht hätte.


Insgesamt erzählt „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ eine amüsante, aber sehr kurzweilige und leider nicht ganz so mitreißende Geschichte, die sich allerdings vor allem durch ihr Fantasiereichtum und ihre Originalität auszeichnet. Mir fehlte bis zum Schluss der Zugang zu den Figuren, aber trotz allem habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und mich vor allem an den unglaublich schönen Illustrationen erfreut. 3.5/5

 

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8 Kommentare zu „[Rezension] Walter Moers: „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“

  1. Hey!
    Wenn ich irgendwann endlich dazu komme Die Stadt der träumenden Bücher weiter zu lesen und zu beenden möchte ich den Nachtmahr auch unbedingt haben. Das Buch sieht so wunderschön aus.
    Ich bin gespannt, wie ich die Figuren und das Ende dann finde..
    Tolle Rezension, schöne Fotos! <3

    Liebe Grüße,
    Nicci

    1. Liebe Nicci,

      oh ja, das Buch ist wirklich wunderschön anzusehen, sowohl von innen, als auch von außen! Liebevoller und außergewöhnlicher hätte man es kaum gestalten können!
      Die Stadt der Träumenden Bücher habe ich vor ein oder zwei Jahren gelesen und fand es so toll! Ich wünsche dir noch ganz viel Freude damit!

      Danke für deinen lieben Kommentar und ganz liebe Grüße!
      Liesa

  2. Hallo Liesa,

    ich habe bisher noch nicht viel von Moers gelesen aber besonders Prinzessin Insomnia hat es ganz nach oben auf meine Wunschliste geschafft, weil mich die Gestaltung des Buches so anspricht.
    Die Kritikpunkte, die du angebracht hast, habe ich jetzt allerdings schon häufiger gehört. Ich bleibe trotzdem gespannt.

    Liebst,
    Jule

    1. Hej liebe Julia,

      ja, es lohnt sich dennoch auf jeden Fall, das Buch zu lesen, so lange man die Erwartungen eben nicht allzu hoch ansetzt, denke ich! Bin gespannt, was Du dann davon halten wirst!

      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
      Liesa

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